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Kirchensteuer

mithilfe staatlicher Finanzbehörden in Form einer Steuer eingetriebene Beiträge an eine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft

Die Kirchensteuer ist eine Steuer, die Religionsgemeinschaften von ihren Mitgliedern zur Finanzierung ihrer Aufgaben erheben. Sie existiert vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerhalb des deutschsprachigen Raums existiert nur in wenigen Ländern eine Kirchensteuer. Die Abgabe wird zwar mit dem mittelalterlichen Zehnt in Verbindung gebracht, sie wurde jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert von staatlichen Stellen geschaffen, nachdem den Kirchen im Zuge der Säkularisation große Teile ihrer materiellen Basis entzogen worden waren. Im Judentum kennt man die Kultussteuer.[1] Weltweit werden 50 bis 75 Prozent der Einkünfte der Kirchen aus freiwilligen Spenden bestritten.

Inhaltsverzeichnis

DeutschlandBearbeiten

In Deutschland werden die Kirchensteuern der evangelischen Landeskirchen, der römisch-katholischen Kirche und einiger weiterer Religionsgemeinschaften von den Finanzämtern der jeweiligen Länder eingezogen, die dafür eine Aufwandsentschädigung einbehalten. In Bayern unterhalten die evangelische und die römisch-katholische Kirche eigene Kirchensteuerämter. Die meisten Religionsgemeinschaften erheben keine Kirchensteuern.

ÖsterreichBearbeiten

In Österreich zahlen Mitglieder der katholischen, der evangelischen und der altkatholischen Kirche einen Kirchenbeitrag.

SchweizBearbeiten

Die Schweizer Kantone regeln die Verwaltung der Kirchensteuer. Der Staat übernimmt das Inkasso für diese Kirchen.

Belgien und GriechenlandBearbeiten

In Belgien und Griechenland werden Pfarrer und Bischöfe wie Beamte vom Staat bezahlt. Die Gemeinden sind gesetzlich zur Unterhaltung der Gebäude verpflichtet.

BrasilienBearbeiten

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In Brasilien, wo die größte katholische Gemeinde der Erde existiert, zahlen die Katholiken keine Kirchensteuer. Dennoch verliert gerade diese Glaubensgemeinschaft am schnellsten Mitglieder an Evangélicos, Maranatas und andere Gemeinschaften, welche um die zehn Prozent ihres Einkommens an die jeweilige Glaubensverwaltung freiwillig abführen.

Frankreich und Vereinigte StaatenBearbeiten

Im Zuge der Französischen und der Amerikanischen Revolution wurde in Frankreich und in den USA der Kirchenzehnt abgeschafft. Die Kirchen sind im Wesentlichen auf Spenden angewiesen. Nach dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat müssen sich Kirchen in Frankreich zum großen Teil selbst finanzieren. Nur in Elsass und dem Département Moselle, also den drei Departements, die als Reichsland Elsaß-Lothringen bis 1918 zum Deutschen Reich gehörten, wird Kirchensteuer erhoben.[2] Pfarrer erhalten in etwa das Gehalt eines Lehrers, wie es der Code Napoléon bestimmt hatte.

GroßbritannienBearbeiten

In Großbritannien wurden die Kirchen nie enteignet – wie vor allem in Frankreich, Deutschland –, daher bestreiten sie die nicht durch Spenden gedeckten Ausgaben aus ihrem eigenen Vermögen heraus.

NiederlandeBearbeiten

In den Niederlanden gibt es keine Kirchensteuer und auch keine staatliche Förderung der Religionsgemeinschaften. Diese finanzieren sich ausschließlich regional aus Spendengeldern.

PolenBearbeiten

In Polen gibt es keine Kirchensteuer, die Kirche wird von Spenden und Beiträgen finanziert.

Es besteht ein Kirchenfonds über etwa 21,5 Millionen Euro (Stand 2012) im Staatshaushalt, der aus Steuermitteln finanziert wird. Dieser Fonds resultiert aus der Enteignung der polnischen Kirche durch die kommunistische Regierung. Der Fonds wurde nach der Wende 1990 eingeführt und soll die Kirche für nicht mehr übertragbare Ländereien, Gebäude und Einrichtungen entschädigen. Darüber hinaus waren Priester und Mitglieder von Klöstern und kirchlichen Kongregationen im kommunistischen Polen (Volksrepublik Polen) nicht sozialversichert, somit hatten sie keine medizinische Versorgung und keine Altersvorsorge.

