MyHeritage

Online-Datenbank für Genealogie
MyHeritage

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Rechtsform Privat
Gründung 2003
Sitz Tel Aviv, Israel
Leitung Gilad Japhet (CEO)
Mitarbeiterzahl 430 (2018)[1]
Branche Internet
Website myheritage.de

MyHeritage ist eine Genealogie-Plattform. Sie wurde 2003 von der israelischen Firma MyHeritage entwickelt.[2] Die Nutzer der Plattform können Stammbäume erstellen, Fotos hochladen und rund vier Milliarden Profile durchsuchen. Der Service in 42 Sprachen verfügbar und hat 92 Millionen Nutzer.[3] 2016 wurde ein Gentest-Service mit dem Namen MyHeritage DNA eingeführt. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Or Jehuda, Israel.[4]

GeschichteBearbeiten

2003–2007: Gründung und AnfangsjahreBearbeiten

 
MyHeritages Büro im Dorf von Bnei Atarot, Israel

MyHeritage wurde 2003 von Gilad Japhet (heute CEO) in seinem Wohnzimmer gegründet.[2] I2005 erhielt das Unternehmen Gelder von Business Angels. Das Geschäftsmodell wurde von einem kostenlosen Service zu einem Freemium-Modell umgestellt.[2]

MyHeritage forderte genealogische Informationen seiner Nutzer ein. Die Informationen konnten online eingesehen, aber nicht bearbeitet werden.[5] 2006 stellte MyHeritage Gesichtserkennungssoftware an, die Gesichtszüge aus einer Fotodatenbank erkennt und dann Personen miteinander verknüpft.[6][7] Im Dezember 2006 erwarb das Unternehmen die Pearl Street Software, Urheber einer Stammbaumsoftware (Family Tree Legends). Zudem wurde GenCircles, eine Stammbaumabgabe-Seite mit über 160 Millionen Profilen und 400 Millionen öffentlichen Aufzeichnungen, erworben.[8]

2007 hatte MyHeritage über 150.000 Stammbäume, 180 Millionen Profile, 100 Millionen Fotos und 17,2 Millionen Nutzer. MyHeritage erhielt insgesamt 9 Millionen Dollar von Investoren, die Hälfte stammt von Accel.[5]

2008–2012: Übernahmen und EntwicklungenBearbeiten

 
Der Hauptsitz von MyHeritage in Or Yehuda, Israel

2008 erhielt MyHeritage weitere 15 Millionen Dollar u. a. von Index Ventures und Accel[9] und kaufte Kindo, einen Dienst zur Stammbaumerstellung im Vereinigten Königreich.[10] Zu dieser Zeit verfügte die Webseite über 260 Millionen Profile, 25 Millionen Nutzer sowie 230 Millionen Fotos und bot seine Dienste in 25 Sprachen an.[11]

2010 erwarb MyHeritage die in Deutschland basierte OSN Online Social Networking GmbH,[12] eine Stammbaum-Webseite mit sieben genealogischen Versionen. Die Versionen waren u. a. verwandt.de aus Deutschland, moikrewni.pl aus Polen und dynastree.com aus den Vereinigten Staaten. Die Übernahme lieferte MyHeritage mehrere neue Funktionen (inkl. Wappen, Stammbaum-Verknüpfung und eine Option, um sich an mobile Applikationen zu wagen).

Andere Übernahmen von 2011 beinhalten das niederländische Familiennetzwerk Zoof, BackupMyTree, einen Backup-Dienst, der entwickelt wurde, um bis zu 9 Terabyte große Familiengeschichtsdaten zu speichern,[13] und FamilyLink, einen Entwickler von Familiengeschichts-Webseiten und Besitzer einer großen Datenbank an historischen Aufzeichnungen (WorldVitalRecords.com, das Volkszählungen, Geburts-, Todes- und Hochzeitsaufzeichnungen und ein Archiv an historischen Zeitungen anbietet). Das Unternehmen veröffentlichte eine App für iOS- und Android-Geräte.[14]

