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Landestheater Linz, Schauspielhaus
Landestheater Linz, Schauspielhaus Kammerspiele (rechts)
Landestheater Linz, Schauspielhaus, Zuschauerraum

Das Linzer Landestheater ist das größte Theater in Oberösterreich. Die drei Spielstätten sind das Musiktheater am Volksgarten und weiters das Schauspielhaus (vormals Großes Haus) und die Kammerspiele an der Promenade in Linz. Geführt wird das Theater von der OÖ. Theater und Orchester GmbH, die auch das Bruckner Orchester Linz betreibt und über die OÖ Landesholding in 100-%-Besitz des Landes Oberösterreich ist.[1]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Wandertruppen traten in der ständischen Reitschule und im Ballhaus auf der Promenade auf. 1751 machte der Linzer Baumeister Johann Matthias Krinner den Ständen einen Vorschlag zur Errichtung eines eigenen Theatergebäudes.[2] Der eigentliche Initiator des Theaters war dann Landesanwalt (Landeshauptmannstellvertreter) Johann Franz Achaz von Stiebar.[2] Der Sitz Promenade 39, ein umgebauter Speicher, war von 1752 bis 1786 nur eine Notlösung für die häufigen Zeiten gewesen, in denen das städtische Wassertheater an der Donaulände in der Gegend der heutigen Zollamtstraße durch Hochwasser unbrauchbar war.[2] Der Redoutensaal wurde 1788 in einen Theatersaal umgewandelt und während des Theaterneubaus für die Aufführungen genutzt.[2]

In den Jahren 1801 bis 1803[3] wurde an die Linzer Redoutensäle am Fuße des Schlossbergs das Landständische Theater angebaut und die Fassade des gesamten Gebäudes im Stil des Empire renoviert. Kaiser Franz genehmigte den Plan für einen Theaterneubau, und an dessen Namenstag, dem 4. Oktober 1803, wurde das neuerbaute Landständische Theater eröffnet.[4] Das aus Kostengründen anfangs noch unbeheizte Theater musste in strengen Wintern geschlossen bleiben.[5]

Das Theater wurde bis 1848 von den Landständen betrieben. Bereits im Jahr 1824 blühte diese Landesbühne aber schon zu einer besonderen Glanzzeit auf, obwohl damals jedes Theaterstück vor der Aufführung der Zensur zur Genehmigung vorgelegt werden musste.[6] Mit der Revolution von 1848 wurde die Zensur abgeschafft und Kaiser Ferdinand versprach völlige Zensurfreiheit. In den folgenden Jahren enthielt der Spielplan nicht nur Opern und Schauspiele, sondern außerdem auch artistische Einlagen, wodurch die Klassik in den Hintergrund geriet.[6]

In den 1920er Jahren trat die Oper zunehmend in den Vordergrund und gewann an Beliebtheit beim Publikum. Erstmals in Österreich wurde 1923 hier ein Stück von Bertolt Brecht gespielt.[6] In den 1930er und 1940er Jahren brach jedoch für das Theater aufgrund der Verarmung des früheren Theaterpublikums, des Mittelstandes, eine Krise aus; die jüngeren Menschen bevorzugten das neu in Mode gekommene Kino.[6] Seitens der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich wurde Anfang der 1950er Jahre die Trägerschaft für das Theater übernommen.[6]

Nach den Entwürfen des Architekten Clemens Holzmeister wurden zwischen 1956 und 1958 die Kammerspiele mit 421 Plätzen erbaut und 1957 das Große Haus mit 756 Sitzen umgebaut. 1973 kam der Theaterkeller u\hof, heute u\hof: Theater für junges Publikum mit 100 Plätzen hinzu, 1998 die Spielstätte Eisenhand mit maximal 170 Plätzen, die 2013 von der Tribüne Linz – Theater am Südbahnhofmarkt übernommen wurde.

Die denkmalgeschützte Fassade des Linzer Landestheaters erhielt im Sommer 2008 den Gelbton zurück, den das Haus laut Analyse der Denkmalschützer das Haus im Jahr 1803 hatte. 2008/2009 wurde ein eigener Zugang vom Landestheater zur Promenaden-Tiefgarage errichtet, so dass die Besucher der Kammerspiele und des Großen Hauses trockenen Fußes und barrierefrei (Lift von der Tiefgarage direkt ins Theater) das Theater betreten können. Dafür wurde der Kammerspielvorplatz vollständig unterkellert, außerdem ein Glasvestibül als neuer Eingang zu den Kammerspielen und direkte Verbindung zu den Foyers des Großen Hauses gebaut. Der Vorplatz selber wurde anschließend mit Sitzstufen neu gestaltet.[7]

Am 11. April 2013 wurde das Musiktheater Linz am Volksgarten im Zentrum von Linz eröffnet.

