Marcus Sergius Silus

römischer Offizier und Politiker

Marcus Sergius Silus (* im 3. Jahrhundert v. Chr.) war ein römischer Offizier und Politiker aus der Familie der Sergier. Er war der Urgroßvater von Lucius Sergius Catilina. Bekannt wurde Silus als erster überlieferter Träger einer Handprothese.[1]

Die Rückseite dieses römischen Denars zeigt Marcus Sergius Silus zu Pferde mit dem Schwert in der Linken.

LebenBearbeiten

Im Keltenkrieg und dem Zweiten Punischen Krieg zeichnete Marcus Sergius Silus sich durch besondere Tapferkeit aus, soll insgesamt dreiundzwanzig Mal verwundet worden und zweimal aus karthagischer Kriegsgefangenschaft entkommen sein.[2]:S. 173

Bei seinem zweiten Feldzug verlor er seine rechte Hand, woraufhin er sich eine eiserne Kunsthand (dextra ferrea) anfertigen ließ,[1] mit der er auch einen Schild habe halten können. Karl Sudhoff stellte deshalb die Hypothese auf, die Prothese könnte über einen beweglichen Fingerblock verfügt haben, ähnlich den frühen Eisernen Händen der Renaissance.[1] Da über ihre Konstruktion jedoch nichts bekannt ist, müssen alle Versuche einer Rekonstruktion spekulativ bleiben. Hand- beziehungsweise Armprothesen sind aus der Zeit der griechisch-römischen Antike ansonsten nicht überliefert, es gibt auch bis ins späte Mittelalter hinein keine archäologischen Hinweise.[3]

Im Jahr 197 v. Chr. hatte M. Sergius Silus das Amt des Praetor urbanus inne.[2]:S. 187 Als seine Kollegen ihn als körperlich Versehrten von den öffentlichen Opfern (die in seine Zuständigkeit als Stadtpraetor fielen) ausschließen wollten, wehrte Silus sich und hielt eine von Plinius in seiner Naturalis historia fragmentarisch überlieferte Rede, in der er auf seine Kriegstaten verwies.[4]

NachkommenBearbeiten

Ein gleichnamiger Sohn oder Enkel ließ während seiner Amtszeit als Quästor Silbermünzen schlagen, auf deren Revers M. Sergius Silus zu Pferde mit dem Schwert in der linken Hand abgebildet war.[5][2] T. Robert S. Broughton datiert die Münzen und damit die Quästur des Nachkommen auf die Zeit zwischen 99 und 94 v. Chr.;[6] andere Datierungen ziehen auch die vorangegangenen Jahrzehnte ab 116/115 v. Chr. in Betracht.[7]

LiteraturBearbeiten

  • Karl Sudhoff: Die eiserne Hand des Marcus Sergius aus dem Ende des 3. Jahrhunderts vor Christo. In: Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Nr. 15, 1916, S. 1–5.
  • Liebhard Löffler: Der Ersatz für die obere Extremität. Die Entwicklung von den ersten Zeugnissen bis heute. Enke, Stuttgart 1984, ISBN 3-432-94591-4.
  • Loretana de Libero: Mit eiserner Hand ins Amt? Kriegsversehrte römische Aristokraten zwischen Recht und Religion, Ausgrenzung und Integration. In: Jörg Spielvogel (Hrsg.): Res publica reperta. Zur Verfassung und Gesellschaft der römischen Republik und des frühen Prinzipats (Sonderband zur Zeitschrift Hermes und den Einzelschriften). Franz Steiner, Stuttgart 2002, S. 172–191.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Liebhard Löffler: Der Ersatz für die obere Extremität. S. 8 f.
  2. a b c Loretana de Libero: Mit eiserner Hand ins Amt?
  3. W. von Brunn: Der Stelzfuß von Capua und die antiken Prothesen. In: Karl Sudhoff (Hrsg.): Archiv für Geschichte der Medizin. Bd. 18, Nr. 4, Steiner, 1926, S. 351–360 (JSTOR 20773385).
  4. C. Plinius Secundus: Naturalis Historia Liber VII. (Digitalisat).
  5. Ancient Roman Silver Denarius (Memento vom 14. Juli 2014 im Internet Archive) auf artancient.net
  6. T. Robert S. Broughton: The Magistrates of the Roman Republic. Band 2: 99 B.C.–31 B.C. (= Philological Monographs. Nummer XV, Band 2). American Philological Association, New York 1952, S. 13.
  7. Loretana de Libero: Mit eiserner Hand ins Amt? S. 173.