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Manfred Neuhaus (* 16. November 1946 in Michelsdorf) ist ein deutscher Historiker, der vor allem als Editionsphilologe an der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) bekannt ist.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nach Besuch der Polytechnischen Oberschule in Lehnin besuchte Neuhaus von 1961 bis 1965 die Erweiterte OberschuleThomas Müntzer“ in Ziesar und absolvierte parallel eine Facharbeiterausbildung zum Landmaschinen-Traktoren-Schlosser.

Von 1965 bis 1969 studierte Neuhaus an der Karl-Marx-Universität Leipzig (KMU) die Fächer Geschichte und Philosophie (Marxismus-Leninismus). Nach Abschluss seines Studiums nahm er eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am dortigen Lehrbereich Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und des deutschen Volkes auf. Dort erlangte er 1970 den Abschluss eines Diplomlehrers für Marxismus-Leninismus. In der SED-Kreisleitung der KMU war er ab 1973 Abteilungsleiter, bevor er 1976 wissenschaftlicher Oberassistent an der Sektion Geschichte wurde und die Leitung des Editionsvorhabens der Marx-Engels-Gesamtausgabe übernahm. Zur Thematik Der soziale und politische Hintergrund für Marx' erste öffentliche Stellungnahme zum Kommunismus und der Beitrag Proudhons zur Entwicklung des sozialen Denkens zu Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde er 1982 promoviert. Seine Promotion B zum Dr. sc. phil. schloss er 1986 zur Thematik Ergebnisse und Methoden historisch-kritischer Marx-Engels-Edition und die Anwendung der computergestützten Informationsverarbeitung (dargestellt am MEGA-Band I/13) ab.

Neuhaus wurde 1987 zum ordentlichen Professor für die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und Editionswissenschaft am Franz-Mehring-Institut der KMU berufen. 1989 setze er sich für die nachträgliche Verleihung der Promotion von Helmut Hirsch ein, die dieser am 31. Januar 1989 erhielt.[1][2] Am 7. Oktober 1989 beteiligte er sich an dem Versuch von fünf Leipziger Professoren, Gewalt gegen die Leipziger Montagsdemonstrationen zu verhindern.[3] Nach der Wende hatte er kurzzeitig die Professur für Editionswissenschaft inne, die 1992 ersatzlos aufgelöst wurde.

Nach einem Intermezzo als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Koordinierungs- und Aufbauinitiative für die Forschung in den Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (KAI) nahm er 1995 seine Tätigkeit an der Edition der Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels wieder auf. Er wurde zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter und 1998 Arbeitsstellenleiter an der nun an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Erstellung der Marx-Engels-Gesamtausgabe. Seit 2011 befindet er sich im Ruhestand.[4]

Neuhaus war Gründungsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, deren Vorsitz er von 1992 bis 1998 innehatte. Er gehört seit 2003 dem wissenschaftlichen Beirat der Stiftung an. Seit 1998 ist er Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und seit 2000 Sekretär der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam.