Als temporäre Schauspiel-Bühne wurde für 2 Spielzeiten (2014/2015 und 2015/2016) das Parterre mit einer Arena-Bühne überbaut und bespielt. 2016 wurde das Schauspielhaus, insbesondere Zuschauerraum und Foyers, renoviert. In dieser Zeit wurde der Große Saal des Altbaus der Anton Bruckner Privatuniversität als Ausweichquartier für die Schauspielproduktion Das goldene Vlies von Franz Grillparzer benutzt.[8] Die Eröffnungspremiere von William Shakespeares Der Sturm fand am 1. April 2017 statt.

LeitungBearbeiten

Theaterdirektoren und Intendanten:[5]

SpielstättenBearbeiten

MusiktheaterBearbeiten

Die Spielstätte Musiktheater am Volksgarten im Zentrum von Linz wurde am 11. April 2013 eröffnet. Das Opern-, Tanz- und Musicalensemble haben seither dort ihre Heimat.

SchauspielhausBearbeiten

Seit September 2013 wird das Große Haus an der Promenade unter der Bezeichnung Schauspielhaus an der Promenade geführt.

KammerspieleBearbeiten

Das Haus der Kammerspiele ist direkt an das Schauspielhaus angebaut.

Ehemalige SpielstättenBearbeiten

Bis 2016/17 gab es auch den u\hof: (später: Junges Theater) im OÖ Kulturquartier.

TheaterbetriebBearbeiten

Das Mehrspartentheater bringt pro Spielzeit etwa 35 neue Inszenierungen und bis zu 900 Vorstellungen in den fünf Sparten Oper, Operette, Musical, Schauspiel, Ballett und Theater für junges Publikum heraus.

Das Landestheater arbeitet eng mit dem Bruckner Orchester zusammen, wobei neben dem klassischen Opernrepertoire ein Schwerpunkt auf einen Barockzyklus und eine längerfristige Beschäftigung mit der Kinderoper gelegt wird.

SpartenBearbeiten

Die Abteilung Schauspiel wurde ab der Spielzeit 1998/99 bis Ende der Spielzeit 2015/2016 von Kainz-Medaillen-Preisträger Gerhard Willert geleitet. Mit der Spielzeit 2015/2016 übernahm Stephan Suschke, ein früherer enger Mitarbeiter von Heiner Müller, die Stelle des Schauspieldirektors.

Die Ballettabteilung leitete der 2012 verstorbene Choreograph und Regisseur Jochen Ulrich, der ein Vertreter des magischen tänzerischen Realismus war. Er beschäftigte sich neben der Tanz-Klassik auf Basis von Martha Grahams Technik auch mit neuen Tanzkreationen. Ab der Spielzeit 2013/2014 folgte ihm die aus Taiwan gebürtige Choreographin Mei Hong Lin nach, die zuletzt am Staatstheater Darmstadt als Ballettdirektorin tätig war.

Die in Österreich (und in dieser Form im deutschsprachigen Raum) einzigartige Musicalsparte wurde 2013 unter der Leitung von Matthias Davids gegründet und bestreitet seither mit einem fixen Ensemble, Gastdarstellern und Mitgliedern anderer Sparten pro Saison vier bis sechs Produktionen vor allem auf den Bühnen im Musiktheater.

1998 wurde am Landestheater die Sparte Kinder- und Jugendtheater verselbstständigt. Der u\hof: hat einen überregional hervorragenden Ruf. Die langjährige Leiterin Heidelinde Leutgöb ging in der Spielzeit 2007/2008 an das Schauspielhaus Hannover, ihr Nachfolger bis zur Spielzeit 2008/2009 war Henry Mason dem 2009/2010 Holger Schober folgte. Ab der Spielzeit 2011/2012 war John F. Kutil der Leiter. Am u\hof: Theater wird vor allem die praktische Auseinandersetzung mit Kindern und Jugendlichen aus der Stadt Linz forciert. Dazu wurden von Theaterpädagogin Anke Held Programme für Schulen entworfen, um dadurch Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Theater zu ermöglichen. Ab der Spielzeit 2016/2017 wird die Sparte u\hof: umbenannt in Junges Theater. Die neue Leiterin ist Nele Neitzke.