2012 verzeichnete MyHeritage 1 Milliarde Profile und präsentierte mehrere neue Features einschließlich Supersearch, einer Suchmaschine für Milliarden historischer Aufzeichnungen, und Record Matching, einer Technik, die automatisch MyHeritages historische Aufzeichnungen mit den eingestellten Profilen auf der Webseite vergleicht und die Nutzer informiert, sobald eine Übereinstimmung im Stammbaum gefunden wurde.[15][16][17]

Im November 2012 übernahm MyHeritage Geni.com, einen seiner Hauptkonkurrenten. Geni blieb als eigenständige Marke bestehen.[18] MyHeritage erhielt in einer Finanzierungsrunde mit Bessemer Venture Partners weitere 25 Millionen Dollar.[19]

2013–Gegenwart: Partnerschaften und WachstumBearbeiten

2013 ging MyHeritage eine strategische Partnerschaft mit FamilySearch ein. So konnten die Techniken genutzt werden, um Nutzern schnellere Ergebnisse zu präsentieren. Zur Zeit des Geschäfts verfügte MyHeritage über 75 Millionen registrierte Nutzer und 1,6 Milliarden Profile.[20] Auch erhielt das Unternehmen Zugriff auf alle Volkszählungen der Vereinigten Staaten von 1790 bis 1940.[21] Im April 2013 veröffentlichte MyHeritage die Version 7.0 des Family Tree Builder. MyHeritage stellte eine Webfunktion vor, die Verbindungen zwischen verschiedenen historischen Aufzeichnungen findet.[22]

Im Februar 2014 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit BillionGraves ein, um Gräber und Friedhöfe weltweit zu digitalisieren und zu dokumentieren.[23] Im Oktober 2014 ging das Unternehmen auch eine Partnerschaft mit EBSCO Information Services ein, um Bildungsinstitutionen (Bücherhallen, Universitäten etc.) einen kostenlosen Zugang zu MyHeritage’s Datenbank an historischen Aufzeichnungen zu ermöglichen.[24] Im Dezember 2014 ist MyHeritage eine Vereinbarung mit dem Dänischen Nationalarchiv eingegangen, um Volkszählungen und Gemeindedatensätze von 1646 bis 1930 zu indexieren.[25]

2014 veröffentlichte das Unternehmen die Funktion Instant Discoveries, die es Nutzern ermöglichte, ganze Zweige an Verwandten auf einmal zum Stammbaum hinzuzufügen.[26]

2015 bot MyHeritage 6,3 Milliarden historische Aufzeichnungen an.[27]

Produkte und DienstleistungenBearbeiten

MyHeritages Produkte und Dienstleistungen gibt es in den Bereichen Web, Mobil und Software.[2][28][29] Die Webseite des Unternehmens, MyHeritage.com, arbeitet mit einem Freemium-Geschäftsmodell. Die MyHeritage Online-Datenbank enthält 6,3 Milliarden historische Aufzeichnungen,[27] einschließlich Volkszählungen, Geburts-, Hochzeits-, Todes-, Militär-, Einwanderungsdokumenten und historische Zeitungen.[30] Nutzer können auch Fotos in ihrem Stammbaum hochladen.[21]

AbgleichstechnikenBearbeiten

MyHeritage verwendet mehrere Übereinstimmungstechniken für die genealogische Forschung. Smart-Matching wird im Stammbaum als Querverweis eines Nutzers mit den Stammbäumen aller anderen Nutzer verwendet. Das Feature ermöglicht Nutzern, Informationen über ihre Familien von anderen, möglicherweise im Zusammenhang stehenden Personen, zu nutzen.[28] Das Record Matching funktioniert auf ähnliche Weise, es vergleicht allerdings historische Aufzeichnungen mit den eingegebenen Daten im Stammbaum.[15][16]

Record Detective verbindet historische Aufzeichnungen miteinander und nutzt zudem bestehende Stammbäume, um Verbindungen zwischen den Datensätzen zu ermöglichen (zum Beispiel eine Sterbeurkunde mit einer Ehe-Lizenz).[22] Instant Discoveries vergleicht die Stammbäume der Nutzer mit anderen Stammbäumen und Aufzeichnungen und weist sofort eine große Menge an Informationen über die Familie in den gefundenen Quellen hin. Ein gesamter Stamm kann somit zum Stammbaum hinzugefügt werden.[26] Die globale Namensübersetzung ermöglicht Nutzern, nach einem Verwandten in ihrer bevorzugten Sprache zu suchen und historische Dokumente in anderen Sprachen für diese Person zu erhalten.[27]

