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Löwenskulptur und Inschriften
mit Umfeld

Das Löwendenkmal befindet sich im Zentrum Luzerns und erinnert in der Allegorie eines sterbenden Löwen an die am 10. August 1792 beim Tuileriensturm in Paris gefallenen Schweizergardisten. Es ist eines der bekanntesten Denkmäler der Schweiz, jährlich wird es von etwa 1,4 Millionen Touristen besucht.[1] 2006 wurde es unter Schweizer Denkmalschutz gestellt.[2]

Während der französischen Dominanz über die Schweiz diente ein Regiment von rund 1200 Schweizern als Garde im Dienst des Königs Ludwig XVI.[1] Im Verlauf der Französischen Revolution stürmten die aufgebrachten Revolutionäre den von der Königsfamilie bereits verlassenen Tuilerienpalast. Bei der Verteidigung des leeren Königspalastes durch rund 1000 Schweizer Gardisten fanden etwa 760 den Tod; anlässlich des Tuileriensturms wurden alle 200 Gardisten umgebracht, die den König zur Nationalversammlung begleitet hatten.[1]

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

In einer Felsgrotte liegt ein tödlich verwundeter, sterbender Löwe, dem ein Stück eines Speers aus dem Rücken ragt. Sein Haupt und seine rechte Vordertatze ruhen auf dem französischen Wappen, links von ihm liegen einige Waffen, daneben lehnt das Schweizer Wappen. Die Löwenskulptur ist aus dem Fels herausgehauen, einige ihrer Teile sind als Relief ausgeführt. Ihre Tatzen sind etwa doppelt so groß wie menschliche Köpfe. Das Denkmal misst etwa zehn mal sechs Meter.[3] Über dem Löwen eingemeisselt ist das lateinische Motto HELVETIORUM FIDEI AC VIRTUTI ‚Der Treue und Tapferkeit der Schweizer‘. Unter dem Löwen eingemeisselt sind die Namen der 26 gefallenen Offiziere und der 16 geretteten bzw. überlebenden Offiziere. Zu den Soldaten der Schweizergarde ist jeweils eine ungefähre Anzahl angegeben: etwa 760 gefallene und 350 gerettete bzw. überlebende Soldaten.[4]

Zur Anlage des Denkmals gehört ein Weiher, der auch als Wunschbrunnen dient.[5] Dieser wird zweimal pro Jahr zu Reinigungszwecken abgelassen, dabei werden von der Stadtgärtnerei auch die Münzen entfernt.[6]

Geschichte des DenkmalsBearbeiten

Dieses Denkmal entstand auf Initiative des eigentlich in Paris stationierten, jedoch im Sommer 1792 seinen Urlaub in Luzern verbringenden Gardeoffiziers Carl Pfyffer von Altishofen.[1] Zur Ehrung und Erinnerung seiner Kameraden begann er 1818 mit einem Subskriptionsplan. Neben Schweizern im In- und Ausland spendeten unter anderem auch der Kaiser von Russland, der König von Preussen, die französische Königsfamilie sowie Prinz Christian Frederik von Dänemark (der spätere Christian VIII.).

Als Standort des Denkmals schlug Pfyffer eine Felswand ausserhalb des Gebietes der Stadt Luzern vor. Nach mehreren Entwürfen, die den Vorstellungen und Ansprüchen nicht entsprachen, wandte sich Pfyffer an seinen Freund Vinzenz Rüttimann, der sich während eines Aufenthalts in Rom an den berühmten dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen wandte. 1818 legte dieser einen Entwurf vor, im Frühjahr 1819 zeigte er in seinem Atelier zwei Modelle, eines mit einem Löwen allein sowie eines mit einem Löwen in einer Grotte.