Uraufführungen (Auswahl)Bearbeiten

  • 1942 – Heimkehr nach Mittenwald, Operette von Ludwig Schmidseder
  • 1944 – Linzer Torte, Operette von Ludwig Schmidseder
  • 1951 – G’schichten aus dem Salzkammergut, Operette von August Pepöck
  • 1952 – Mädel aus der Wachau, Operette von Ludwig Schmidseder
  • 1964 – Roulette der Herzen, Operette von Igo Hofstetter
  • 1968 – Alles spricht von Charpillon, Operette von Igo Hofstetter
  • 1989 – Die goldenen Zwanziger, Musical von Fridolin Dallinger[11]
  • 2009 – Kepler, Oper von Philip Glass
  • 2013 – Spuren der Verirrten, Oper von Philip Glass
  • 2016 – Terra Nova oder das weiße Leben, Oper von Moritz Eggert

LiteraturBearbeiten

  • Josef Simbrunner: Geschichte des Theaters in Linz. 1501–2017. Vom „Ludus Dianae“ zum Musiktheater im Park und zum Schauspielhaus. Linz 2017.
  • Michael Klügl (Hrsg.): Promenade 39. Das Landestheater Linz, 1803 bis 2003. Residenz-Verlag, Salzburg/Wien 2003, ISBN 3-7017-1365-0.
  • Heinrich Wimmer: Das Linzer Landestheater 1803–1958. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Jahrgang 1959, Band 13, Land Oberösterreich, Linz 1958, ISSN 0029-7550, S. 1–205, online im Forum OoeGeschichte.at.[12]
  • Regina Thumser: Das Linzer Landestheater – Hitlers „Brücke in eine schönere Welt“? In: Ingrid Bauer (Hrsg.): Kunst – Kommunikation – Macht. Sechster Österreichischer Zeitgeschichtetag, 2003. Studien-Verlag, Innsbruck (u. a.) 2004, ISBN 3-7065-4038-X, S. 48–53.
  • Mariana Fellermayr: Das Linzer Landestheater als NS-Theater. Diplomarbeit, Universität Wien, Wien 2015.
  • Heinrich Wimmer: Das Linzer Landestheater 1945–1951. In: Oberösterreichische Heimatblätter. Jahrgang 1952, Band 6, Land Oberösterreich, Linz 1952, ISSN 0029-7550, S. 189–207, online (PDF; 1.9 MB) im Forum OoeGeschichte.at.
  • Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Landestheater Linz 2006 bis 2016. Theater der Zeit, Berlin 2015, ISBN 978-3-95749-044-5.
  • Manfred Brauneck, Gérard Schneilin (Hg.): Theaterlexikon. Band 1: Begriffe und Epochen, Bühnen und Ensembles. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1986, 5. vollständig überarbeitete Neuausgabe 2007, ISBN 978-3-499-55673-9 (Rororo. Rowohlts Enzyklopädie 55673).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Landestheater Linz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. OÖ. Theater und Orchester GmbH (Memento des Originals vom 9. Februar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landesholding.com auf der Webseite der OÖ Landesholding.
    Firma Oö. Theater und Orchester GmbH Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at.
  2. a b c d Wimmer 1959, S. 5.
  3. Wimmer 1959, S. 6.
  4. Wimmer 1959, S. 9.
  5. a b Wimmer 1959, S. 7.
  6. a b c d e Michael Klügl: 200 Jahre Linzer Landestheater In: oepb.at (Österreichisches Pressebüro) vom 18. Februar 2005, abgerufen am 8. Mai 2011.
  7. Landestheater Linz. Theaterzeitung. Heft September/Oktober 2008. Landestheater, Linz 2008, ZDB-ID 2481193-2.
  8. Linzer Theater-Renovierung: Alte Bruckner-Uni als Ausweichquartier. nachrichten.at, 13. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016.
  9. Intendanzrat Julius Laska †. In: Tages-Post, Abendblatt (Nr. 194/1933), 24. August 1933, S. 2, oben links (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/tpt
  10. Hermann Schneider wird neuer Landestheater-Intendant OÖN vom 9. Oktober 2014.
  11. Nils Grosch, Elmar Juchem: Die Rezeption des Broadwaymusicals in Deutschland. Waxmann, Münster 2012.
  12. Volltext online (PDF): online (PDF; 600 kB) im Forum OoeGeschichte.at S. 1–7, online (PDF; 7.5 MB) im Forum OoeGeschichte.at, S. 7–98, online (PDF; 10 MB) im Forum OoeGeschichte.at S. 99–205.

Koordinaten: 48° 18′ 13″ N, 14° 17′ 0″ O