Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel

Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbH (LKG)
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1946
Sitz Rötha-Espenhain
Leitung Frank Schulze
Mitarbeiterzahl 150 (2018)
Branche Verlagsauslieferung
Website www.lkg-va.de

Die Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbH (LKG) war in der DDR der zentrale Buchgrossist und Barsortimenter. Seit Januar 2009 ist sie ein Tochterunternehmen der Stuttgarter KNO Verlagsauslieferung.[1][2] Der Sitz der LKG war bis 1995 in der Prager Straße (bis 1991 „Leninstraße“) in Leipzig, dann wurde ein neues Betriebsgelände im südlichen Vorort Espenhain bezogen.

GeschichteBearbeiten

Die LKG wurde 1946 von Karl Klaer und Walter Bleck gegründet[3]. Bereits 1951 war das Unternehmen Marktführer in der DDR, 1963 wurde es verstaatlicht. Im Jahr 1989 erreichte die LKG einen Umsatz von 1,2 Milliarden Mark der DDR und beschäftigte 1200 Mitarbeiter. Durch die Wiedervereinigung verlor das Unternehmen seine Monopolstellung und hatte bei der Reprivatisierung – einem Management-Buy-out – am 25. August 1992 noch 60 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 20 Millionen DM. Im Jahr 2002 lag der Umsatz bei 120 Millionen Euro. Zum 1. Januar 2009 verkauften die bisherigen Gesellschafter Ute Haft, Andreas Hengst und Jürgen Petry ihre Anteile an die KNO VA. Da staatlicherseits 1951 die LKG und das bereits „volkseigene“ Unternehmen Koehler & Volckmar zusammengeführt worden waren, handelte es sich hierbei um eine historische Wiederzusammenführung der Unternehmensteile. 1990 hatte Jürgen Voerster (gest. 2010), der damalige Chef von KNO, von einer Übernahme der LKG Abstand genommen und gemeinsam mit dem Leiter der LKG, Jürgen Petry, ein Modell vereinbart, in dem stattdessen eine umfassende Unterstützung durch KNO vereinbart wurde. Voraussetzung war, dass die LKG-Führung an einer privaten Weiterführung des Unternehmens interessiert wäre.

Makulierung der Lagerbestände 1991Bearbeiten

Der Bestand der LKG umfasste 1991 mehr als zehn Millionen Bücher und Broschüren vor allem aus den Bereichen Pädagogik, Gesellschafts- und Rechtswissenschaften, aber auch belletristische Werke, die nach der deutschen Wiedervereinigung unverkäuflich waren; der Versuch einer Verramschung war erfolglos geblieben. Die Makulierung dieser Druckwerke erfolgte in Papiermühlen oder durch das Verheizen in Kraftwerken. Außerdem wurde eine große Zahl ausgesonderter Bücher und Broschüren auf einer Müllkippe bei Borna entdeckt, die später zum Teil auf Veranlassung von Martin Weskott in die Bücherscheune Katlenburg gebracht wurden.

Der Verleger Elmar Faber beschrieb die Ursachen in seiner Festrede zum 60. Jahrestag der LKG:

Fazit war, daß die Remittenden von Büchern aus DDR-Verlagen die Auslieferungsziffern bald weit überschritten und LKG vor Not und Ohnmacht Hören und Sehen verging. Nicht einmal mehr SERO, die berühmte Recyclingfirma, konnte den Rückschub bewältigen und kippte den „Müll“ (in Anführungsstriche), den eine sich erneuern wollende Gesellschaft inaugurierte, in die Braunkohlegruben bei Borna.

Die Vernichtung der Bücher stieß auf Kritik: Der Leipziger Dichter Dieter Mucke äußerte im Oktober 1991 auf einer Pressekonferenz des Verbandes deutscher Schriftsteller:

... ich möchte darauf aufmerksam machen, dass der in dem bekannten Heine-Wort benannte schreckliche Kausal-Zusammenhang, wer Bücher verbrennt/vernichtet, verbrennt/vernichtet auch Menschen, keine logische Abstraktion oder historische Reminiszenz ist, sondern schon wieder deutsche Gegenwart. Deshalb fordere ich als ein in Leipzig geborener Dichter, daß dieses barbarische und faschistoide Verbrechen der Büchervernichtung endlich geahndet wird.[4]

Der Buchautor Rainer Schmitz nannte den Vorgang

die demütigendste Phase, die die Schöne Literatur bislang in der Weltgeschichte erleben mußte.[5]

Auch der Schauspieler Peter Sodann rettet in seiner Peter-Sodann-Bibliothek Bücher vor der Vernichtung.[6] Weitere Rettungsprojekte bestehen in der Jugendbibliothek-Gera[7] und in der DDR-Bücherstube Weimar-Taubach,[8] wo Tausende Bücher aus DDR-Produktion zur öffentlichen Ausleihe bereitstehen.

LiteraturBearbeiten

WeblinkBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zum 1. Januar 2009 kauft die Stuttgarter Verlagsauslieferung Koch, Neff & Oetinger die Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft. KNO-Pressemitteilung, 18. Dezember 2008.
  2. KNO übernimmt LKG. Buchreport-Meldung, 18. Dezember 2008.
  3. Unternehmensgeschichte. auf der Webseite der Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft.
  4. Frank Thomas Grub: "Wende" und "Einheit" im Spiegel der deutschsprachigen Literatur: ein Handbuch. Band 1: Untersuchungen. De Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-017775-6, S. 21.
  5. Rainer Schmitz: Was geschah mit Schillers Schädel. Eichborn Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-8218-5775-7, S. 878.
  6. Wenn das Blatt sich wendet - Tatort: Bibliothek [Interview mit Peter Sodann]
  7. jugendbibliothek-gera.7to.de (Memento des Originals vom 17. Februar 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jugendbibliothek-gera.7to.de
  8. DDR-Bücherstube Taubach