Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart

Die Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (MPA Stuttgart) ist ein interdisziplinäres Dienstleistungsunternehmen für das Bauwesen und den Anlagen- und Maschinenbau. Sie ist als Zentralinstitut der Universität Stuttgart angegliedert.

Materialprüfanstalt Universität Stuttgart
MPA Stuttgart, Otto-Graf-Institut

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Rechtsform Zentralinstitut der Universität Stuttgart
Gründung 1884
Sitz Stuttgart-Vaihingen, Baden-Württemberg, Deutschland
Leitung Harald Garrecht (Geschäftsführender Direktor)
Mitarbeiterzahl 310
Branche Materialprüfung
Website www.mpa.uni-stuttgart.de

Standort Pfaffenwaldring 32

LageBearbeiten

Die MPA Stuttgart liegt auf dem Forschungscampus Stuttgart-Vaihingen. Dort ist sie an den zwei Standorten Pfaffenwaldring 32 (Anlagen- und Maschinenbau) und Pfaffenwaldring 2 und 4 (Bauwesen) vertreten.

GeschichteBearbeiten

1884 wurde die Materialprüfungsanstalt auf Betreiben von Carl von Bach am damaligen Königlich Württembergischen Polytechnikum Stuttgart gegründet.[1] Bach führte das Institut auch durch die schwierige Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und sorgte für Spender aus der Industrie wie Robert Bosch. Sein Nachfolger als Leiter war 1922 bis 1927 Richard Baumann (1879–1928), ein enger Mitarbeiter von Bach. 1927 erfolgte aufgrund der zunehmenden Spezialisierung im Bauwesen die Aufteilung in Maschinenbau und Bauwesen und 1930 die Trennung der beiden Abteilungen in zwei eigenständige Anstalten, die Staatliche Materialprüfungsanstalt (MPA) der Abteilung Maschinenbau und die Abteilung Bauwesen, die ab 1936 unter dem Namen Institut für Bauforschung und Materialprüfungen des Bauwesens und ab 1952 Amtliche Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen (FMPA-Bauwesen) hieß, ab 1953 mit dem Beinamen Otto-Graf-Institut nach dem langjährigen Leiter Otto Graf, den Bach 1903 an die MPA geholt hatte, um die Eisenbetonforschung aufzubauen. 1980 wurde die Abteilung Bauwesen dem Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie Baden-Württemberg unterstellt. 2000 wurde die Abteilung Bauwesen wieder in die MPA der Universität Stuttgart eingegliedert als Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen, Otto-Graf-Institut (FMPA).

Leiter der MPA war von 1931 bis 1961 Erich Siebel (bis auf die Zeit von 1940 bis 1947, als Siebel Direktor der Materialprüfungsanstalt in Berlin-Dahlem war und sein Stuttgarter Institut kommissarisch geführt wurde und Otto Graf Interims-Direktor war). Nachfolger von Siebel waren von 1961 bis 1976 Karl Wellinger, von 1976 bis 1998 Karl Kußmaul und von 1998 bis 2011 (ab 2003 geschäftsführender Direktor der wiedervereinigten MPA) Eberhard Roos.

Leiter der Abteilung Bauwesen (FMPA) war 1927 bis 1950 Otto Graf, 1952 bis 1969 Friedrich Tölke, 1969 bis 1972 Gustav Weil, 1973 bis 1990 Gallus Rehm und 1990 bis 2003 Hans-Wolf Reinhardt. Die Abteilung Bauwesen entwickelte sich unter Bach und Graf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer führenden Materialprüfungsanstalt insbesondere für Eisen- und Stahlbeton, wobei Graf mit bekannten Ingenieurwissenschaftlern wie Emil Mörsch und Fritz Leonhardt zusammenarbeitete (die Verbundenheit von Leonhardt mit dem Institut setzte sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg fort, insbesondere mit René Walther vom Otto Graf Institut). Seit 2012 ist Harald Garrecht geschäftsführender Direktor.

