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Johann Friedrich Röhr hielt Goethes Trauerrede, Ausschnitt einer Lithografie von Schubert 1843

Johann Friedrich Röhr (* 30. Juli 1777 in Roßbach; † 15. Juni 1848 in Weimar) war Doktor der Theologie, Generalsuperintendent und Oberhofprediger in Weimar. In seinen Schriften und Predigten erklärte er das Christentum als reine Vernunftreligion. Röhr gilt als einer der letzten Vertreter des theologischen Rationalismus. Dazu hielt er 1832 die Trauerrede zur Bestattung Johann Wolfgang von Goethes in Weimar.

AllgemeinesBearbeiten

Johann Friedrich Röhr war zur Zeit Goethes ein bekannter Theologe, dessen Wirken von Erhardt Hansche in seiner Veröffentlichung (siehe Literatur) ausführlich gewürdigt wird. Röhr erstellte viele theologische Schriften und war Herausgeber der Zeitschriften Predigerliteratur, Chronikale Nachrichten und Briefe über den Rationalismus.

Der Brockhaus schreibt: „Röhr … einer der ausgezeichnetesten unter den jetzt lebenden Kanzelrednern und Herausgeber mehrerer weit verbreiteter theologischer Zeitschriften“.

Röhr versuchte, die theologischen und christologischen Aussagen des Neuen Testaments von spekulativen, von Menschen erdachten Dogmen zu befreien, um die frohe Botschaft Jesu Christi möglichst einfach, unkompliziert und verständlich zu verkünden.

Es gibt folgende Zitate:

„Er [Röhr] kam mir zur glücklichen Stunde, seine erste geistliche Handlung war die Taufe meines 2. Enkels.“

Johann Wolfgang von Goethe

„An guter Wirkung, die von ihm ausgehen wird, zweifle ich keineswegs, persönlich aber freue ich mich der Hoffnung, daß ich mit ihm in ein gutes Verhältnis werde treten können.“

Johann Wolfgang von Goethe

„Was mag auf immerwährenden Bestand hienieden rechnen, wenn die Hand, die alles schafft, infolge der von ihr festgestellten unabänderlichen Ordnung auch die Form zerbricht, welche sie zur Trägerin der reichsten geistigen Gaben machte, aus denen an uns Menschen das Bild der Gottheit hervorleuchtet?
Nur das vermag uns dabei Trost und Ruhe zu geben, daß eben das Geistige auch noch dann auf Erden fortlebt, wenn das Irdische, womit es umkleidet ist, in sich zerfällt.“

Johann Friedrich Röhr

In Roßbach erinnert am Haus Nr. 31 eine Gedenktafel an Johann Friedrich Röhr, der hier geboren wurde.

In Weimar erinnert an ihn seit 1890 die Röhrstraße, ebenso verläuft in seinem Geburtsort Roßbach die Dr.-Friedrich-Röhr-Straße.

WerdegangBearbeiten

Johann Friedrich Röhr ist Sohn des mittellosen Schneidermeisters und Bauern Johann Gottfried Röhr (1752–1838) und seiner Ehefrau Eva Maria geb. Schmeißer (1752–1813). Nach seiner ersten Heirat am 26. August 1804 mit Maria Friderike geborene Trömer (* 26. August 1792 in Merseburg; † 22. August 1805 in Ostrau) wurde 1805 eine Tochter tot geboren, wobei infolge die Mutter mit starb. Röhr heiratete am 22. April 1806 in zweiter Ehe Sophie Karolina Auguste geb. Erdmann in Dölzig, Kreis Schkeuditz. Aus dieser Ehe gingen insgesamt zehn Kinder hervor. 1838 starb sie in Leipzig an Krebs. 1839 heiratete Röhr in dritter Ehe die Witwe des Lehrers und Altertumsforschers Friedrich Sickler, Sophie Auguste geb. Schieck (* 19. November 1792 in Hildburghausen; † 16. Januar 1876 in Weimar).

Röhr besuchte das Gymnasium in Schulpforta von 1790 bis 1796 und studierte im Anschluss Philosophie und Theologie in Leipzig. Nach vierjähriger Studienzeit legte er in Dresden das Examen ab. Danach wirkte Röhr im Amt des Vesperpredigers an der Universitätskirche zu Leipzig, und dann seit dem 21. März 1802 als Hilfsprediger in Schulpforta. Am 9. August 1804 wurde Röhr die Verwaltung des Pastorats in Ostrau bei Zeitz im Burgenlandkreis übertragen. Dies übte er 16 Jahre lang aus. 1819 wurde eine Berufung nach Königsberg als Konsistorialrat, Professor der Theologie und Pfarrer in Königsberg abgelehnt. Am 10. Mai 1820 wurde Röhr als Nachfolger von Johann Friedrich Krause zum Oberpfarrer an die Pfarrkirche in Weimar, und gleichzeitig zum Oberkonsistorialrat und Generalsuperintendenten des Großherzogtums Sachsen-Weimar berufen. Damit war Röhr dritter Amtsnachfolger von Johann Gottfried Herder. Die Ämter versah er bis zu seinem Tod. Ihm wurde der Hausorden vom Weißen Falken verliehen.

