Kryry

Gemeinde in Tschechien

Kryry (deutsch Kriegern) ist eine Stadt im Okres Louny in Tschechien.

Kryry
Wappen von Kryry
Kryry (Tschechien)
(50° 10′ 28″ N, 13° 25′ 34″O)
Basisdaten
Staat: TschechienTschechien Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Louny
Fläche: 3942,757[1] ha
Geographische Lage: 50° 10′ N, 13° 26′ OKoordinaten: 50° 10′ 28″ N, 13° 25′ 34″ O
Höhe: 304 m n.m.
Einwohner: 2.354 (1. Jan. 2021)[2]
Postleitzahl: 439 81 – 439 86
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Plzeň–Duchcov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Miroslav Brda (Stand: 2013)
Adresse: Hlavní 1
43981 Kryry
Gemeindenummer: 566314
Website: www.kryry.cz
Lage von Kryry im Bezirk Louny
Karte

Geographische LageBearbeiten

 
Panorama von Kriegern von der Schillerwarte aus gesehen

Die Stadt liegt in Westböhmen im Saazer Becken an der Blšanka (Goldbach) und am Fuß des Kirchbergs, ostsüdöstlich von Nepomyšl (Pomeisl).

GeschichteBearbeiten

 
Stadtkern (2018)
 
Pfarrkirche Mariä Geburt, (2015)
 
Aussichtsturm Schillerwarte
 
Burggraben der abgetragenen Ruine von Schloss Kriegern

Kriegern war ehemals Herrschaftssitz, die Burg wurde jedoch bereits im 14. Jahrhundert zerstört. Anschließend gelangte die Ansiedlung in den Besitz der Liebsteinsky von Kolowrat. 1653 erhielt Kriegern das Marktrecht, das Braurecht und eine eigene Gerichtsbarkeit.

Die erste Pfarrkirche bestand bereits im Jahr 1384. Während der Hussitenkriege verließ der letzte katholische Geistliche die Stadt, welche bis 1664 von protestantischen Geistlichen betreut wurde. Erst 1664 wurden die Seelsorge wieder mit einem katholischen Geistlichen besetzt. Die Kirche Mariä Geburt wurde 1722 im Stil des Barock erbaut. Zum Pfarrbezirks Kriegern gehören nach dem Kirchenbuchverzeichnis die Pfarrorte: Kriegern, Rebitschka-Mühle; zeitweise: Golleschau, Kleintschernitz, Neue Mühle, Oberklee, Pschesnitz, Strojeditz, Tschentschitz, Wiessen. Mehrere Unglücke suchten die Stadt heim. Durch Großbrände wurden Teile der Stadt in den Jahren 1664, 1791 und 1820 eingeäschert. Die Überschwemmungen von 1762, 1779, 1789, 1795, 1852 und 1855 richteten ebenfalls größere Schäden an.

In Kriegern waren eine bedeutende Glasfabrik, eine große Porzellanfabrik, eine Bierbrauerei, zwei Mühlen, fünf Ziegeleien, das Sägewerk Siegel sowie ein Elektro-Werk ansässig. im Umland wurde Hopfen angebaut.[3] Seit 1875 bestand die Saazer Aktien-Rübenzucker-Fabrik. Die Glasfabrik Kupfer & Glaser aus Wien nahm 1908 ihren Betrieb auf. Aufgrund der günstigen Bodenbeschaffenheit ließen sich mehrere Ziegelwerke in der Stadt nieder. Zu nennen sind hier: Ziegelei Vinzenz Kaiser, Karl Kaiser, Rudolf Zimmermann. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kriegern 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen.

Nach dem Münchner Abkommen rückte am 10. Oktober 1938 die deutsche Wehrmacht in der Stadt ein. Von 1938 bis 1945 gehörte Kriegern zum Landkreis Podersam, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Pogrom bei Kriegern. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden am 7. Juni 1945 im Rahmen einer von Tschechen am Elementenwald bei Podersam durchgeführten Vergeltungsaktion 68 Bewohner ermordet und verscharrt.[4]

Nach Kriegsende wurde die deutschböhmische Bevölkerung enteignet und vertrieben. Der historische Stadtkern samt Rathaus wurden in der Folgezeit abgetragen und zum Teil neu bebaut.

Seit dem 23. Januar 2007 besitzt Kryry wieder Stadtrechte.

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1785 0 k. A. 106 Häuser[5]
1830 0838 in 145 Häusern[6]
1843 1011 in 159 Häusern[7]
1869 1430
1880 1926
1890 2121 davon 2092 deutsche Einwohner[8]
1900 2237 deutsche Einwohner[3]
1910 2571
1921 2541 davon 2200 deutsche Einwohner[9]
1930 2550 [10]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011
Einwohner 1606 1774 1741 1957 2003 2015 1901

OrtsgliederungBearbeiten

Die Stadt Kryry besteht aus den Ortsteilen Běsno (Wießen – 511 Einwohner im Jahr 1890), Kryry (Kriegern), Stebno (Steben) und Strojetice (Strojetitz – 690 Einwohner im Jahr 1890)[11], die zugleich auch Katastralbezirke bilden.[12] Zu Kryry gehören außerdem die Ansiedlungen Březnice (Pschesnitz) und Nový Mlýn (Neumühle).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Pfarrkirche Mariä Geburt (Kostel Narození Panny Marie) – Barockkirche von 1722, erneuert 1780[7], seit 1958 Kulturdenkmal der Tschechischen Republik
  • Schillerwarte (Schillerova rozhledna), errichtet 1905/06 auf dem ehemaligen Burgberg Kozihrady (383 m), seit 2004 Kulturdenkmal der Tschechischen Republik

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Kryry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.uir.cz/obec/566314/Kryry
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2021 (PDF; 349 kB)
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 660.
  4. Exzesse gegen Sudetendeutsche: Als das Pendel der Gewalt zurückschlug. Massaker im Elementenwald im Juni 1945 Süddeutsche Zeitung vom 10. Februar 2011, abgerufen am 3. Januar 2019
  5. Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 7: Saatzer Kreis, Prag und Wien 1787, S. 107–108, Ziffer 4).
  6. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 199, Ziffer 15).
  7. a b Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 14: Saazer Kreis, Prag 1846, S. 271, Ziffer 3).
  8. K. K. Statistische Central-Commission (Hrsg.): Special-Orts-Repertorium von Böhmen. Wien 1893, S. 540.
  9. Genealogie-Netz Sudetenland
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Podersam (tschech. Podborany). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/566314/Obec-Kryry
  12. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/566314/Obec-Kryry