Search Connect ist ein Feature von MyHeritage, das im November 2015 veröffentlicht wurde.[31] Die Funktion indexiert Suchanfragen zusammen mit ihren Metadaten (Daten, Orte, Verwandte usw.) und zeigt diese in den Suchergebnissen, sobald andere eine ähnliche Suche getätigt haben. Die Funktion ermöglicht Nutzern, die eine vergleichbare Suchanfrage gestartet haben, sich miteinander in Verbindung zu setzen und somit zusammenzuarbeiten.[32]

Family Tree BuilderBearbeiten

 
Screenshot des Family Tree Builders

Der Family Tree Builder ist eine kostenlose Software, mit der Nutzer ihren Stammbaum erstellen, Fotos hochladen, Grafiken/Statistiken ansehen können. Die Informationen im Family Tree Builder können auf der Webseite und auf der App von MyHeritage eingesehen und aktualisiert werden.

MyHeritage DNABearbeiten

MyHeritage DNA ist ein genetischer Testdienst, der von MyHeritage im Jahr 2016 ins Leben gerufen wurde.[33] Die DNA-Ergebnisse werden anhand von Wangenabstrichen ermittelt, die der Nutzer in den eigenen vier Wänden vornehmen kann. Die Ergebnisse liefern DNA-Übereinstimmungen (DNA Matching) und Ethnizitätsschätzungen.[33]

DatenleckBearbeiten

Das Unternehmen gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass alle E-Mail-Adressen und die Passwort-Prüfsummen jener 92 Millionen Nutzer, die bis zum 26. Oktober 2017 in der Datenbank gespeichert waren, außerhalb des Unternehmens auf einem privaten Server vorgefunden wurden.[34]

