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Mark Z. Jacobson

Amerikanischer Klima- und Energieforscher und Hochschullehrer an der Stanford University
Mark Z. Jacobson bei einer Pressekonferenz in Berlin, 23. März 2010

Mark Zachary Jacobson (* 1965) ist Professor für Bau- und Umwelt-Ingenieurwesen an der Stanford University sowie Direktor des Atmosphere and Energy Program der Universität.

Inhaltsverzeichnis

AusbildungBearbeiten

Jacobson studierte Bauingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften an der Stanford University und schloss beide Fächer 1988 mit dem Bachelor ab. Nach einem Master-Abschluss in Umweltingenieurwesen wechselte er an University of California, wo er 1991 zunächst einen weiteren Master-Abschluss in Atmosphärenwissenschaften erhielt und in diesem Fach 1994 zum Ph.D. promovierte. Anschließend wechselte er zurück zur Stanford University. Von 1994 bis 2001 war er dort als Assistant Professor für Bau- und Umwelt-Ingenieurwesen tätig, von 2001 bis 2007 als Associate Professor. Seit 2007 hat er den Lehrstuhl in diesen Fachbereich inne.

WirkenBearbeiten

Jacobson erstellt Computermodelle zu den Auswirkungen verschiedener Energie-Technologien und deren Emissionen auf die Luftverschmutzung und für das Klima. Er entwickelte ein Modell zur Berechnung der Klimawirkung von black carbon, das Stand 2014 von mehr als 1000 Forschern verwendet wird und zählt zu den führenden Klimaforschern, die sich mit der Wirkung von Aerosolen beschäftigen.[1]

International starke Beachtung fand Jacobson ebenso durch seinen 2009 zusammen mit Mark A. Delucchi in Scientific American publizierten Aufsatz „A Plan to Power 100 Percent of the Planet With Renewables“. Darin wird dargelegt, dass Erneuerbare Energien wie Wind-, Wasser- und Solarenergie zu vertretbaren Preisen die wachsenden Energiebedürfnisse der Welt befriedigen und damit den Abschied von der Ära fossiler oder nuklearer Brennstoffe beschleunigen helfen könnten.[2] 2011 wurde dieses Szenario in deutlich erweiterten Form in zwei Teilen im wissenschaftlichen Fachjournal Energy Policy publiziert und sehr stark zitiert. Mit Stand Mai 2015 lagen diese beiden Teile auf Rang 2 und 3 der meistzitierten Artikel in Energy Policy seit 2010.[3]

Jacobson zufolge ist ein rascher Übergang zu sauberen Erneuerbaren Energien dringend erforderlich, um die mögliche Beschleunigung der Erderwärmung samt ihren Folgen global zu reduzieren, einschließlich des Abschmelzens der arktischen und antarktischen Eiskappen.

KlageBearbeiten

2017 veröffentlichten Ken Caldeira und 20 andere Forscher die größte gebündelte Kritik an Jacobsons 2015 erschienenem Paper "A Plan to Power 100 Percent of the Planet With Renewables", in welchem dieser ein Modell für eine Welt mit 100% Erneuerbaren aufgestellt hatte.[4] David Victor von der University of California, San Diego, ein Coautor des kritischen Papers, wurde motiviert, sich an ihm zu beteiligen, als "Politiker begannen, [Jacobons Paper] als wissenschaftliche Untermauerung zu verwenden", obwohl es zu den "offensichtlich falschen" Aufsätzen gehöre.[5] Jacobsons Paper war im selben wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden wie auch die Kritik, PNAS. In derselben Ausgabe wie die Kritik druckte das Journal auch eine Erwiderung von Jacobson und seinen Co-Autoren.[6]

