Martin Bonhoeffer

deutscher Sozialpädagoge

Martin Klaus Anton Bonhoeffer (* 29. März 1935 in Leipzig; † 5. April 1989 in Tübingen) war ein deutscher Sozialpädagoge und Heimerziehungsreformer.

LebenBearbeiten

Martin Bonhoeffer war der jüngste Sohn von Karl-Friedrich Bonhoeffer und Margarete von Dohnanyi.

Bonhoeffer trieb die Reform der Heimerziehung in Deutschland in den Jahren 1969 bis 1982 voran und wies ihr zugleich die Richtung. Er war federführend am Zwischenbericht der Kommission Heimerziehung beteiligt. Zeitweise war er beim Berliner Senat für das Heimkinderwesen zuständig.[1] 1982 erlitt Bonhoeffer, gerade 47 Jahre alt, einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte: Er war bis zu seinem Tod 1989 auf Pflege angewiesen.

Die Jugendhilfeeinrichtung kit Jugendhilfe in Tübingen, deren Leitung er 1976 bis 1982 innehatte, war von 1991 bis 2020 nach ihm benannt.[2][3]

2010 erhob ein Schüler im Zusammenhang mit Missbrauchsskandalen an der Odenwaldschule auch gegen Bonhoeffer den Vorwurf der sexuellen Belästigung[4]. 2014 wurde der Vorwurf einer Pädophilie seinerseits von der ehemaligen Heimschülerin der Odenwaldschule und heutigen Film-Regisseurin Elfe Brandenburger wiederholt.[1]

SchriftenBearbeiten

  • Das Haus auf der Hufe; in: Neue Sammlung, Heft 1, 1965
  • Forschungsaufgaben in der Heimerziehung; in: Neue Sammlung, Heft 2, 1966
  • Totale Heimerziehung oder begleitende Erziehungshilfen; in: Neue Sammlung, 1967, S. 470–478
  • Personale Organisation im Heim – emotionale Desorientierung für Kinder; in: Neue Sammlung, Heft 4, 1973
  • Kinder in Ersatzfamilien: Sozialpädagogische Pflegestellen; Projekte und Perspektive, zur Ablösung von Heimen; Stuttgart: Klett, 1974 (19802); ISBN 3-12-921330-9
  • Zerbrechen die Heime an der modernen Arbeitszeitregelung?; in: Unsere Jugend, Heft 5, 1977
  • Kommission Heimerziehung, Internationale Gesellschaft für Heimerziehung (Hgg.): Zwischenbericht Kommission Heimerziehung der Obersten Landesjugendbehörden und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Heimerziehung und Alternativen; Analysen und Ziele für Strategien; Frankfurt/Main: Internationale Gesellschaft für Heimerziehung, Sektion Bundesrepublik Deutschland, 1977

LiteraturBearbeiten

  • Gerold Becker, Anne Frommann (Hrsg.): Martin Bonhoeffer. Sozialpädagoge und Freund unter Zeitdruck. Pädagogisch-politische Annäherungen an seine aktiven Jahre; Mössingen-Talheim: Talheimer, 1996; ISBN 3-89376-022-9

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b taz.de: „Becker hat mich regelrecht verfolgt“. Taz, 30. Juli 2014
  2. Vereinsgeschichte & Chronik. In: kit-jugendhilfe.de. Abgerufen am 23. März 2021.
  3. Martin Bonhoeffer in der Kritik. In: kit-jugendhilfe.de. Abgerufen am 23. März 2021.
  4. stern.de: Missbrauch an der Odenwaldschule. Weiterer renommierter Pädagoge im Zwielicht. Abgerufen am 16. Oktober 2010