Gorazd von Prag

tschechischer orthodoxer Bischof
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Bischof Gorazd von Prag

Der heilige Gorazd von Prag (als Matěj Pavlík * 26. Mai 1879 in Hrubá Vrbka, Mähren; † 4. September 1942 Schießplatz Kobylisy in Prag-Kobylisy, hingerichtet) war ein tschechischer orthodoxer Bischof.

1902 absolvierte Matěj Pavlík die römisch-katholische Fakultät zu Olmütz und wurde am 5. Juli desselben Jahres zum römisch-katholischen Priester geweiht. Bereits während seiner Studienzeit war Pavlík stark am heiligen Kyrill und am heiligen Methodius interessiert. Später trat er der orthodoxen Kirche bei. Diese spaltete sich nach dem Ersten Weltkrieg in einen Flügel um Karel Farský und einen Flügel um Matěj Pavlík.

Pavlík wurde am 24. September 1921 unter dem Namen Gorazd, den er zu Ehren des heiligen Gorazd von Mähren annahm, als Bischof der Serbisch-Orthodoxen Kirche geweiht.

Da die Beteiligten am Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich in der Krypta der Kirche St. Cyrill und Method in Prag Schutz gefunden hatten, wurde Bischof Gorazd von den Nazis zusammen mit drei Mitarbeitern am 3. September 1942 in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen.[1] Seine Leiche wurde im Krematorium Strašnice auf dem Vinohrady-Friedhof verbrannt, die Asche anonym auf dem Friedhofsgelände vergraben.

Für seine Verdienste wurde Bischof Gorazd postum mit dem Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden I. Klasse ausgezeichnet. Als Märtyrer wurde er am 4. Mai 1961 von der Serbisch-Orthodoxen Kirche sowie am 24. August 1987 von der Orthodoxen Kirche der tschechischen Länder und der Slowakei heiliggesprochen.

LiteraturBearbeiten

  • Biskup Gorazd. Z díla. Praha 1988.
  • Osobnosti – Česko: Ottův slovník. Ottovo nakladatelství, Praha 2008, ISBN 978-80-7360-796-8, S. 185.
  • Jaroslav Šuvarský: Biskup Gorazd. Metropolitní rada pravoslavné církve v ČSSR, Praha 1979.
  • Reinhard Thöle (Hrsg.): Zugänge zur Orthodoxie. Göttingen 1998, S. 217.
  • Josef Tomeš et al.: Český biografický slovník XX. století: I. díl: A–J. Praha; Litomyšl: Paseka; Petr Meissner, 1999, ISBN 80-7185-245-7, S. 371.
  • Pavel Marek: Pravoslavní v Československu v letech 1918–1942. ISBN 80-86263-52-5.
  • Encyklopedický slovník křesťanského Východu. Edward de Farrugia; Herausgeber der tschechischen Ausgabe: Pavel Ambros, Refugium Velehrad–Roma, Olomouc 2010, ISBN 978-80-7412-019-0. S. 355–356.
  • Martin Jindra: Česká pravoslavná církev od Mnichova po obnovu v roce 1945. ÚSTR, Praha 2015, ISBN 978-80-87912-26-3, S. 375.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Miroslav Ivanov: Das Attentat auf Heydrich. Aus dem Tschechischen von Hugo Kaminsky, mit 44 Abbildungen und 6 Karten, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-0393-2.