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Beseitigung der Fichte am Rande eines Naturschutzgebietes in Form eines Kahlschlags
Kahlschlag in den Bayerischen Alpen
Die Äste der Bäume werden häufig im Wald zurückgelassen

Der Begriff Kahlschlag bezeichnet in der Forstwirtschaft eine Fläche, auf der alle aufstockenden Bäume planmäßig in einem oder wenigen einander in kurzen Intervallen folgenden Hieben entnommen wurden.[1] Diese Maßnahmen werden als Kahlhieb bezeichnet.

Von kahlschlagähnlichen Verhältnissen wird ausgegangen, sobald die gesamte entstandene Freifläche im Laufe eines Tages nicht mehr durch die umgebenden Bäume beschattet wird beziehungsweise das waldtypische Innenklima verloren geht. Das Belassen einzelner Bäume (Überhälter) verändert den Kahlschlagcharakter nicht.

Entstehen größere baumfreie Flächen durch Schadereignisse wie zum Beispiel Orkan, Sturm oder Insekten-Kalamitäten (z. B. durch Borkenkäfer wie den Buchdrucker), so spricht man von Kahlflächen.

Inhaltsverzeichnis

VorzügeBearbeiten

Der betriebliche Aufwand ist geringer als bei Einzelstammwirtschaft (Fällen im/Abtransport durch den Bestand).

Lichtbaumarten, die in der Jugend sehr viel Licht benötigen, wie Eichen, Kiefern, Birken, Lärchen usw., sind zur Verjüngung auf solche Verhältnisse angewiesen.

Hinsichtlich der Artenzusammensetzung ist die sich einstellende Kahlschlagflora durchaus interessant, da entsprechend dem frühen Sukzessionsstadium vielerlei Pionierarten vorkommen.

ProblemeBearbeiten

Hinsichtlich der Bodenökologie sind Kahlschläge nachteilig, da die Humus­auflage durch die plötzlich erhöhte Wärmeeinstrahlung schneller mineralisiert wird, als die Flora (Neuaufforstung, Gräser, Kräuter) sie zu nutzen vermag. Dies führt zur Auswaschung von Nährstoffen wie zum Beispiel Stickstoff in Form von Nitrat. Gelangen Stickstoffverbindungen ins Grundwasser, kann es vereinzelt zu Problemen bei der Trinkwasser­gewinnung kommen. Außerdem vernässen Kahlschläge, wenn dem Boden wegen mangelnder Interzeption mehr Wasser zugeführt wird, als abfließt, versickert oder von der Vegetation verbraucht wird. Kahlschläge erhöhen das Risiko der Bodenerosion, gerade in Gebirgs- und Hanglagen; im Kontrast dazu kennt man die bewusste Anpflanzung von Schutzwäldern in Erosions- und Erdrutsch-gefährdeten Lagen.[2][3][4]

Die naturschutzfachliche Praxis der Eliminierung von standortfremden Baumarten per Kahlschlag für den Ausgleich von Eingriffen ist nach forstwissenschaftlichem Standpunkt ökologisch negativ zu beurteilen.

RechtlichesBearbeiten

In der Betriebswirtschaft und im Steuerrecht wird dies als Endnutzung beschrieben.

Kahlhiebe (-schläge) unterliegen in verschiedenen Staaten den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben. In der Bundesrepublik Deutschland sind allgemeine Vorgaben im Bundesnaturschutzgesetz und weitere Vorgaben in den jeweiligen Landeswaldgesetzen der Bundesländer enthalten. So sind z. B. in Niedersachsen (NWaldLG, § 12) und Baden-Württemberg (LWaldG, § 15) Kahlschläge von über einem Hektar Fläche genehmigungspflichtig.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kahlschlag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Kahlschlag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Peter Burschel, Jürgen Huss: Grundriß des Waldbaus. Ein Leitfaden für Studium und Praxis (= Pareys Studientexte. 49). 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Parey, München 1997, ISBN 3-8263-3045-5, S. 106.
  2. Bodenerosion (de)
  3. Eduspace DE - Globale Veränderungen - Gebirgsökosysteme (de) 27. Mai 2013.
  4. Natur: Erosionsschutz (de) 25. November 2011.