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Nationalpark Gorongosa

Nationalpark in Mosambik

Der Nationalpark Gorongosa (portugiesisch Parque National da Gorongosa) in Mosambik wurde 1960 als erster Nationalpark in Mosambik durch die damalige Kolonialmacht Portugal eingerichtet. Der Nationalpark ist nach dem in der Nähe gelegenen Bergmassiv Gorongosa benannt.

Parque National da Gorongosa

IUCN-Kategorie II – National Park

Einfahrt zum Nationalpark

Einfahrt zum Nationalpark

Lage Mosambik, Sofala Provinz
Fläche 3.770 km²
WDPA-ID 801
Geographische Lage 18° 46′ S, 34° 30′ OKoordinaten: 18° 45′ 50″ S, 34° 30′ 0″ O
Markierung
Karte von Mosambik
Einrichtungsdatum 23. Juli 1960
Verwaltung Direcção Nacional de Áreas de Conservação

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Der Nationalpark Gorongosa liegt im südlichen Ausläufer des Großen Afrikanischen Grabenbruchs nördlich von Beira in der Provinz Sofala in Zentralmosambik. Im Südwesten bildet der Rio Púnguè die Grenze des Nationalparks.

GeschichteBearbeiten

KolonialzeitBearbeiten

Die Anfänge des Nationalparks gehen zurück auf ein 1920 gegründetes Jagdgebiet der Mozambique Company. Die unter britischer Kontrolle stehende Gesellschaft erhielt durch eine Lizenz der portugiesischen Kolonialmacht die Kontrolle über die Provinz Sofala mit der Hafenstadt Beira. Anfänglich nur 1000 Quadratkilometer groß, wurde das Jagdgebiet 1935 auf 3200 Quadratkilometer vergrößert. 1940 wurden ein neues Hauptquartier und ein Touristen-Camp am Mussicadzi-Fluss errichtet. Diese wurden allerdings zwei Jahre später durch Hochwasser zerstört. 1941 endete der Vertrag der portugiesischen Kolonialmacht mit der Mozambique Company und das mehr und mehr zu einer Touristenattraktion gewordene Jagdgebiet wurde der Kolonialverwaltung unterstellt und erste Schritte zur Umwandlung in ein Schutzgebiet wurden unternommen. 1951 wurde das Schutzgebiet um eine 12.000-Kilometer-Schutzzone vergrößert und das Chitengo Camp mit Hauptverwaltung, Unterkünften und Restaurant wurde errichtet. Ende der 1950er Jahre besuchten bereits mehr als 6000 Touristen im Jahr das Schutzgebiet. Am 23. Juli 1960 wurden das 3200 Quadratkilometer große Schutzgebiet und weitere 2100 Quadratkilometer der Schutzzone von der portugiesischen Regierung zum Nationalpark erhoben. Bereits 1966 wurde der Park jedoch wieder verkleinert.[1]

BefreiungskampfBearbeiten

Von 1962 bis 1975 dauerte in Mosambik der Befreiungskampf, initiiert von der Frelimo. Bis 1972 hatte dieser Befreiungskampf keine Auswirkungen auf den Nationalpark Gorongosa. Auch bis zur Unabhängigkeit Mosambiks im Jahr 1975 blieb der Park weitestgehend von Zerstörung verschont.[1]

BürgerkriegBearbeiten

Nach der Unabhängigkeit brach in Mosambik ein bis 1992 dauernder Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf ab 1982 das Gebiet des Nationalpark Gorongosa zwischen den beiden Bürgerkriegsparteien stark umkämpft war. Durch den Bürgerkrieg wurde der Park sich selbst überlassen und die Infrastruktur zerstört.[1] Der Park geriet unter die Kontrolle der Renamo, die im Park ihr Hauptquartier errichtete.[2]

Aktuelle EntwicklungBearbeiten

Erst 1995, drei Jahre nach Ende des Bürgerkrieges, wurde mit Hilfe der African Development Bank (ADB), der European Union und des IUCN damit begonnen, den Nationalpark wieder aufzubauen. Unter der Leitung von zwei ehemaligen Mitarbeitern des Nationalparks aus der Zeit vor dem Krieg wurden 50 ehemalige Soldaten eingestellt, und es wurde damit begonnen, die Infrastruktur wieder aufzubauen und die Tierwelt vor Wilderei zu schützen.[1] Es dauerte bis 1998 den Nationalpark zu entminen.[2] Seit 2004 arbeitet die Regierung von Mosambik beim Wiederaufbau des Nationalparks eng mit der US-amerikanischen Carr Foundation zusammen. 2008 wurde diese Zusammenarbeit in einem Vertrag für die nächsten 20 Jahre vereinbart.[1] Ende April 2008 wurde der Nationalpark nach der Instandsetzung der Infrastruktur wieder für den Tourismus geöffnet.[3]