Im universitären Bereich besteht eine Kooperationsvereinbarung der Materialprüfungsanstalt mit dem Institut für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Festigkeitslehre (IMWF) und dem Institut für Werkstoffe im Bauwesen (IWB) der Universität Stuttgart.[2]

AufgabenfelderBearbeiten

Die Aufgaben umfassen industrienahe Dienstleistungen und die Ausbildung von Studenten und Lehrlingen. Im Einzelnen sind die Aufgabenfelder[3][4]

StrukturBearbeiten

Es sind rund 350 Mitarbeiter am Institut angestellt, davon sind knapp die Hälfte wissenschaftliches Personal. Der Personalkörper besteht hauptsächlich aus Bauingenieuren, Maschinenbauingenieuren, Materialwissenschaftlern, Physikern, Chemikern, Mineralogen und Geologen. Die Materialprüfungsanstalt ist gegliedert in die Fachbereiche

  • Baustoffe und Brandschutz,
  • Baukonstruktionen und Werkstofftechnik,
  • Berechnung, Auslegung und Betriebsverhalten,
  • Erhaltung von Bauten und Anlagen und
  • Zerstörungsfreie Prüfung.

In enger Kooperation stehen das Institut für Werkstoffe im Bauwesen (IWB) und das Institut für Materialprüfung, Werkstoffkunde und Festigkeitslehre (IMWF) der Universität Stuttgart.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

Behling, S. (Hrsg.): Friedrich Wagner, Bauten für die Universität. Baunach 2007.

Blind, Dieter: Geschichte der Staatlichen Materialprüfanstalt an der Universität Stuttgart. Vorgeschichte, Gründung, Entwicklung, Heutiger Stand. Stuttgart 1971.

Zum Gedenken an Otto Graf, universeller Bauforscher in Stuttgart. Abschiedsvorlesung von Prof. Dr.-Ing. H.-W. Reinhardt am 4. Juli 2006. Reden und Aufsätze. Herausgegeben im Auftrag des Rektorats der Universität Stuttgart von Ottmar Pertschi. Stuttgart 2006.

Ditchen, Henryk: Die Beteiligung Stuttgarter. Ingenieure an der Planung und Realisierung der Reichsautobahnen unter besonderer Berücksichtigung der Netzwerke von Fritz Leonhardt und Otto Graf, Berlin: Logos-Verlag 2009.

Ditchen, H.: Ein Fall der Entnazifizierung in Stuttgart. Wie ein Institut einen Beinamen [Otto-Graf-Institut] erhalten hat, Berlin: Logos-Verlag 2010.

Ditchen, H.: Otto Graf -- Der Baumaterialforscher, Berlin: Logos-Verlag 2013.

Hentschel, Klaus: Historischer Campusführer der Universität Stuttgart, Teil II: Vaihingen-Nord. Stuttgart: GNT-Verlag 2014, S. 78–86 und 158–162.

Müller, E.: Die Entwicklung des Materialprüfwesens in Deutschland. Diplomarbeit an der MPA Stuttgart 1964.

Wagner, F.: Neubau. In: Staatliche Materialprüfanstalt Universität Stuttgart (Hrsg.): Staatliche Materialprüfanstalt Universität Stuttgart. Neubau, Arbeitsbereiche, Prüfeinrichtungen. Stuttgart 1971, S. 11–23.

Uebele, Andreas (Hrsg.) Michael Held – 27 Häuser, Stuttgart: Niggli 2011, S. 152–155.

Universität Stuttgart. Die neue Hochschulstadt Vaihingen, April 1977, S. 48–55.

Voigt, Johannes H.: Universität Stuttgart. Phasen ihrer Geschichte. Stuttgart: Konrad Wittwer, 1981.

Zweckbronner, Gerhard: Ingenieurausbildung im Königreich Württemberg. Vorgeschichte, Einrichtung und Ausbau der Technischen Hochschule Stuttgart und ihrer Ingenieurwissenschaften bis 1900 – eine Verknüpfung von Institutions- und Disziplingeschichte. Konrad Theiss Verlag Stuttgart 1978. (Technik + Arbeit. Schriften des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim 2).

Zweckbronner, G.: Die Ingenieurwissenschaften im 19. Jahrhundert. In: Voigt, J. H.: Festschrift zum 150jährigen Bestehen der Universität Stuttgart. Beiträge zur Geschichte der Universität, Stuttgart: DVA 1979. (=Die Universität Stuttgart; Bd. 2), S. 189–222.

NachweiseBearbeiten

  1. http://www.mpa.uni-stuttgart.de/institut/geschichte_und_entwicklung/index.html
  2. https://www.iwb.uni-stuttgart.de/institut/geschichte/
  3. http://www.mpa.uni-stuttgart.de/institut/aufgaben_und_arbeitsgebiete/index.html
  4. http://www.mpa.uni-stuttgart.de/institut/dienstleistungsangebote/index.html