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Aufforstung

Anpflanzen von Bäumen oder Aussaat von Samen mit dem Ziel der Bewaldung
(Weitergeleitet von Wiederaufforstung)
Aufforstung in den USA
Wiederaufforstung in der Nähe von Saint-Omer, Nord-Frankreich
In Kanada
Aufforstung im Senegal

Aufforstung bedeutet in der Forstwirtschaft das Anpflanzen von Bäumen oder die Aussaat von Samen mit dem Ziel einer Bewaldung, oft als Wiederherstellung einer früheren, durch Abholzung oder Sturmschäden verschwundenen Bewaldung. War die aufzuforstende Fläche bereits vorher mit Wald bestockt, spricht man von einer Wiederaufforstung, ansonsten von einer Erstaufforstung.

Aufforstung und Naturverjüngung sind wesentliche Kerngedanken der forstlichen Nachhaltigkeit. Die verschiedenen Aufforstungstechniken sind Gegenstand der forstwissenschaftlichen Waldbau­lehre.

Inhaltsverzeichnis

Umsetzung und AuswirkungenBearbeiten

Bei einer ökologischen Aufforstung wird zwischen den Methoden der Waldsaat und der Waldpflanzung unterschieden. Während bei einer Waldsaat die Sämlinge von Anfang an meist gut durchwurzelt sind, kommt es bei einer mit groben technischen Hilfsmitteln durchgeführten Waldpflanzung oft zu Beschädigungen und Deformierungen des Wurzelwerks, die dem Baum weniger Halt verleihen und auch das Wachstum beeinträchtigen. Zwölf Jahre Wurzelforschung der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zeigten, dass nur 19 % aller untersuchten Pflanzbäume keine Wurzeldeformationen aufwiesen, während die verjüngten und gesäten Bäume zu 69 % ein perfektes Wurzelwerk besaßen. Auch Pflanzschocks, die aus Unterschieden der Bodenbeschaffenheit der Baumschule und des Auspflanzungsgebietes resultieren, können einen kleinen Baum oder Steckling schließlich eingehen lassen. Bekannte Pflanzdichten liegen zwischen 400 Bäumen pro Hektar für einen Baumgarten und 1.000 Bäumen pro Hektar für einen Nutzforst. In den Kiefernforsten der DDR waren auch Pflanzdichten von 10.000 Bäumen pro Hektar üblich.

Jungbäume können von einem älteren Baum oder älteren Baumbestand durch Verschattung und Mikroorganismen im Wurzelgeflecht profitieren. So werden für Eichen schnellwachsende Erlen als sogenannte Ammenbäume verwendet.[1]

Bambusforste in Monokultur bilden oft für größere Lebewesen undurchdringliche Mauern und bieten dementsprechend wenig Lebensraum für Flora und Fauna. Zweckmäßig ist, von Anfang an Feuerschneisen zur Brand- und Schädlingsbekämpfung anzulegen. Diese Schneisen dienen auch der Bewässerung bei Trockenheit oder als Transportweg bei der Holzernte.

In Trockengebieten wird das Anschwemmen der Jungbäume nicht nur mit der Gießkanne, sondern auch mit komplexen Schlauchbewässerungssystemen oder alternativ dem Einsatz von Gelwürsten durchgeführt. Diese Würste bestehen zu 98 % aus Wasser, das mit Hilfe von Cellulose und Aluminiumsulfat in eine an der Oberfläche trockene Gelkonsistenz überführt wird und eine kontrollierte, verdunstungsarme Bewässerung der Jungbäume ermöglicht, wobei dem in Bodenbakterien vorkommenden Enzym Cellulase bei der Zersetzung der Trockenwasser-Gelwurst eine Schlüsselrolle zukommt.

Schnell wachsende Bäume haben einen höheren Wasserbedarf als langsam wachsende, und so kann es passieren, dass ein neu gepflanzter Wald mit durstigen Bäumen umgrenzendes Ackerland einfach trockenlegt. Durch eine geschickte Baumauswahl und gegebenenfalls eine reduzierte Pflanzdichte lässt sich dieses gravierende Problem jedoch mildern oder sogar vermeiden.

Die am Primärwald orientierte Aufforstung von tropischen Regenwäldern geschieht praktischerweise durch eine Rekombination von in gesammeltem Tierkot vorgefundenen Baum- und Strauchsamen. Besonders gefragt sind hierbei der Kot von Affen und Fledermäusen, da sie für ihren intensiven Konsum an Waldfrüchten allgemein bekannt sind.

ForschungBearbeiten

Entwaldete Regionen wieder aufzuforsten kann sich als schwierig erweisen. Teilweise überleben lediglich ein 0,5 % der gesetzten Bäume. Ihnen fehlen Nährstoffe und im Waldboden vorhandene Mikroben. In und auf den Wurzeln wachsende Mykorrhiza versorgen den jungen Baum mit Wasser und Nährstoffen. Verschiedene Bakteriengruppen erweisen sich beim Wachsen der Baumwurzeln als hilfreich, da einige den Wachstumshormonen der Bäume ähnliche Stoffe absondern, sowie Phosphat lösen und Stickstoff fixieren. Diese Umgebung findet ein junger Baum in bestehendem Wald vor. Dünger und Pestizide mit den Mikroben zu kombinieren scheitert, da Phosphatdünger gegen einige Bakterien und Fungizide gegen Mykorrhiza wirken. Ein Versuch die Mikroben an Obstbäumen einzusetzen führte neben schnellerem Wachstum zu einem früheren sowie kleinerem und schmackhafter ausfallendem Fruchtertrag.[2]

Es sind Versuche gestartet worden, Bäume durch Drohnen pflanzen zu lassen, um so die Entwaldung zu bekämpfen.[3]

ZieleBearbeiten

 
Wiederaufforstung in Osttimor (2019)

Die durch die Aufforstung erhoffte Wirkung ist regional und zeitlich unterschiedlich. In der Regel sollen durch Aufforstungstätigkeiten alle diese Waldfunktionen erreicht werden.