Anerkennungen und AuszeichnungenBearbeiten

2013 wurde MyHeritage von Globes ausgewählt, als eines der aussichtsreichsten israelischen Start-ups für 2013–2014. Das Unternehmen gewann den 1. Platz. Insgesamt standen 4.800 möglichen Start-ups zur Auswahl.[35] 2013 stellte Deloitte MyHeritage auch unter den Top 10 der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas, des Mittleren Ostens und Afrikas (EMEA) in ihrer Deloitte Fast 500 Liste vor.[36]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meir Orbach and Hagar Ravet: Calcalist’s 2018 List of 50 Most Promising Israeli Startups. 18. April 2018, abgerufen am 19. März 2020.
  2. a b c d Pascal-Emmanuel Gobry: How A Startup No One Would Touch Crushed Silicon Valley Moguls And Became A Giant, Business Insider. 18. Juli 2011. Abgerufen im 2. November 2015. 
  3. Ganna Rudenko: Anna Milkman: You shouldn’t think that manna from heaven is everywhere here, Jewish News. 29. April 2015. Abgerufen im 2. November 2015. 
  4. Gabe Friedman: Global Family Reunion a triumph for online genealogy. In: The Times of Israel, 17. Juni 2015. Abgerufen im 2. November 2015. 
  5. a b Michael Arrington: MyHeritage Takes 180 Million People ProDateis To War With Geni, TechCrunch. 28. August 2007. Abgerufen am 2. November 2015. @1@2Vorlage:Toter Link/techcrunch.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  6. Ellen Crean: Family Trees Grow Online, CBS News. 25. November 2006. Abgerufen am 2. November 2015. 
  7. Joe Heim: MyHeritage.com. In: The Washington Post, 29. Januar 2006. Abgerufen am 2. November 2015. 
  8. Nicholas Deleon: MyHeritage Expands Its Family Tree, TechCrunch. 22. August 2007. Abgerufen am 2. November 2015. 
  9. Ernst-Jan Pfauth: MyHeritage raises $15 million from Index and Accel, The Next Web. 8. September 2008. Abgerufen im 2. November 2015. 
  10. Ernst-Jan Pfauth: MyHeritage adds another branch to its tree: Kindo, The Next Web. 23. September 2008. Abgerufen im 2. November 2015. 
  11. Michael Arrington: Family Tree Wars Continue: MyHeritage Raises Big Round, Shows Impressive Growth, TechCrunch. 6. September 2008. Abgerufen im 2. November 2015. 
  12. MyHeritage übernimmt verwandt.de. In: deutsche-startups.de. 2. Februar 2010, abgerufen am 23. Oktober 2019 (deutsch).
  13. Robin Wauters: MyHeritage.com Acquires Family Tree Backup Service BackupMyTree, TechCrunch. 20. September 2011. Abgerufen im 2. November 2015. 
  14. MyHeritage Unveils Innovative Mobile Family Tree App, Business Wire. 15. Dezember 2011. Abgerufen im 2. November 2015. 
  15. a b Jamillah Knowles: MyHeritage hits 1 billion proDateis and announces new features for historical research, The Next Web. 11. Juni 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  16. a b Ingrid Lunden: All In The Family: MyHeritage Buys Former Yammer Stablemate Geni.com In An 8-Figure Deal, Raises $25M, TechCrunch. 28. November 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  17. MyHeritage Releases SuperSearch – a State of the Art Search Engine for Family History, Business Wire. 25. Juni 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  18. Benny Evangelista: Family tree site Geni, which begat Yammer, sold to rival MyHeritage. In: San Francisco Chronicle, 28. November 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  19. Matthew Lynley: MyHeritage Raises $25 Million, Aquires Geni. In: The Wall Street Journal, 28. November 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  20. Frederic Lardinois: MyHeritage Partners With FamilySearch To Add Billions Of Historical Records To Its Genealogy Database, TechCrunch. 15. Oktober 2013. Abgerufen im 2. November 2015. 
  21. a b Raf Weverbergh: This Israeli startup has more proDateis than Facebook (and no bots among them): the MyHeritage story, Whiteboard Magazine. May 2013. Abgerufen am 2. November 2015. @1@2Vorlage:Toter Link/www.whiteboardmag.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  22. a b MyHeritage Launches Record Detective™ to Accelerate Family History Discoveries, Business Wire. 13. Mai 2013. Abgerufen am 2. November 2015. 
  23. MyHeritage, BillionGraves to digitalize world's cemeteries. In: Globes, 20. Februar 2014. Abgerufen am 2. November 2015. 
  24. MyHeritage Partners with EBSCO Information Services to Bring MyHeritage to Libraries and Educational Institutions Worldwide, Business Wire. 7. Oktober 2014. Abgerufen am 2. November 2015. 
  25. MyHeritage to Digitize and Add More Than 120 Million Historical Records from Denmark, Business Wire. 22. Dezember 2014. Abgerufen am 2. November 2015. 
  26. a b Frederic Lardinois: MyHeritage Wants To Bring Genealogy To The Mainstream With Instant Discoveries, TechCrunch. 10. Dezember 2014. Abgerufen am 2. November 2015. 
  27. a b c Mike Gorrell: MyHeritage breaks down language barriers. In: The Salt Lake Tribune, 13. Juli 2015. Abgerufen im 2. November 2015. 
  28. a b David Meyer: MyHeritage automates record-matching as genealogy wars heat up, Gigaom. 19. September 2012. Abgerufen im 2. November 2015. 
  29. MyHeritage Releases Redesigned Mobile App for Family History, Business Wire. 7. Mai 2015. Abgerufen im 2. November 2015. 
  30. First Look at New Search Connect Feature on My Heritage, Genea Musings. 4. November 2015. Abgerufen am 25. November 2015. 
  31. Introducing Search Connect – every search is now a record!, MyHeritage blog. Abgerufen am 25. November 2015. 
  32. a b Frederic Lardinois: MyHeritage launches DNA testing service to help you uncover your family’s history. In: TechCrunch. Abgerufen am 13. Januar 2017.
  33. MyHeritage Statement About a Cybersecurity Incident. In: myheritage.com. Abgerufen am 6. Juni 2018.
  34. Roy Goldenberg: "Globes" names MyHeritage most promising start-up. In: Globes, 17. Oktober 2013. Abgerufen am 2. November 2015. 
  35. Yossi Nissan: 3 Israeli tech cos make Deloitte European top ten. In: Globes, 1. Dezember 2013. Abgerufen am 2. November 2015.