LandschaftBearbeiten

Der Nationalpark Gorongosa liegt im südlichen Ausläufer des Großen Afrikanischer Grabenbruchs in einem von vielen Flüssen durchzogenen Gebiet. Der Nationalpark liegt in einem zwischen 200 und 400 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Überschwemmungsgebiet nordwestlich des Rio Púnguè. Der von vereinzelten Inselbergen durchsetzte Nationalpark ist geprägt von einer Savannenlandschaft mit Sumpfgebieten und vielen Flüssen, welche in den Urema-See münden. Ebenfalls zum Nationalpark gehören Teile des sich im Osten erhebende Cheringoma Plateaus. Im Westen wird der Nationalpark vom Barue Plateau, auf dem sich die Serra da Gorgongosa erhebt, begrenzt.[4]

Flüsse und Seen im ParkBearbeiten

Der Rio Púnguè bildet die südwestliche Grenze des Nationalparks. Der Urema durchfließt den Nationalpark von Norden kommend nach Süden und mündet in einem Sumpfgebiet des Rio Púnguè. In der Mitte des Nationalparks bildet der Urema zusammen mit den Flüssen Muaredzi, Nhandugue, Vunduzi, Mucodza und Sungue den Urema-See. Neben dem Rio Púnguè führen nur der Vunduzi und der Nhandungue ganzjährig Wasser.[4]

Flora und VegetationBearbeiten

 
Straße und Vegetation

Der Nationalpark ist geprägt von Waldsavannen, an den Hängen der Plateaus und in trockenen Gebieten mit den für eine Miombo-Savanne typischen Pflanzengattung Brachystegia oder Mopane. In den niedriger gelegenen Savannen im Tal treten vermehrt auch Baobab, Marula-Baum, Leberwurstbaum und Schirmakazien auf. Etwa 14 Prozent des Parks sind von Wald oder dichtem Dickicht bedeckt. Etwa 20 Prozent der Savannenfläche im Tal werden regelmäßig überflutet.[4]

Im Park sind unter anderem folgende Pflanzenarten nachgewiesen:

Gehölze
krautige Pflanzen

TierweltBearbeiten

Bevor der Bürgerkrieg den Nationalpark zerstörte und durch Wilderei bis zu 95 Prozent des Großwildbestandes vernichtet wurde, galt der Nationalpark als einer der artenreichsten Nationalparks im südlichen Afrika. Im Bürgerkrieg wurden der Bestand des Elefanten von vorher mehr als 2500 Tieren auf 200–300 Tiere durch Wilderei verringert. Mit dem Elfenbeinhandel besorgten sich die Bürgerkriegsparteien das für Waffen benötigte Geld. Auch der Bestand anderer Tierarten, wie Zebras, Gnus, Büffel oder Löwen und anderen Raubtieren wurde während des Bürgerkrieges und in den Jahren danach durch Wilderei und deren Folgen stark dezimiert. Seit 1994 wird der Park wieder vor Wilderei geschützt und es wird versucht, verloren gegangene Tierarten wieder anzusiedeln. Der Nationalpark verfügt heute noch über einen einzigartigen Artenreichtum, der sich langsam wieder erholt.[1] Im Park leben heute 700 Büffel, über 500 Elefanten und 70 Löwen.[5]

KlimaBearbeiten

Zentralmosambik verfügt über ein tropisches Klima. Der jährliche Regenfall beträgt bis zu 1400 mm. Im südlichen Sommer (Regenzeit) liegen die Temperaturen zwischen 30 und 40 °C mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Im trockenen Winter erreichen die Temperaturen zwischen 15 und 25 °C.

Infrastruktur/TourismusBearbeiten

Die Infrastruktur im Nationalpark wurde während des Bürgerkrieges zum größten Teil zerstört. Seit 1994 laufen die Arbeiten zum Wiederaufbau.

ParkeingangBearbeiten

Der Zufahrt zum Parkeingang zweigt nach 40 Kilometern von Inchope von der Straße EN1 nach Osten ab. Nach 11 Kilometern erreicht man den Parkeingang. Nach 18 weiteren Kilometern erreicht man das einzige Camp.

StraßenBearbeiten

Im Park gibt es keine befestigten Straßen. Die Zufahrt zum Camp ist während der Trockenzeit mit normalen Fahrzeugen erreichbar. Alle anderen Wege im Park sind nur für Geländewagen geeignet.

UnterkunftBearbeiten

Einziges Camp im Park ist das Chitengo Safari Camp. Es liegt am Ufer des Rio Púnguès im Süden des Nationalparks. Es bietet Hütten zur Unterkunft, einen Campingplatz und ein Restaurant. 2009 soll ein Kongresszentrum fertiggestellt werden.

VersorgungBearbeiten

Mit Ausnahme des Restaurants und der Unterkünfte gibt es im Park keine Versorgungsmöglichkeiten und keine Tankstelle. Die nächste Tankstelle liegt im über 100 Kilometer entfernten Nhamatanda.

QuellenBearbeiten

Allgemeine QuellenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f History of the Gorongosa-Nationalpark
  2. a b Homepage des Koordinierungskreises Mosambik e. V.
  3. Mosambiks Nationalpark Gorongosa wieder geöffnet, Themenportal 1&1@1@2Vorlage:Toter Link/portal.1und1.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. a b c Ecology of the Gorongosa-Nationalparks
  5. Markus M. Haefliger: Von vielen guten Ideen werden nur wenige verwirklicht. In: nzz.ch. 5. März 2016, abgerufen am 14. Oktober 2018.