Spanien und ItalienBearbeiten

In Italien wird eine obligatorische Kirchen- und Kultursteuer (otto per mille, also 8 ‰, bezogen auf die Bruttoeinkommensteuer) erhoben. Der Steuerpflichtige kann auf der Steuererklärung angeben, welcher Religionsgemeinschaft die Steuer zugutekommen soll oder ob sie sozialen Zwecken oder dem Staat zufließen soll.[3] In Spanien gilt seit 2007 dasselbe System, jedoch liegt der Steuerbetrag, der der katholischen Kirche oder anderen sozialen und kulturellen Zwecken zufließt, bei 0,7 %. Trifft der Steuerzahler keine Entscheidung, wird das Geld automatisch den „anderen Zwecken“ zugeleitet.[4]

NordeuropaBearbeiten

DänemarkBearbeiten

Die evangelisch-lutherische Dänische Volkskirche wird mit staatlichen Mitteln unterstützt. Die Kirchensteuer wird von der örtlichen Kirchengemeinde festgesetzt und muss von der politischen Gemeinde und vom Kirchenministerium bestätigt werden. Sie ist lokal unterschiedlich, kann bis zu 7 Prozent betragen und wird mit der Lohn- und Einkommensteuer eingehoben. Etwa drei Fünftel der kirchlichen Haushalte werden direkt aus staatlichen Mitteln finanziert.[5]

Schweden und FinnlandBearbeiten

In diesen Ländern gibt es ebenfalls eine Kirchensteuer. In Schweden heißt diese nach der Trennung von Staat und Kirche „Kirchenabgabe“ (kyrkoavgift) und wird von der staatlichen Steuerbehörde eingezogen. Die Höhe der Abgabe wird dabei von der Kirchengemeinde bestimmt, der man angehört.[6] Die durchschnittliche Höhe der Abgabe beträgt 2015 1,00 % des zu versteuernden Einkommens. In Finnland beträgt die Kirchensteuer 1 bis 2 Prozent des zu versteuernden Einkommens, wobei auch Unternehmen kirchensteuerpflichtig sind.[7]

NorwegenBearbeiten

Die Norwegische Kirche wird seit 2012 nicht mehr als Staatskirche durch die Staatskasse finanziert. Die Finanzierung wird durch Mitglieds-/Kirchenbeiträge gedeckt.[8]

IslandBearbeiten

In Island ist von Personen ab 16 Jahren ein sogenanntes sóknargjald[9] (etwa: „Gemeinde-Entgelt“, Plural sóknargjöld) zu entrichten, das von der Einkommensteuer abgezogen wird.[10] Das sóknargjald geht an die staatlich anerkannte religiöse Gemeinschaft oder weltlich-humanistische Gruppierung, als deren Mitglied die Person registriert ist.[10] Bis 2009 ging das sóknargjald von Personen, die keiner religiösen Gemeinschaft oder weltlichen Gruppierung angehören, an die Universität Island; durch eine Gesetzesänderung[11] fließt das Geld in diesen Fällen seither in den allgemeinen Staatshaushalt. 2016 betrug das Sóknargjald 898 Isländische Kronen monatlich.[9]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eine kurze Geschichte der Kirchensteuer. Erzbistum Köln, archiviert vom Original am 14. September 2005; abgerufen am 10. November 2017.
  2. Jens Petersen: Die Kirchensteuer – eine kurze Information. (PDF; 66 kB) Evangelische Kirche in Deutschland, S. 2, archiviert vom Original am 19. Oktober 2013; abgerufen am 10. November 2017.
  3. Jens Petersen: Kirchensteuer kompakt: StrukturierteDarstellung mit Berechnungsbeispielen. 3. Auflage. Springer Galber, 2017, ISBN 978-3-658-10631-7, S. 247 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. El nuevo sistema de asignación tributaria en favor de la iglesia católica. (PDF, 103 kB) Spanische Bischofskonferenz, 29. September 2006, archiviert vom Original am 31. März 2010; abgerufen am 10. November 2017 (spanisch).
  5. Jens Petersen: Kirchensteuer kompakt: StrukturierteDarstellung mit Berechnungsbeispielen. 3. Auflage. Springer Galber, 2017, ISBN 978-3-658-10631-7, S. 246 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  6. Homepage der schwedischen Kirche zur Kirchenabgabe (schwedisch)
  7. Jens Petersen: Kirchensteuer kompakt: StrukturierteDarstellung mit Berechnungsbeispielen. 3. Auflage. Springer Galber, 2017, ISBN 978-3-658-10631-7, S. 248 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  8. Jens Petersen: Kirchensteuer kompakt: StrukturierteDarstellung mit Berechnungsbeispielen. 3. Auflage. Springer Galber, 2017, ISBN 978-3-658-10631-7, S. 249 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 18. Februar 2018]).
  9. a b Kirkjumál og skráð trúfélög og lífsskoðunarfélög. Isländisches Innenministerium (Innanríkisráðuneytið), archiviert vom Original am 23. März 2016; abgerufen am 5. Oktober 2018 (isländisch).
  10. a b Bureau of Democracy, Human Rights and Labor: International Religious Freedom Report for 2014: Iceland. U.S. Department of State, 2014, abgerufen am 7. Dezember 2015 (englisch).
  11. Frumvarp til laga um ráðstafanir í ríkisfjármálum. Alþingi, 2009, abgerufen am 7. Dezember 2015 (isländisch).