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Lambertshasel

Art der Gattung Hasel (Corylus)
Lambertshasel
Lambertshasel (Corylus maxima)

Lambertshasel (Corylus maxima)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Unterfamilie: Haselnussgewächse (Coryloideae)
Gattung: Hasel (Corylus)
Art: Lambertshasel
Wissenschaftlicher Name
Corylus maxima
Mill.
Trocknung von Lambertsnüssen in der Türkei
Bluthasel (Corylus maxima 'Purpurea')
Erntemengen 2005 (in Tonnen)
Hasel- und Lambertsnüsse
Land Ernte
Türkei 500.000
Italien 129.259
USA 25.400
Spanien 22.500
Aserbaidschan 20.000
China 13.500
Iran 13.000
Frankreich 6.500
Georgien 4.000
Russland 3.500
Quelle: FAO[1]

Die Lambertshasel (Corylus maxima) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hasel.

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

Die Lambertshasel ist ein sommergrünes Laubgehölz. Sie wächst als großer Strauch oder als Baum; sie erreicht größere Wuchshöhen als die Gemeine Hasel (Corylus avellana). Die Blätter haben einen oft sehr intensiven braunroten Schein. Die Nuss der Lambertshasel gleicht am meisten der „Zeller Nuss“ und ist von einer sehr langen, eingeschnürten, am oberen Ende geschlitzten Fruchthülle umgeben.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22 oder 28.[2]

Verbreitung und StandortBearbeiten

Die Lambertshasel stammt ursprünglich aus der nordwestlichen Balkanhalbinsel.[3] Ihr Name ist eine Abwandlung von lampartische Nuss (mhd. lampartisch = lombardisch).[4]

Die Lambertshasel ist kälteempfindlicher als die in Deutschland heimische Gemeine Hasel. Ihr Hauptanbaugebiet liegt in der türkischen Schwarzmeerregion. Dort werden drei Viertel der weltweit erzeugten im Handel erhältlichen „Haselnüsse“ erzeugt; nur der kleinere Teil der Weltproduktion an Haselnüssen stammt von der Gemeinen Hasel (Corylus avellana).

TaxonomieBearbeiten

Die Arten Corylus avellana, die Gemeine Hasel, und Corylus maxima sind frei miteinander kreuzbar, überlappen in ihren morphologischen Merkmalen und in ihrem Verbreitungsgebiet.[5] Etliche Kultivare sind nicht ohne weiteres einer der Arten zuzuordnen. Bei phylogenomischen Untersuchungen, bei denen die Verwandtschaft anhand des Vergleichs homologer DNA-Sequenzen untersucht wird, bildeten Abkömmlinge beider Arten eine undifferenzierte Klade.[6] Viele Autoren neigen daher heute dazu, diese und einige weitere, früher unterschiedene Arten wie Corylus pontica Koch und Corylus colchica Albov als Formen, Ökotypen oder Varietäten einer weitgefassten Art Corylus avellana aufzufassen, dies wird auch bei der Zucht und in angewandten Fragen meist so gesehen, so dass zum Beispiel die mediterranen Haselnuss-Kultivare, einschließlich der türkischen, nun meist der Art Corylus avellana zugeordnet werden.[7][8][9] Die IUCN akzeptiert allerdings bisher, zumindest für die Vorkommen auf der nördlichen Balkanhalbinsel, den Artstatus.[10] Eine Vermutung ist, dass die Lambertshasel hybridogenen Ursprungs und erst in Kultur des Menschen entstanden ist.[11] Der Vorschlag, alle, zu großen Teilen auf nachgewiesene oder vermutete Hybridisierungen zurückgehenden kultivierten Haselnuss-Sippen einer weit gefassten Kulturart Corylus domestica Kos. et Opal zuzuordnen[12] hat allerdings außerhalb der Ukraine keine Akzeptanz gefunden.

Varietäten und ZuchtformenBearbeiten

Einige Cultivare der Lambertshasel, wie die „Weiße Lambertsnuss“,[13] „Webbs Preisnuss“ (eine Kreuzung mit Corylus avellana var. grandis, gezüchtet durch den Engländer Richard Webb) oder die „Bandnuss“[14] werden vorwiegend kommerziell angebaut.

