László József Bíró

ungarischer Erfinder

László József Bíró [ˈlaːsloː ˈjoːʒɛf ˈbiːroː], geboren als László József Schweiger (* 29. September 1899 in Budapest, Ungarn; † 24. Oktober 1985 in Buenos Aires, Argentinien) war ein ungarischer Erfinder. Er ist der Erfinder des Kugelschreibers.

László József Bíró (circa 1978)

Herkunft und Tätigkeit in UngarnBearbeiten

László József Bíró wurde als László József Schweiger im VI. Budapester Bezirk in eine jüdische Familie geboren. Seine Eltern waren der Zahnarzt Mózes Mátyás Schweiger und dessen Ehefrau Janka Ullmann. Im Jahr 1905 ließ die Familie den Familiennamen zu Bíró („Richter“) magyarisieren. Nach dem Schulbesuch begann Sohn László ein Medizinstudium, das er jedoch später abbrach.[1][2]

 
Von Biro entworfener Go-Pen

Nach diversen Interessen und Tätigkeiten, unter anderem als Versicherungsmakler und Rennfahrer, entwickelte er 1932 mit einem Freund ein Automatikgetriebe für Personenkraftwagen. Das Patent erwarb General Motors – aber nur aus dem Grund, dass keine andere Firma es verwerten konnte. Der Autokonzern baute seine Autos weiterhin nur mit hydraulischen Gangschaltungen.

Im selben Jahr wurde Bíró als Chefredakteur der Zeitschrift „Hongrie-Magyarország-Hungary“ damit beauftragt, die Kunst Ungarns im Ausland populär zu machen. Anschließend kam er zur Wochenzeitung „Előre“. In der dortigen Druckerei kam ihm beim Betrachten der Rotationswalzen die Idee eines Stiftes, der mit Tinte schreibt, aber nicht schmiert.

Es brauchte nur eine Röhre mit einer sich drehenden Kugel an ihrem Ende sowie Tinte, die in der Röhre nicht austrocknet, auf dem Papier aber sofort trocken wird.

Bíró meinte, mit einer Tinte aus festen und flüssigen Bestandteilen würden die flüssigen Teile vom Papier eingesaugt werden, während die festen auf der Papieroberfläche blieben. Mit Hilfe seines Bruders György, des Erfinders Andor Goy und der Brüder Kovalszky gelang ihm die Konstruktion eines solchen Stiftes. Am 25. April 1938 erhielt er das Patent für den Kugelschreiber. Die ersten, noch ziemlich stotternden Stifte kamen unter dem Namen Go-Pen bald auf den Markt.

EmigrationBearbeiten

Bíró war inzwischen verheiratet und hatte eine Tochter. Ungarn war Verbündeter Deutschlands und wurde unter der Herrschaft von Miklós Horthy zunehmend judenfeindlichem Druck ausgesetzt. Die Lebensbedingungen für die jüdische Familie verschärften sich. Am 31. Dezember 1938, einen Tag vor Inkrafttreten eines neuen Gesetzes, das es untersagte, Patente ins Ausland mitzunehmen, verließ er daher mit seiner Familie Ungarn und ging mit ihr nach Frankreich.

In Paris setzte Bíró die Forschungen in einem eigenen Labor fort, im kriegsgeplagten Frankreich mussten die Arbeiten aber eingestellt werden. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen floh Bíró mit seiner Familie nach Argentinien. Durch einen glücklichen Zufall hatte er 1938 den damaligen argentinischen Präsidenten Agustín Pedro Justo in Jugoslawien kennengelernt.

Der ErfolgBearbeiten

 
Argentinische Werbung für den Stratopen „Birome“ von 1945

In Südamerika forschte Bíró weiter, erhielt am 17. Juni 1943 ein neues US-Patent,[3] und gleich danach begann er mit der Produktion der Stifte unter dem Namen „Eterpen“. Der Erfinder wurde Direktor der größten Kugelschreiberfabrik Argentiniens „Sylvapen“, die jährlich sieben Millionen Kulis herstellte. Der tatsächliche Durchbruch für den Kugelschreiber kam mit dem britischen Geschäftsmann Henry George Martin. Er erkannte ihn als ideales Schreibwerkzeug für Flugzeugbesatzungen, kaufte Bíró die Patentrechte ab und startete eine Kugelschreiberproduktion in Reading in England. Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen mehrere Unternehmen, Kugelschreiber zu produzieren, teilweise ohne die Patentrechte zu besitzen.

Bíró wollte mehr: Er plante ein Parfüm mit dem gleichen Kugel-Prinzip, den Vorläufer der Deo-Roller. Die Serienherstellung in den USA schlug aber fehl. Die nächste Bíró-Erfindung war ein Fieberthermometer für das Handgelenk und ein Blutdruckmesser ähnlichen Formats. Er erarbeitete auch eine neue Methode für die Herstellung von künstlichem Harz und erfand einen neuen Kunststoff, das Birolit.

Bíró entwickelte zudem eine Reihe von Parfümen und ließ diese auf seine Firma Biro, Meyne & Biro registrieren:[4]

Name Firma Jahr Status
Symphony Biro, Meyne & Biro 1945 Produktion eingestellt
Voix du Cœur Biro, Meyne & Biro 1945 Produktion eingestellt
Voix de France Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Voix de la Forêt Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Voix de Paris Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Voix du Ciel Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Anaïtis Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
Chou-Chou Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Parforce Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Pathetique Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Sympathy Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
Flower Speak Biro, Meyne & Biro 1947 Produktion eingestellt
No 71 Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
No 72 Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
No 73 Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
No 74 Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
No 75 Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
Chant du Ciel Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
Chant d’Espoir Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
Chant d’Étoile Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt
Chant de Paris Biro, Meyne & Biro 1948 Produktion eingestellt

EhrungenBearbeiten

László József Bíró starb am 24. Oktober 1985 in Buenos Aires im Alter von 86 Jahren.[5][6][7] Sein Geburtstag, der 29. September, wird in seiner Wahlheimat Argentinien seither als Tag der Erfinder gefeiert.

Ihm zu Ehren wurden die Kugelschreiber in einigen Ländern nach ihm benannt: Biro (Großbritannien, Italien), Biron (Frankreich), Birome (Argentinien).

WeblinksBearbeiten

Commons: László József Bíró – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mathias Schulenburg: Vor 75 JahrenLászló Bíró erhält das Kugelschreiberpatent. Deutschlandfunk, 10. Juni 2018, abgerufen am 10. Juni 2020.
  2. Dippold Pál: Egy magyar feltaláló lenyűgöző karrierje („Die faszinierende Karriere eines ungarischen Erfinders“). Magyar Hírlap, 21. September 2015, abgerufen am 10. Juni 2020 (ungarisch).
  3. United States Patent 2,390,636. United States Trademark and Patent Office, abgerufen am 10. Juni 2020 (englisch).
  4. Perfume Intelligence – The Encyclopaedia of Perfume: Biro, Meyne & Biro, abgerufen am 30. September 2016.
  5. Inventor of ballpoint-pen dies. In: Lawrence Journal-World. 25. Oktober 1985, abgerufen am 6. April 2016.
  6. Ball-point pen inventor dies. In: Wilmington Morning Star. 25. Oktober 1985, abgerufen am 6. April 2016.
  7. Ladislao Biro, Inventor of Ballpoint Pen, Dies at 86. In: Los Angeles Times. 26. Oktober 1985, abgerufen am 6. April 2016.