Jacobson reichte 2017 Klage gegen das Journal und den Hauptautor Christopher Clack ein und verlangte darin unter anderem 10 Millionen Dollar in Schadensersatz für Verleumdung.[4][7] Nachrichtenberichte und Wissenschaftler kritisierten die Klageerhebung.[8][9][10][11] Jacobson zog 2018 seine Klage zurück.[12] Er sagt, er habe geklagt, da sich das Journal ihm gegenüber geweigert habe, eine Berichtigung zu drucken. Er habe die Klage eingereicht mit der Erwartung, dass man sich außergerichtlich einigen würde. Während des Verfahrens hab er angeboten, die Klage fallen zu lassen, wenn nur eine Berichtigung gedruckt würde, das Journal habe sich aber auch hier geweigert[13] Der Journalist Michael Hiltzik kritisiert Jacobson. Da PNAS zusammen mit der Kritik auch Jacobsons Erwiderung gedruckt habe, sei die Kritik an der Kritik schon Teil des wissenschaftlichen Literatur, jeder der sich für das Thema interessiere, würde darauf stoßen. Und hätte Jacobson nicht geklagt, so hätten wohl PNAS oder andere Journals Druckseiten für weitere Debatten um das Thema bereitgestellt.[12]

VeröffentlichungenBearbeiten

BücherBearbeiten

  • Jacobson, M. Z., Fundamentals of Atmospheric Modeling. Cambridge University Press, New York, 656 pp., 1999.
  • Jacobson, M. Z., Fundamentals of Atmospheric Modeling, Second Edition, Cambridge University Press, New York, 813 pp., 2005.
  • Jacobson, M. Z., Atmospheric Pollution: History, Science, and Regulation, Cambridge University Press, New York, 399 pp., 2002.
  • Jacobson, M. Z., Air Pollution and Global Warming: History, Science, and Solutions, Cambridge University Press, New York, 2011.

Bedeutende Fachaufsätze (Auswahl)Bearbeiten

MagazinbeiträgeBearbeiten

  • mit Mark A. Delucchi: A Plan to Power 100 Percent of the Planet With Renewables. In: Scientific American (2009), 58-65.

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bitz, Ginoux, Jacobson, Nizkorodov, and Yang Receive 2013 Atmospheric Sciences Ascent Awards. In: Eos. Transactions of the American Geophysical Union 95, No. 29, (2014), doi:10.1002/2014EO290012.
  2. A Plan to Power 100 Percent of the Planet With Renewables: Wind, water and solar technologies can provide 100 percent of the world's energy, eliminating all fossil fuels. Here's how, Jacobson, M. Z., and Delucchi, M. A., Scientific American, November 2009
  3. Most Cited Energy Policy Articles. Internetseite von Energy Policy. Abgerufen am 23. Mai 2015.
  4. a b A bitter scientific debate just erupted over the future of America’s power grid
  5. Eduardo Porter: Fisticuffs Over the Route to a Clean-Energy Future. In: The New York Times. 20. Juni 2017.
  6. Michael Hiltzik: A Stanford professor drops his ridiculous defamation lawsuit against his scientific critics. Abgerufen am 20. Januar 2019.
  7. Chris Woolston: Energy researcher sues the US National Academy of Sciences for millions of dollars. In: Nature. 551, Nr. 7679, 8. November 2017, S. 152–153. doi:10.1038/nature.2017.22944.
  8. Rob Nikolewski: Stanford professor sues critics of his 100% renewables article. In: The San Diego Union Tribune, 1. November 2017. 
  9. Christa Marshall: $10 million lawsuit over disputed energy study sparks Twitter war. 3. November 2017. 
  10. Chris Mooney: Stanford professor files $10 million lawsuit against scientific journal over clean energy claims. In: Washington Post, 1. November 2017. 
  11. Climate Scientist Mark Jacobson Sues Journal for $10M over Hurt Feelings. The American Council on Science and Health 2017
  12. a b A Stanford professor drops his ridiculous defamation lawsuit against his scientific critics. LA Times
  13. Prof who just dropped $10M suit against PNAS: "I was expecting them to settle". 23. Februar 2018.
  14. Cozzarelli Prize. Internetseite von PNAS. Abgerufen am 2. März 2016.