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Johann Wendler (* 23. Oktober 1713 in Nürnberg; † 14. Oktober 1799 in Leipzig) war ein deutscher Buchhändler, Verleger und Stifter.[1][2][3]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Johann Wendler wurde als unehelicher Sohn des Müllers Hans Wendler und der Margaretha Eichel, beide aus Röthenbach bei Rückersdorf, geboren.

Er war von 1743 bis 1745 Geschäftsführer der Weidmannschen Buchhandlung in Leipzig und machte sich, nachdem er 1745 Bürger von Leipzig wurde, als Buchhändler und Verleger selbständig, bis er sich 1766 in das Privatleben zurückzog. Er war ein führender Importeur englischer Schriften. Ein Katalog des Jahres 1755 verzeichnet unter den verfügbaren Titeln beispielsweise Samuel Richardsons Grandison, der zwei Jahre zuvor erschienen war, John Miltons Klassiker Paradise Lost und Paradise Regained[4] sowie eine zehnbändige Gesamtausgabe der Werke von Alexander Pope. 1756 verlegte Johann Wendler die erste Ausgabe seiner Brittischen Bibliothek[5], einem Rezensionsorgan für englischsprachige Bücher, die bis 1767 erschien, und die in ihrer letzten Ausgabe eine mehr als 500 Titel umfassende Übersicht englischer Bücher lieferte. Ab 1765 ist das Angebot eines Englischunterrichts an der Leipziger Universität belegt, die Nicolaischule folgte 1773; bis dahin war der Erwerb von Englischkenntnissen unter anderem über Privatgelehrte möglich.[6]

Er verlegte von Anfang an die Schriften des Aufklärers Christian Fürchtegott Gellerts, die zu seinem raschen Aufstieg und Reichtum beitrugen und dem er in seinem Privatgarten das erste Dichterdenkmal Deutschlands errichtete.

Als er sich 1766 in das Privatleben zurück zog, verkaufte er seine Verlags- und Sortimentsbuchhandlung an Zacharias Remigius Fritsch (1737–1815).

Johann Wendler wurde auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig begraben. Das auf dem Monument falsch angegebene Geburtsdatum 23. Oktober 1713 in Nürnberg sollte möglicherweise der Verschleierung seiner Herkunft dienen.

StiftungenBearbeiten

1788 stiftete er 10.000 Taler für den Bau einer Schule von Kindern armer Eltern, die nach ihm als Wendlersche Freischule benannt wurde. An der Schule waren sieben Lehrer angestellt, zu denen auch Georg Friedrich Baumgärtel gehörte, der ab 1799 unterrichtete, sowie Ernst Anschütz, der von 1799 bis 1806 Geschichts-Unterricht gab.

Weiterhin stiftete er in den 1790er Jahren sechs Stipendien für aus Nürnberg gebürtige Studenten, die bis 1930 ausgerichtet wurden.1794 stiftete er 1.800 rheinische Gulden, die den Bau einer Schule in Nürnberg-Gostenhof ermöglichten. Weiterhin stiftete er 4.000 Taler für den Witwenfond der Universität Leipzig, 3.000 Taler den Vesperpredigern und 3.000 Taler dem Almosenfond.[7]

EhrungenBearbeiten

Am 5. Oktober 1898 wurde beschlossen (Verkündung und Inkrafttreten am 10. November 1898), eine neue Straße im Leipziger Stadtteil Kleinzschocher nach ihm »Wendlerstraße« zu benennen

Werke (Auswahl)Bearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Leipziger Biographie. Abgerufen am 15. März 2018.
  2. Manfred H. Grieb: Nürnberger Künstlerlexikon: Bildende Künstler, Kunsthandwerker, Gelehrte, Sammler, Kulturschaffende und Mäzene vom 12. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, S. 1653. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-091296-8 (google.de [abgerufen am 17. März 2018]).
  3. Neues Rheinisches Conversations-Lexicon: oder Encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände, S. 359. Comptoir für kunst und literatur, 1836 (google.de [abgerufen am 17. März 2018]).
  4. Online Version von Paradise Lost und Paradise Regained
  5. Jennifer Willenberg: Distribution und Übersetzung englischen Schrifttums im Deutschland des 18. Jahrhunderts, S. 111. Walter de Gruyter, 2008, ISBN 978-3-598-44106-6 (google.de [abgerufen am 17. März 2018]).
  6. Lore Knapp, Eike Kronshage: Britisch-deutscher Literaturtransfer 1756–1832, S. 27. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2016, ISBN 978-3-11-049814-1 (google.de [abgerufen am 17. März 2018]).
  7. Karl Christian Kanis Gretschel: Geschichte des Sächsischen Volkes und Staates, S. 283. Orthaus, 1853 (google.de [abgerufen am 17. März 2018]).