Heinrich Keller setzte durch, dass Pfyffers ursprünglicher und von Thorvaldsens bekräftigter Plan, einen Löwen ohne Grotte darzustellen, realisiert werden sollte. Pfyffers Idee, dass ein gestorbener Löwe gezeigt werden sollte, verwarf Thorvaldsen. Mit Blick auf das traurige Ereignis in Paris müsste ein ruhender, sterbender Löwe gezeigt werden. Er meinte: „Der Löwe ist also nicht tot, er muss ruhend sein.“

Das Denkmal wurde schliesslich nach Thorvaldsens Entwurf und Anweisungen zuerst vom Bildhauer Urs Pankraz Eggenschwiler[7] (der nach kurzer Zeit verunglückte) und anschliessend vom Konstanzer Lukas Ahorn in den ehemaligen Sandsteinbruch bei Luzern gehauen. Am 10. August 1821 – genau 29 Jahre nach dem Tuileriensturm – wurde es enthüllt und feierlich eingeweiht.[1]

RezeptionBearbeiten

 
Lion of the Confederacy in Oakland Cemetery, Atlanta

Aus Mark Twains 1880 erschienenen halb-fiktiven, satirischen Reisebericht A Tramp Abroad (Bummel durch Europa) stammt die Betrachtung, wonach der Luzerner Löwe das traurigste und bewegendste Stück Stein der Welt sei ([…] the most mournful and moving piece of stone in the world […]). Unterstützt würde dieser Eindruck durch die ruhige Umgebung mit den Bäumen und den Weiher. Freilich müsse man dazu das Denkmal am Originalstandort besichtigen.[8]

Der 1894 enthüllte Lion of the Confederacy von Thomas M. Brady (1849–1907)[9] am Oakland Cemetery in Atlanta ist nach dem Vorbild des Luzerner Löwen gestaltet.[10]

Ein Modell des Denkmals befindet sich in der Freizeitanlage Swissminiatur in Melide, Kanton Tessin.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Bürgi: Eine touristische Bilderfabrik. Kommerz, Vergnügen und Belehrung am Luzerner Löwenplatz, 1850–1914. Chronos Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3-0340-1296-6.
  • Michael Riedler: Idyllisches Luzern. Reuss, Luzern 1987, ISBN 3-907596-01-3.
  • Wolfgang Friedrich von Mülinen: Das französische Schweizer-Garderegiment am 10. August 1792. 1. Auflage. Salzwasser, Paderborn 2012, ISBN 978-3-86382-868-4, S. 65–67 etc. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Löwendenkmal Luzern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Luzern Tourismus AG: Der sterbende Löwe von Luzern. Abgerufen am 2. August 2014.
  2. Vitus Wey, Martin Hüppi: Das Löwendenkmal in Luzern. (PDF) Abgerufen am 25. Februar 2014.
  3. Claudia Göpel: Der Löwe von Luzern – ein beeindruckendes Stück steinerne Kulturgeschichte in: Denkmalpflege-Schweiz.ch, Beitrag vom 28. August 2014, aufgerufen am 21. April 2019
  4. Text der lateinischen Inschrift mit deutscher Übersetzung auf maison-du-chapeau.ch. Aufgerufen am 21. April 2019
  5. Eintrag auf lucernewater.ch (interaktive Karte), aufgerufen am 29. April 2019
  6. Jana Avanzini: Sie fischten vor dem Löwendenkmal nach Geld – und fanden täglich bis zu 600 Franken im Teich, Artikel auf der Website der Luzerner Zeitung (7. Februar 2019), aufgerufen am 29. April 2019
  7. Dieter Ulrich: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft (SIK): Eggenschwiler, Urs Pankraz. Abgerufen am 19. November 2014.
  8. Mark Twain: A Tramp Abroad. American Publishing Company, 1880 auf Wikisource, zum Zitat siehe auch: Das Löwendenkmal – ein Mahnmal mit Strahlkraft auf luzern.com (aufgerufen am 22. April 2019)
  9. Eintrag auf Find a Grave (Vorname, Lebensdaten)
  10. Cathy J. Kaemmerlen: The Historic Oakland Cemetery of Atlanta: Speaking Stones Arcadia Publishing, 2013 (erstmals erschienen 2007). Unpaginiert, Abschnitt: ATLANTA'S LION OF THE CONFEDERACY. ISBN 9781625844200
  11. Das Löwendenkmal auf der Website von Swissminiatur, aufgerufen am 20. April 2019

Koordinaten: 47° 3′ 30″ N, 8° 18′ 38″ O; CH1903: 666242 / 212291