EhrungenBearbeiten

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Manfred Neuhaus, Giesela Neuhaus: Wirkungsgeschichtliche Anmerkungen zur „New York Tribune“-Publizistik von Karl-Marx und Friedrich Engels. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 3, Berlin 1978, S. 45–55. Digitalisat
  • Giesela Neuhaus, Manfred Neuhaus, Klaus-Dieter Neumann: Waren die Jahre 1854 bis 1856 verlorene Jahre für die Geschichte der marxistischen politischen Ökonomie? (Gedanken zum Profil und den konzeptionellen Problemen der Arbeit am MEGA2- Band I/13). In: Hallesche Arbeitsblätter zur Marx-Engels-Forschung Heft 9. Halle, 1979, S. 19–35.
  • Konzeptionelle Probleme und Effektivitätsreserven der editorischen Bearbeitung der New York Daily Tribune- Publizistik von Marx und Engels. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 6, Berlin 1980, S. 121–126. Digitalisat
  • Zum Beitrag der historisch-kritischen Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA) für die Erforschung der Geschichte der Gesellschaftswissenschaften. In: Wissenschaftliche Zeitschrift Karl-Marx-Universität Leipzig. Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe, Jg. 29, 1980, Heft 3, S. 369–375.
  • Giesela Neuhaus, Manfred Neuhaus: Karl Marx und Friedrich Engels als Auslandskorrespondenten der einflussreichsten progressiven bürgerlichen Zeitung am Vorabend des nordamerikanischen Bürgerkrieges. Zur Geschichte der Mitarbeit der Klassiker des Marxismus an der „New York Tribune“. In: Marx-Engels-Forschungsberichte. Heft 1. Leipzig 1981, S. 12–67.
  • (Hrsg.): Marx-Engels-Forschungsberichte. Heft 1–6. Karl-Marx-Universität. Leipzig 1981–1990.
  • Der soziale und politische Hintergrund für Marx' erste öffentliche Stellungnahme zum Kommunismus und der Beitrag Proudhons zur Entwicklung des sozialen Denkens zu Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Leipzig 1981.[5]
  • Proudhon, Pierre-Joseph. In: Erhard Lange, Dietrich Alexander (Hrsg.): Philosophenlexikon. Dietz Verlag, Berlin 1982, S. 769–773.
  • Hans-Jürgen Bochinski, Manfred Neuhaus: Marx und Engels und die „New-York Tribune“. Zur Entstehung und zum Charakter der Zeitung sowie zur Mitarbeit von Marx und Engels 1853. In: Marx-Engels-Jahrbuch 5. Dietz Verlag, Berlin 1982, S. 215–256.
  • Manfred Neuhaus, Karl-Frieder Grube: Eine Unbekannte Arbeit von Karl Marx aus der „New-York Tribune“. Der neunte Artikel der Beitragsfolge „Das revolutionäre Spanien“. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Dietz Verlag, Berlin 26. Jg. 1984, Heft 4, S. 478–490. ISSN 0005-8068
  • Karl Marx Friedrich Engels Gesamtausgabe (MEGA) Erste Abteilung. Werke Artikel Entwürfe. Band 13. Karl Marx Friedrich Engels. Werke Artikel Entwürfe Januar bis Dezember 1854. Bearbeitung des Bandes Manfred Neuhaus (Leiter). Dietz Verlag, Berlin 1985. ISBN 978-3-05-003357-0
  • Karl-Frieder Grube, Giesela und Manfred Neuhaus, Klaus-Dieter Neumann: Karl Marx’ Studien zur Geschichte der Diplomatie, der orientalischen Frage und des bürgerlichen Revolutionszyklus in Spanien. Struktur, Inhalt und Hauptprobleme der editorischen Bearbeitung des MEGA-Bandes IV/12 (Thesen). In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 22, Berlin 1987, S. 218–224.
  • Ergebnisse und Methoden historisch-kritischer Marx-Engels-Edition und die Anwendung der computergestützten Informationsverarbeitung (dargestellt am MEGA-Band I/13). Leipzig 1988.[6]
  • Ein Schlüssel zur Schatzkammer unserer Theorie und Weltanschauung. Zum Erscheinen der Bände 1-10 des Marx-Engels-Jahrbuches. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 25. Berlin 1988, S. 284–295.
  • Robert Anthony Fenn. In: MEGA Studien 1994/1. Dietz Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-320-01826-4, S. 178–179.
  • „Wenn jemand seinen Kopf bewußt hinhielt…“ Beiträge zu Werk und Wirken von Walter Markov. Hrsg. von Manfred Neuhaus und Helmut Seidel in Verbindung mit Gerald Diesener und Matthias Middell. Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1995.
  • Günter Reimann, Herbert Wehner, Zwischen zwei Epochen. Briefe 1946. Hrsg. von Claus Baumgart und Manfred Neuhaus. Mit einem Vorwort von Hermann Weber. Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig 1998. ISBN 3-378-01029-0.
  • Karl Marx Friedrich Engels Gesamtausgabe (MEGA) Erste Abteilung. Werke Artikel Entwürfe. Band 14. Hrsg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam. Karl Marx Friedrich Engels. Werke Artikel Entwürfe Januar bis Dezember 1855. Text Bearbeitet von Hans-Jürgen Bochinski und Martin Hundt. Unter Mitwirkung von Ute Emmrich und Manfred Neuhaus. Akademie Verlag, Berlin 2001. ISBN 3-05-003610-9
  • Gerald Hubmann, Herfried Münkler, Manfred Neuhaus: „… es kömmt drauf an sie zu verändern“. Zur Wiederaufnahme der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. 49 (2001), Heft 2, S. 299–311.
  • Jürgen Herres, Manfred Neuhaus (Hrsg.): Politische Netzwerke durch Briefkommunikation. Briefkultur der politischen Oppositionsbewegungen und frühen Arbeiterbewegungen im 19. Jahrhundert. Akademie-Verlag, Berlin 2002 (Berichte und Abhandlungen. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Sonderband) ISBN 3-05-003688-5
  • Grußwort. In: In Memoriam Wolfgang Jahn. Argument, Hamburg 2002, ISBN 3-88619-649-6, S. 6. Digitalisat
  • Manfred Neuhaus, Helmut Seidel (Hrsg.): Universität im Aufbruch – Leipzig 1945–1956. Beiträge des Siebenten Walter-Markov-Kolloquiums. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 2002. ISBN 3-89819-102-8
  • Schiffe und Festungen. Friedrich Engels als Militärtheoretiker. In: Vom mühseligen Suchen und glückhaften Finden / Kolloquium anläßlich des 75. Geburtstages von Prof. Dr. Heinrich Gemkow am 28. Juni 2003 in Berlin. Helle Panke, Berlin 2003. Heft 1, S. 40–45.
  • Hans-Peter Harstick, Manfred Neuhaus: Clausewitz und Marx. Eine archivalische Nachlese. In: Helmut Bleiber (Hrsg.): Revolution und Reform in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert. Zum 75. Geburtstag von Walter Schmidt. Band 2. Trafo-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89626-532-6, S. 129–150.
  • Karl Marx Friedrich Engels Gesamtausgabe (MEGA) Vierte Abteilung. Exzerpte, Notizen, Marginalien. Band 12. Exzerpte und Notizen, September 1853 bis Januar 1855. Bearb. von Manfred Neuhaus und Claudia Reichel. Unter Mitwirkung von Karl-Frieder Grube. Akademie Verlag, Berlin 2007. ISBN 978-3-05-003488-1
  • Giesela Neuhaus, Manfred Neuhaus (Red.): In Memoriam Helmut Seidel, Leipzig 2008.
  • Klassiker unter Klassikern – Geschichte, editionsphilologische Grundlagen und Perspektiven der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA). In: German Philosophy and its Documents and Texts. Beijing 2009, S. 54–63.
  • Karl Marx Friedrich Engels Gesamtausgabe (MEGA) Vierte Abteilung. Exzerpte, Notizen, Marginalien. Band 26. Karl Marx Exzerpte und Notizen zur Geologie, Mineralogie und Agrikulturchemie. März bis September 1878. Bearbeitet von Anneliese Griese, Peter Krüger und Richard Sperl. Unter Mitwirkung von Peter Jäckel, Daniel Neuhaus, Manfred Neuhaus und Gerd Pawelzig. Akademie Verlag, Berlin 2011. ISBN 978-3-05-004673-0
  • Marx als Europakorrespondent der „New-York Tribune“. Wirkungszeugnisse und Themen. In: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung. Frankfurt am Main 2011, S. 129–136. ISSN 0940-0648
  • Die Himmelsstürmer von der Seine. Vor 140 Jahren wurde die Pariser Kommune proklamiert. Spontane Regierung des Volkes durch das Volk. In: Rainer Holze (Hrsg.): Basisdemokratie und Arbeiterbewegung. Günter Benser zum 80. Geburtstag. Karl Dietz Verlag, 2012, ISBN 978-3-320-02272-3, S. 81–83.
  • Zum Stand der Arbeit an der Marx-Engels-Gesamtausgabe (Vortrag Leibniz Sozietät 2012 online)
  • „Furchtbarste Missile“ und „Triumpf der deutschen Wissenschaft“ – Anmerkungen zur Wirkungsgeschichte des ersten „Kapital“–Bandes. In: Dieter Janke, Jürgen Leibiger, Manfred Neuhaus (Hrsg.): Marx' „Kapital“ im 21. Jahrhundert. Beiträge des Kolloquiiums am 6. Mai 2017 in Leipzig. Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, Leipzig 2017, ISBN 978-3-947176-01-4, S. 21–34.

