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Kernkraftwerk Ruppur
Lage
Kernkraftwerk Ruppur (Bangladesch)
Kernkraftwerk Ruppur
Koordinaten 24° 3′ 58″ N, 89° 2′ 49″ OKoordinaten: 24° 3′ 58″ N, 89° 2′ 49″ O
Land: Bangladesch
Daten
Projektbeginn: 2009
Kommerzieller Betrieb: 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren geplant

Reaktoren in Bau (Brutto):

2  (2400 MW)
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Ruppur (bengalisch রুপপুর পারমাণবিক বিদ্যুৎ কেন্দ্র, engl. Ruppur oder auch Rooppur Nuclear Power Plant) ist das geplante erste Kernkraftwerk in Bangladesch mit einer Nettoleistung von 2,16 GW. Als Baubeginn wurde das Jahr 2017[veraltet] anvisiert und der erste der beiden Blöcke soll nach den Planungen im Jahr 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren ans Netz gehen.[1][2][3] Der Bau erfolgt durch die russische Atombehörde Rosatom.[2] Transparency International Bangladesch meldete am 28. Dezember 2015 ernste Zweifel an der Sicherheit des geplanten Kraftwerks an, da „selbst renommierte russische Entwickler russische Atomreaktoren als unsicher erachten“.[4]

Energieplanungen der Regierung im Jahr 2010Bearbeiten

Der Energiebedarf Bangladeschs wächst jährlich stark. Im Jahr 2013 lag das Wachstum bei +9 %. Die installierte Leistung der bangladeschischen Elektrizitätswerke betrug im Januar 2014 11,3 GW. Weitere 500 MW wurden aus dem benachbarten Westbengalen (Indien) importiert. Mehr als 30 % der Bevölkerung leben ohne Elektrizität und Stromausfälle kommen häufig vor. Nach den Berechnungen der Regierung im Jahr 2010 ist mit einem Gesamt-Energiebedarf von 19 TWh im Jahr 2021 und 34 TWh im Jahr 2030 zu rechnen. Bis zum Jahr 2021 will die bangladeschische Regierung die Energieerzeugung um zusätzliche 24 GW steigern. Die zusätzliche Energie soll zu 30 % aus heimischer Kohle, 20 % aus Import-Kohle, 25 % aus Erdgas und 5 % Bio-Ethanol erzeugt werden. Die restlichen 20 % sollen über Kernenergie, erneuerbare Energien, sowie Energieimporte gedeckt werden.[5]

StandortBearbeiten

Das Kraftwerk soll 200 km nordwestlich von Dhaka im Nordwesten des Landes bei Ruppur im Distrikt Pabna gebaut werden. Der Standort liegt nur etwa 30 Kilometer Luftlinie von der indischen Grenze entfernt direkt an der Lalon-Shah-Straßenbrücke über die Pabna.[6]

GeschichteBearbeiten

Erste Pläne zum Bau eines Kernkraftwerkes im damaligen Ostpakistan gab es schon 1961.[5] Die Regierung wählte ein Gelände von 253,90 ha nahe der Stadt Pabna aus und 1963 wurde dies genehmigt. 1964 und 1966 wurden seitens der Regierung Verhandlungen sowohl mit Kanada als auch mit Schweden und Norwegen geführt. Diese verliefen jedoch ergebnislos. Nach der Unabhängigkeit Bangladeschs gab es 1974 Gespräche mit der Sowjetunion, die ebenfalls ohne Ergebnis endeten. 2001 stellte die Regierung einen nuklearen Versorgungsplan auf. Im Jahr 1980 billigte die Regierung einen Plan zum Bau eines 125-MW-Reaktors, jedoch kam dies nicht zur Ausführung. Konkretere Planungen gab es dann wieder im Jahr 2001, als die bangladeschische Regierung einen nationalen Atomenergieplan (Nuclear Power Action Plan) verabschiedete, der 2005 zu einem Abkommen mit der Volksrepublik China führte.[5] China bot die Finanzierung des Projektes, das zwei 500 MW-Reaktoren umfassen sollte, an.

2009 nahm Bangladesch Verhandlungen mit Russland auf und am 13. Februar 2009 unterzeichneten beide Seiten eine Absichtserklärung zum Bau von zwei Reaktoren in Ruppur mit einer elektrischen Leistung von jeweils 1000 MW. Rosatom gab das Jahr 2017[veraltet] als Zeitpunkt des geplanten Baubeginns bekannt[7][8][9][10][11]. Am 30. November 2017 wurde mit den Bauarbeiten begonnen[12].