Aufforstung und KlimawandelBearbeiten

Zwei kanadische Wissenschaftler publizierten 2011 eine Studie über die Effekte von Wiederaufforstung auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre. In ihrer Studie kamen sie zum Ergebnis, dass eine Aufforstung der globalen Erwärmung des Klimas nur wenig entgegenwirken würde, da dunkle Wälder ein relativ geringes Reflexionsvermögen (Albedo) hätten, sie also nur wenig Sonnenstrahlung zurückwerfen würden. In den Tropen sei eine Aufforstung dreimal effektiver als in den gemäßigten und hohen Breiten, da Pflanzen dort schnell wachsen und daher besonders viel CO2 fixieren würden.[4]

Laut einer 2019 veröffentlichten Studie der ETH Zürich könne die Erde Wälder mit 4,4 Milliarden Hektar Kronenfläche hervorbringen, was 1,6 Milliarden Hektar mehr sei, als heute existiere. Wenn man davon ausgehe, dass 0,7 Milliarden Hektar für die zusätzliche Entwicklung von Städten und landwirtschaftlichen Flächen benötigt werden, sei somit weltweit eine Neubepflanzung von zusätzlichen 900 Millionen Hektar möglich.[5][6]

Seit Jahren sind massive Verluste von Waldflächen zu beobachten, vor allem in den tropischen Wäldern von Südamerika, Afrika und Südostasien.[7] Dies geschieht beispielsweise in Indonesien v. a. durch den Ersatz des ursprünglichen Walds durch Ölpalmen-Plantagen.[8] 2011 wurden durch Änderungen der Landnutzung wie z. B. das Roden von Wäldern gemäß IPCC ca. 0,9 ± 0,8 Mrd. Tonnen reiner Kohlenstoff freigesetzt, was etwa 10 % der gesamten anthropogenen („total anthropogenic“) Kohlenstofffreisetzung entspricht.[9] (Zu Waldverlusten siehe auch den Artikel: Entwaldung.)

Forschungen zufolge sind ältere Wälder resilienter gegenüber dem Klimawandel als jüngere Wälder es sind.[10]

GeschichteBearbeiten

 
Maschinelle Aufforstung (1987)

Die erste geschichtlich belegte erfolgreiche Methode zur Aufforstung mit Nadelholz­saaten in großem Stil entwickelte 1368 der Nürnberger Rats- und Handelsherr Peter Stromer (um 1315–1388) im Nürnberger Reichswald. Damit wurde dieses Waldgebiet zum ersten Kunstforst der Welt und Stromer zum „Vater der Forstkultur“. In Deutschland ist die Wiederaufforstung abgeholzter oder geschädigter Waldflächen nach § 11 Bundeswaldgesetz Pflicht.

In den Philippinen wurde 2019 ein Gesetz erlassen, das jeden Grundschüler, Sekundarschüler und Studenten dazu verpflichtet, vor dem Abschluss zehn Bäume zu pflanzen.[11]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schleswig-Holsteinische Landesforsten: Erstaufforstungen für eine optimale Entwicklung. Ausgabe 20, Jahrgang 2016, abgerufen am 22. Juli 2019 (PDF).
  2. Katrin Zöfel: WIEDERAUFFORSTUNG – Erfolg durch Bodenbakterien und Pilze, Deutschlandfunk – „Forschung aktuell“ von 7. März 2014
  3. These Drones Help Fight Deforestation by Planting 100,000 Trees per Day. In: interestingengineering.com. 28. Juni 2017, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  4. Vivek Arora von der Universität Victoria in Kanada und sein Kollege Alvaro Montenegro berechneten, wie sich die Temperatur zwischen 2081 und 2100 entwickelt, wenn in den nächsten Jahrzehnten landwirtschaftliche Flächen in Wald umgewandelt werden. Im weltweiten Durchschnitt wäre der Temperaturanstieg um 0,25 Grad geringer, wenn die Hälfte aller Äcker und Wiesen aufgeforstet würde, berichten sie in 'Nature Geoscience'. zeit.de
  5. Nadja Podbregar: Neue Wälder als Klimaretter? Aufforstung von 900 Millionen Hektar Wald könnte zwei Drittel der CO2-Emissionen schlucken. In: scinexx. 5. Juli 2019, abgerufen am 5. Juli 2019.
  6. RESTORATION ECOLOGY: The global tree restoration potential, cdn.website-editor.net, 5. Juli 2019, frei zugänglicher pdf-Text der ETH-Studie, abgerufen am 6. August 2019
  7. Schwindende Wälder: WWF-Bericht: Waldzerstörung schreitet voran. 2,4 Millionen Quadratkilometer globaler Waldverlust seit 1990. WWF, 20. März 2018, abgerufen am 3. August 2019.
  8. Palm Oil Was Supposed to Help Save the Planet. Instead It Unleashed a Catastrophe., www.nytimes.com, 20. November 2018
  9. IPCC, 2013: Carbon and Other Biogeochemical Cycles. In: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Stocker, T.F., D. Qin, G.-K. Plattner, M. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex and P.M. Midgley (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, S. 467.
  10. Loukia Papadopoulos: Older Forests Resist Climate Change Better. In: interestingengineering.com. 9. Juni 2019, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  11. House passes bill requiring graduating students to plant 10 trees on final reading. In: CNN Philippines. 15. Mai 2019, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).