LiteraturBearbeiten

  • Herfried Münkler: Kommission Marx-Engels-Gesamtausgabe. In: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Jahrbuch 2010. Akademie Verlag, Berlin 2011, S. 443–448. Teilweise Digitalisat

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Das geschichtsträchtige Jahr 1989 begann an der Karl-Marx-Universität Leipzig mit einem akademischen Paukenschlag, der auch im anderen deutschen Staat aufmerksam wahrgenommen wurde. Am 31. Januar wurde wohl erstmals in der deutschen Geistesgeschichte mit 56jähriger Verspätung einem Doktoranden die Promotionsurkunde überreicht. […] In einem knapp drei Jahre später im Neuen Deutschland erschienenen Interview bezeichnete Hirsch die von den Leipziger Geschichtsprofessoren Hans Jürgen Friederici und Manfred Neuhaus mit hohem diplomatischen Geschick eingefädelte Ehrung als ‚eine sehr bewegende, unvergeßliche Situation, ein Höhepunkt meines Lebens und speziell meiner Rückwanderung‘.“ (Volker Külow: Geschichte gemacht. ‚Zeitgeist, ich habe keinen großen Respekt vor Dir‘. Ein Nachruf auf den im Januar verstorbenen Historiker Helmut Hirsch. junge Welt, 2. Februar 2009.)
  2. Volker Külow: Verleihung der Promotionsurkunde an Prof. Dr. Helmut Hirsch. In: Marx-Engels-Forschungsberichte (6), Leipzig 1990, S. 181 f.
  3. „Fünf Professoren, der Philosoph Okun, der Historiker Manfred Neuhaus, der Soziologe Kurt Starke sowie die beiden Ökonomen Peter Hofmann und Peter Held, begaben sich noch am Vormittag zum SED-Bezirkssekretär Roland Wötzel und teilten ihm mit, daß niemand an der Hochschule hinter einem Einsatz von Staatsgewalt gegen die Demonstration stehen würde. Die Wissenschaftler waren bereit, sich den unruhigen Geistern zum Dialog zu stellen.“ In: Es rettet uns kein Gott Spiegel-Redakteurin Ariane Barth über die Leipziger Universität. In: Der Spiegel. 50/89 vom 11. Dezember 1989
  4. Halbzeit der MEGA: Bilanz und Perspektiven, in: Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 85, März 2011
  5. Promotion zum Dr. phil. 1981 in Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität Leipzig.
  6. Promotion zum Dr. sc. phil. in Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität Leipzig.