KritikBearbeiten

2013 machte eine Gruppe von bangladeschischen Wissenschaftlern, darunter viele Kernphysiker, im In- und Ausland in einem offenen Brief an die Regierung unter Premierministerin Hasina Wajed ihre ernsten Zweifel an der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks deutlich.[13] Die Kritiker argumentierten, dass der Standort falsch gewählt sei. Er sei vor 50 Jahren durch die damals regierende pakistanische Militärjunta ausgewählt worden, ohne dass eine genaue Standortprüfung erfolgt sei. Die Padma, der das Kühlwasser für die geplanten Reaktoren entnommen werden solle, führe mittlerweile insbesondere in den Sommermonaten aufgrund der auf indischer Seite etwa 40 Kilometer stromaufwärts gebauten Farakka-Staustufe wesentlich weniger Wasser als früher. Die Wassermenge der Padma reiche voraussichtlich nicht für die Kühlung von einem und erst recht nicht von zwei 1000-MW-Reaktoren aus. Ein ungenügendes Kühlsystem erhöhte die Gefahr eines Nuklearunfalls, wie in Fukushima. Der geplante russische Reaktortyp WWER-1000 sei völlig veraltet. Selbst in Russland seien deswegen im Jahr 2008 entsprechende Reaktorprojekte aufgrund von Sicherheitsbedenken gestoppt worden. Den früheren Ostblockstaaten sei von der Europäischen Union (EU) zur Auflage gemacht worden, erst ihre unsicheren VVER-400- und WWER-1000-Reaktoren abzuschalten, bevor sie als Mitgliedstaaten in die EU aufgenommen werden könnten. Die Angaben der bangladeschischen Atomenergiekommission und des zuständigen Ministers, dass Russland die Kosten von 2 Milliarden US$ tragen werde, seien unzutreffend. Allein 500 Millionen US$ seien schon für ein Ausstellungszentrum, Machbarkeitsstudien etc. verplant. Die verbleibenden 1,5 Milliarden US$ reichten nicht für den Kraftwerkbau aus, wie ein Beispiel aus China zeige, wo eine vergleichbare Anlage 4,5 Milliarden US$ gekostet habe. Bangladesch habe zudem nicht die technische Infrastruktur und das know-how, um ein solch anspruchsvolles Projekt durchzuführen. Das Transportsystem sei unterentwickelt und in schlechtem Zustand. Alle hochwertigen Teile des Kraftwerkes müssten importiert werden und allein der schwierige Transport würde die Kosten in die Höhe treiben. Bangladesch habe zudem keine Erfahrung im Umgang mit Kernreaktoren. Auch wenn Russland Hilfe zugesagt habe, liege die letzte Verantwortung bei den bangladeschischen Institutionen. Der Verbleib des radioaktiven Abfalls sei ungeklärt. Bisher sei keine Einigung mit Russland zur Abnahme des radioaktiven Mülls erzielt worden. Das Risiko, dass es zu einem Nuklearunfall kommen könnte, sei viel zu hoch und ein solcher würde immense Kosten nach sich ziehen. Abschließend verwiesen die Initiatoren des Schreibens auf das Beispiel „entwickelter“ Staaten, wie Deutschland, der Schweiz und Italiens, die alle auf die Kernenergie verzichtet hätten. Ihren Aufruf schlossen die bengalischen Wissenschaftler mit der folgenden Mahnung ab: „A grand vision is meaningless without competence, judgement and knowledge.“(„Eine große Vision ist bedeutungslos, wenn sie nicht auch gepaart ist mit Kompetenz, Urteilsvermögen und Wissen.“)[13]

2015 wurde das russische Angebot für ein Jahr ausgesetzt. Rosatom bot zudem zwei WWER-1200 Kernkraftwerke an, die die Leistung auf 2,4 GW erhöhen würden.[2]

Im Dezember kletterten die veranschlagten Kosten entgegen den im selben Jahr getätigten Aussagen von 4 Mrd. USD auf 13 Mrd. USD.[4]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Cabinet clears draft law to form company to operate Rooppur nuclear power plant. bdnews24.com, 4. Mai 2015, abgerufen am 6. Juni 2015 (englisch).
  2. a b c Delay for Bangladesh nuclear plant. World Nuclear News, 20. Oktober 2015, abgerufen am 26. Oktober 2015 (englisch).
  3. Rooppur nuclear deal signed with Russia. (Nicht mehr online verfügbar.) The Financial Express, 25. Dezember 2015, archiviert vom Original am 26. Dezember 2015; abgerufen am 4. April 2016 (englisch).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thefinancialexpress-bd.com
  4. a b TIB concerned over Rooppur nuke plant’s safety. The Daily Star, 28. Dezember 2015, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  5. a b c Nuclear Power in Bangladesh. World Nuclear Association, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  6. Russian loan for Rooppur construction. World Nuclear News, 16. Januar 2013, abgerufen am 24. Mai 2013 (englisch).
  7. Sumon Mahbub: N-plant funding deal cut. bdnews24, 15. Januar 2013, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  8. PM seeks more Russian investment in ICT sector. The News Today, 15. Januar 2013, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  9. Collaboration in defence, telecom agreed upon. The News Today, 15. Januar 2013, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  10. Bangladesh agrees nuclear power deal with Russia. BBC News, 2. November 2011, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  11. Bangladesh to Get $1Bln Loan for Weapons. The Moscow Times, 16. Januar 2013, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).
  12. https://www.nucnet.org/all-the-news/2017/11/30/first-concrete-poured-for-unit-1-at-bangladesh-s-rooppur
  13. a b Subject: Concerns over the Safety and Economic Viability of the Proposed Rooppur Nuclear Power Plant (RNPP). Voice for Justice World Forum, 30. Juni 2013, abgerufen am 4. April 2016 (englisch).