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Kurt Leo Maschler

aus Deutschland stammender Verleger

Kurt Leo Maschler (* 19. Januar 1898 in Berlin; † 25. März 1986 in London) war ein aus Deutschland stammender Verleger.

LebenBearbeiten

Maschlers Vater stammte aus Tarnow in Galizien, er starb 1940 in Berlin, seine Mutter war Berlinerin, sie wurde 1942 im Ghetto Theresienstadt Opfer des Holocaust. Maschlers Schwester Margarete überlebte das Konzentrationslager Bergen-Belsen, drei weitere Geschwister konnten rechtzeitig emigrieren. Maschler heiratete 1930 Rita Lechner, sie hatten den Sohn Tom Michael Maschler, der als Verleger ein Initiator des Booker Prize wurde.

Maschler machte eine Buchhändlerlehre und war von 1918 bis 1927 im Buchgroßhandel tätig. Danach wurde er Inhaber des Singer Verlages und der Schlesischen Verlagsanstalt. 1920 beteiligte er sich am Axel Juncker Verlag. Den Verlag Williams & Co. erwarb Maschler 1933 von Edith Jacobsohn. Im selben Jahr erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft.[1]

Im Jahr 1935 gründete Maschler in Basel den Atrium Verlag, um nach der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 die verbotenen Werke von Erich Kästner veröffentlichen zu können. Hierzu übertrug der Verleger fast alle Rechte des deutschen Williams Verlages an den Schweizer Atrium Verlag, den er bis 1937 von Deutschland aus leitete. Möglicherweise wegen seiner österreichischen Staatsbürgerschaft wurde Maschler erst 1937 wegen seiner jüdischen Herkunft aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und hielt sich bis zum Anschluss Österreichs 1938 in Wien auf. Er floh nach Amsterdam und zog mit der Familie von dort Anfang 1939 nach London.

Von England aus leitete er den Atrium Verlag bis 1976 − dann folgte der Verkauf an die Verlagsgruppe Oetinger.[2] In England musste er sich auf das Lizenzgeschäft beschränken. Er arbeitete nun auch für Faber & Faber und gab die Kunstbuchreihe Fama heraus, deren Gesamtauflage eine Million überstieg.[3] 1946 gab Atrium Erich Frieds zweiten Gedichtband Österreich heraus. Den Verlag machte Maschler zu einem profilierten Verlag in der Kinder- und Jugendliteratur.

In London lobte der Verleger im Jahr 1982 erstmals den „Kurt Maschler Award“ aus, der jährlich für Kinderbücher verliehen wurde. Die letzte Verleihung fand 1999 statt.[4] Maschler vermachte die Originale der Illustrationen von Walter Trier zu den Kästner-Büchern der Internationalen Jugendbibliothek in München.

LiteraturBearbeiten

  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur 1980, S. 480

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Österreichische Nationalbibliothek (Hrsg.): Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. Wien 2002, S. 905.
  2. 75 Jahre „Erich Kästner Verlag“ Atrium Buchmarkt vom 23. September 2010.
  3. Sven Hanuscheck: Tapfer, sogar tollkühn. Biografischer Essay, in: Die Literarische Welt, 21. November 2015, S. 4f.
  4. Book Awards: Kurt Maschler Award.