Hauptmenü öffnen

Die mittlere Frist ist ein Konzept aus der Volkswirtschaftslehre, welches das ökonomische Verhalten einer Volkswirtschaft innerhalb eines mittelfristigen Zeitrahmens analysiert. Neben der kurzen und langen Frist ist die mittlere Frist ein Konzept von Fristigkeit.

Inhaltsverzeichnis

ZeithorizonteBearbeiten

Die Makroökonomie unterscheidet drei verschiedene Zeithorizonte, um die Wirtschaft zu erläutern. In diesem Zusammenhang unterscheidet man die kurze, mittlere und lange Frist. Jedoch sind die unterschiedlichen Fristen in Zeitintervalle meist schwer einzugliedern.

Kurze FristBearbeiten

  • Die kurze Frist erklärt die Veränderungen einer Volkswirtschaft von Tag zu Jahr.[1]
  • Die Prämisse dieses Konzeptes ist, dass das Preisniveau konstant ist. Die Produktion weicht meist von ihrem natürlichen Produktionspotenzial ab, da keine Anpassungen über die Preise erfolgt.
  • Bei Nachfrageschwankungen erfolgt die Anpassung auf dem Gütermarkt ausschließlich über Mengen, und Veränderungen der Produktion ziehen keinerlei Preiseffekte mit sich.

Mittlere FristBearbeiten

  • Die mittlere Frist kennzeichnet sich dadurch, dass das Preisniveau flexibel ist.
  • Preise und Löhne passen sich nach einem gewissen Zeitraum an, und die Volkswirtschaft kehrt auf Grund dessen mittelfristig zu einem Gleichgewicht zurück, bei dem die Produktion sowie die Arbeitslosenquote nur noch von strukturellen Faktoren, wie zum Beispiel der Flexibilität des Arbeitsmarktes, abhängen.
  • Die Produktion kehrt immer zum natürlichen Produktionspotenzial zurück. Dieser Anpassungsprozess erfolgt mittels der Angleichung des tatsächlichen Preisniveaus mit den Preiserwartungen.

Lange FristBearbeiten

  • Das Modell der langen Frist ist Gegenstand der Wachstumstheorie und erklärt einen Zeitraum von ungefähr 50 Jahren.[2]
  • Bei der langen Frist wird die Annahme getroffen, dass die Produktionskapazität gegeben ist. Das Niveau der Produktionskapazität bestimmt den Output und die Nachfrage.[3]

Anwendungsbeispiel: Das mittelfristige Gleichgewicht im AS-AD-ModellBearbeiten

Das AS-AD-Modell stellt das Gleichgewicht in der geschlossenen Volkswirtschaft dar.

Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wird durch die Beziehung von aggregierter Angebotsfunktion (AS), die die Gleichgewichtsbedingung auf dem Arbeitsmarkt abbildet und der aggregierten Nachfragefunktion (AD), die die Gleichgewichtsbedingung im Güter- und Geldmarkt darstellt, erreicht.[4]

AS-Funktion:  

AD-Funktion:  

Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht, welches diese beiden Funktionen bestimmen, kann auf kurze oder mittlere Frist betrachtet werden.

Anpassungsprozess im mittleren GleichgewichtBearbeiten

Das kurzfristige Gleichgewicht A0 bildet den Ausgangspunkt. Ist die Produktion Y0 in diesem Punkt ungleich ihrem natürlichen Niveau Yn beginnt der Anpassungsprozess in der mittleren Frist.

In der Abbildung 1 ist im Punkt A0 die Produktion über ihrem Potenzial (Y0 > Yn). In diesem Fall ist das tatsächliche Preisniveau über den erwarteten Preisen (Po > Pe). Zum Zeitpunkt der Tariffestsetzungen erwarteten die Verhandlungspartner ein niedrigeres Preisniveau. Auf Grund des nun höheren tatsächlichen Preisniveaus werden die Tarifpartner höhere Löhne (w) festlegen.[5] Da die Löhne verzögert reagieren verschiebt sich die AS-Kurve erst nach einer gewissen Zeit entlang der AD-Funktion nach oben zum Gleichgewicht A1.

Die höheren Löhne geben die Unternehmen durch höhere Preise an ihre Kunden weiter. Aus diesem Grund steigt das gesamte Preisniveau an. Das höhere Preisniveau verursacht eine Senkung der Produktion und reduziert die reale Geldmenge (M), welche wiederum eine Steigung des Zinssatzes (R) hervorruft. Ist der Punkt A1 erreicht wiederholt sich der Anpassungsprozess bis das Gleichgewicht A2 erreicht ist und die Produktion ihrem natürlichen Niveau entspricht (Y = Yn).

Im umgekehrten Fall, wenn die Produktion kleiner als ihr natürliches Niveau ist, sinkt das Preisniveau. Die Nachfrage sowie die Produktion steigen an.

ZusammenfassungBearbeiten

  • Beim kurzfristigen Gleichgewicht kann die Produktion vom natürlichen Produktionspotenzial abweichen. Die Produktion hängt vom erwarteten Preisniveau und von den Bestimmungsfaktoren, welche die Lage der AD-Kurve verändern, ab.
  • Die Produktion entspricht immer ihrem natürlichen Potenzial im mittelfristigen Gleichgewicht. Der Anpassungsmechanismus bis das natürliche Preisniveau erreicht ist, erfolgt aufgrund des flexiblen Preisniveaus.

LiteraturBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. Vgl. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. S. 836.
  2. Vgl. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. S. 837.
  3. Vgl. Dornbusch, Fischer, Startz: Makroökonomie. S. 6.
  4. Vgl. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. S. 213.
  5. Vgl. Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie. S. 189.