Die „Bluthasel“ ist eine rotlaubige Sorte (Corylus maxima „Purpurea“); sie wird häufig als Zierstrauch in Gärten angepflanzt. Oft wird sie irrtümlich als eine Zuchtform der Gemeinen Hasel angesehen.

TrivialnamenBearbeiten

Für die Lambertshasel bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen Augustnuss (Zabergau), Bartnuss (Salzburg), Baschtnuss (Salzburg), Bluthaselnuss (Kurpfalz), Blutnuss (Henneberg), Römische Haselnuss (Straßburg), Rote Haselnuss (Würzburg), Heseliner (althochdeutsch), Lambertsnuss (Lambert im Sinne von Lombardei), Lammertsnot (Bremen), Lammersche Not (Bremen), Lampertsnuss (Schwaben), Rote Nuss, Ruhrnuss (Augsburg) und Zellernuss (Würzburg).[15] Die Zellernuss weist allerdings eine kurze, geschlitzte Fruchthülle auf und wird daher meist eher als Zuchtform der Gemeinen Hasel angesehen.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik der FAO 2007 [1] (abgerufen 6. August 2007)
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 312.
  3. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Corylus - World Checklist of Selected Plant Families des Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 12. Januar 2017.
  4. Lambertsnuss. Auf: dede.mydict.com
  5. Veli Erdoğan & Shawn A. Mehlenbacher (2002): Phylogenetic analysis of hazelnut species (Corylus, Corylacae) based on morphology and phenology. OT Sistematic Botanik Dergisi 9 (1): 83-99.
  6. Nahla Bassi, Paolo Boccacci, Roberto Botta, Joseph Postman, Shawn Mehlenbacher (2013): Nuclear and chloroplast microsatellite markers to assess genetic diversity and evolution in hazelnut species, hybrids and cultivars. Genetic Resources and Crop Evolution 60: 543–568. doi:10.1007/s10722-012-9857-z
  7. Thomas J. Molnar: Corylus. Chapter 2 in C. Kole (editor): Wild Crop Relatives: Genomic and Breeding Resources, Forest Trees. doi.10.1007/978-3-642-21250-5_2
  8. Chiara Beltramo, Nadia Valentini, Ezio Portis, Daniela Torello Marinoni, Paolo Boccacci, Maria Angelica Sandoval Prando, Roberto Botta (2016): Genetic mapping and QTL analysis in European hazelnut (Corylus avellana L.) Molecular Breeding 36: 27. doi:10.1007/s11032-016-0450-6
  9. Corylus avellana. In: .K. Lim: Edible Medicinal and Non-Medicinal Plants: Volume 1, Fruits. Springer Verlag, 2012. doi:10.1007/798-90-481-8661-7_63, Seite 471
  10. Roy, S., Shaw, K., Wilson, B. & Rivers, M.C. (2016) Corylus maxima. The IUCN Red List of Threatened Species 2016: e.T194619A2353301. doi:10.2305/IUCN.UK.2016
  11. Panayotis Dimopoulos, Thomas Raus, Erwin Bergmeier, Theophanis Constantinidis, Gregoris Iatrou, Stella Kokkini, Arne Strid, Dimitrios Tzanoudakis (2016): Vascular plants of Greece: An annotated checklist. Supplement. Willdenowia 46: 301–347. doi:10.3372/wi.46.46303
  12. Ivan Sem. Kosenko: Genetic Resources of the genus Corylus L. in the National Dendrological Park "Sofiyifka" of Nas of Ukraine. Chapter 16 in Anatoly Iv. Opalko, Larissa I. Weisfeld, Sarra A. Bekuzarova, Nina A. Bome, Gennady E. Zaikov (editors): Ecological consequences of increasing crop productivity: plant breeding and biotic diversity. Apple Academic Press, Oaksville, Canada, 2015. ISBN 978-1-4822-4250-8
  13. Gerhard Friedrich, Herbert Petzold: Handbuch Obstsorten 300 Obstsorten in Wort und Bild. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart (Hohenheim) 2005, ISBN 3-8001-4853-6, S. 420.
  14. Gerhard Friedrich, Herbert Petzold: Handbuch Obstsorten 300 Obstsorten in Wort und Bild. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart (Hohenheim) 2005, ISBN 3-8001-4853-6, S. 402.
  15. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 115. (online).

WeblinksBearbeiten