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Kuntersweg

Altstraße zwischen Brenner und Bozen
Der Kuntersweg bei Bozen-Blumau, Farblithographie von Gottfried Seelos, 1867
Der Kuntersweg bei Bozen, Ölgemälde von Albert Stolz, undatiert

Der Kuntersweg war eine Altstraße im Südtiroler Eisacktal. Durch ihn wurde der Verkehrsweg zwischen dem Brenner und Bozen deutlich verbessert. Der alte Weg führte bis zur Erbauung des Kuntersweges von Bozen über den Ritten und erreichte erst bei Kollmann wieder das Eisacktal. Durch den neuen Weg mussten die Reisenden nicht mehr diese Steigung (von 490 Meter in Kollmann bis 1164 Meter in Lengmoos und wieder herunter auf 265 Meter nach Bozen) bewältigen.[1] Die unternehmerisch beachtliche Bauleistung der Neutrassierung wertete die Brennerstrecke enorm auf und begünstigte die Entwicklung Bozens zur bedeutendsten Handelsstadt Tirols.[2] „Verlierer“ dieser Entwicklung waren der Marktort Gries und vor allem die alte Landeshauptstadt Meran.[3]

GeschichteBearbeiten

Errichtung durch Heinrich KunterBearbeiten

Ursprünglich oblag der Bau der wichtigen Handels- und Durchgangsstraßen dem Reich, aber dieses war nicht immer in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen. So trat der deutsche König Albrecht von Habsburg 1305 die Zoll-, Straßen- und Verkehrshoheit für das Gebiet der Grafschaft Tirol seinen Vettern, den Söhnen Meinhards II., als Reichslehen ab.[4]

Heinrich Kunter bekam am 22. September 1314 gemeinsam mit seiner Frau Kathrein vom Landesfürsten Graf Heinrich von Tirol das Recht, durch die Eisackschlucht von Bozen bis Klausen einen (Saum-)Weg herzustellen und dafür einen Wegzoll zu erheben sowie daran zwei Tavernen zu betreiben.[5]

Heinrich Kunter starb 1317, seine Witwe betrieb die Geschäfte des Kunterweges weiter. Heinrich von Tirol erließ im Jahre 1328 eine Verordnung, die den Erben Heinrich Kunters alle Rechte am Kuntersweg zusprach.[6]

Ausbau zum FahrwegBearbeiten

Nach dem Ableben von Kathrein Kunter wurde der Kuntersweg 1344 an Friedrich Mautner von Burghausen verkauft, der ihn am 29. März 1346 um 220 Mark Berner an den Bozner Arnold Jaudes veräußerte. Dieser befreite ihn von jeglichem Zoll und gründete eine Stiftung zur Instandhaltung des Weges.[7] Der Kuntersweg konnte jedoch auf privater Basis auf Dauer nicht instand gehalten werden. Um 1480 wurde er unter dem Landesfürsten Erzherzog Siegmund dem Münzreichen mittels Sprengungen so ausgebaut, dass er auch mit Fuhrwerken befahren werden konnte.[8]

Das landesfürstliche ZollhausBearbeiten

 
Das Zollhaus in Kollmann, rechts die Trostburg

Am 22. September 1484 hob Erzherzog Siegmund die Zollfreiheit wieder auf und ließ in Kollmann ein Zollhaus errichten.[9] Die heutige auffallende Bemalung mit einem weiß-roten Schachbrettmuster erhielt es 1591. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde das Zollamt um eine Poststation ergänzt. 1829 wurden beide Einrichtungen aufgehoben, und das Gebäude gelangte in privaten Besitz. Seit dem 19. Jahrhundert trägt es den Namen Schloss Friedburg.[10][11] Das landesfürstliche Zollhaus besteht heute noch und wurde in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landesdenkmalamt von 1979 bis 1982 restauriert.[12]

Der Kuntersweg heuteBearbeiten

Die Gemeinde Karneid ließ den Kuntersweg anlässlich des Tiroler Gedenkjahres 1809–1984 als Wanderweg instand setzen. Es sind rund fünf Kilometer, die in zweieinhalb Stunden bewältigt werden.[13]

LiteraturBearbeiten

  • Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986.
  • Eduard Widmoser: Südtirol A–Z, 3. Band (Kr–N), Südtirol-Verlag, Innsbruck 1988, S. 57–58
  • Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 4. Athesia Spectrum, Bozen 2007, Der einstige Kuntersweg, S. 30–42.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bruno Mahlknecht: Ritten. Berühmtes Mittelgebirge im Anblick der Dolomiten. Athesia, Bozen 1998, 5. Auflage, S. 94.
  2. Hannes Obermair: Stadt und Territorium in Tirol. Streiflichter aus Mittelalter und Früher Neuzeit. In: Helmut Flachenecker, Hans Heiss (Hrsg.): Franken und Südtirol. Zwei Kulturlandschaften im Vergleich (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs). Band 34. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7030-0803-0, S. 121–131, Bezug S. 126.
  3. Helmut Rizzolli: Bozen: die Stadt der Märkte, in: Merkantilmuseum Bozen, Katalog, Bozen 1998, S. 10.
  4. Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 4. Athesia Spectrum, Bozen 2007, Der einstige Kuntersweg, S. 32.
  5. Josef Nössing: Der Zoll am Kuntersweg, in: Der Schlern 1986, S. 88–95.
  6. Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986, S. 16.
  7. Eduard Widmoser: Südtirol A–Z, 3. Band (Kr–N), Südtirol-Verlag, Innsbruck 1988, S. 57.
  8. Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986, S. 19.
  9. Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986, S. 21.
  10. Eduard Widmoser: Südtirol A–Z, 3. Band (Kr–N), Südtirol-Verlag, Innsbruck 1988, S. 58.
  11. Friedburg
  12. Helmut Stampfer: Architektur und Farbigkeit des Zollhauses in Kollmann, in: Der Schlern, 1986, S. 96–114.
  13. Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986, S. 25