Röhr unterrichtete und konfirmierte die spätere Kaiserin Augusta, Prinzessin Maria Augusta von Sachsen sowie Großherzog Carl Alexander. 1820 erhielt Röhr die Ehrendoktorwürde (doctor theologiae honoris causa) der Theologischen Fakultät der Universität Halle. Am 9. Juli 1828 sprach er bei der Beisetzung Herzog Karl Augusts in der Weimarer Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof.

Am 26. März 1832 hielt Röhr die einzige Trauerrede bei der Bestattung Johann Wolfgang von Goethes. Dabei brachte ihm die Erwähnung "der menschlichen Schwachheiten und Gebrechen, durch welche Goethe auch an seinem Teile der Natur ihre Schuld bezahle", heftige Kritik der Zeitgenossen ein.

1837 verfasste Karl von Hase die Schrift Anti-Röhr, Leipzig. 1840 modellierte Angelica Bellonata Facius eine Plastik von Röhr. Bürger von Weimar widmeten Röhr ein Gedicht und einen Pokal, die sie ihm am 19. Mai 1844 überreichten.

In den Jahren von 1815 bis 1848 gab Röhr auch Zeitschriften vorwiegend polemischen Inhalts heraus:

  • 1810–1814 Predigerliteratur
  • 1815–1819 Neue und Neueste Predigerliteratur
  • 1820–1848 Kritische Prediger Bibliothek

In dessen Inhalten veröffentlichte er Angriffe auf die Theologen Claus Harms, Johann Heinrich Karl Hengstenberg, Ernst Sartorius, Andreas Gottlob Rudelbach und Heinrich Andreas Christoph Hävernick, aber auch gegen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seine Schüler. Röhr selbst war der Verteidiger eines populären Rationalismus, der sich am deutlichsten in seiner Programmschrift Briefe über den Rationalismus ausdrückt. Doch geriet Röhr in der Auseinandersetzung mit Karl August von Hase, der in einer kritischen Prüfung die Position Röhrs theoretisch überwand, in eine dogmatische Befangenheit. Nach Röhrs Auffassung sei der letzte Zweck der Religion reine Sittlichkeit, die nach dem in Jesu Leben und Lehren repräsentierten Ideal strebe. Er geht von dem Grundsatz voller Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit in der Kirche aus, mit der Einschränkung, dass das Evangelium sprachlich und geschichtlich nach Vernunft und Gewissen ausgelegt werden solle. An diesen konstitutiven Grundsatz schließt er regulative Glaubenssätze an.

Am 15. Juni 1848 starb Johann Friedrich Röhr in Weimar. Er wurde am 18. Juni 1848 an der westlichen Mauer des Historischen Friedhofs Weimar oberhalb der Fürstengruft beigesetzt.

Werke (Auszug)Bearbeiten

  • Leipzig 1801 – Sendschreiben eines sächsischen Landpredigers an einen seiner Amtsbrüder über die von D. F.V. Reinhard (sächsischen Oberhofprediger), …, am Reformationsfeste 1800 gehaltene Predigt
  • Leipzig 1803 – Der fromme Glaube, daß das Gute noch auf Erden siegen werde.
  • Leipzig 1803 – Tabellarische Übersicht der englischen Aussprache.
  • Zeitz 1811 – Wer ist konsequent? Reinhard oder Tschirner?
  • Aachen 1813 – Briefe über den Rationalismus. (462 Seiten)
  • Zeitz 1815 – Predigt bei der Huldigung des Herzogthums Sachsen, ….
  • Zeitz 1816 – Lehrbuch der Anthropologie.
  • Zeitz 1816 – Ob es ein Glück sey, alle Tage herrlich und in Freuden zu leben.
  • Zeitz 1818 – Dr. Martin Luthers Leben und Wirken, oder kurze Geschichte der Reformation.
  • Zeitz 1819, Leipzig 1852 – Palästina oder Historisch-geographische Beschreibung des jüdischen Landes zur Zeit Jesu, zur Beförderung einer anschaulichen Kenntnis der evangelischen Geschichte für Religionslehrer und gebildete christliche Bibelleser (auch in niederländischer und englischer Übersetzung)
  • Zeitz, Neustadt an der Orla 1820 – Christliche Amtsreden bei Eröffnung der Synode der Ephorie Zeitz.
  • Weimar 1821 – Antrittspredigt und Predigt bei der Eröffnung des Weimarischen Landtags.
  • Weimar 1822 – Nachricht von der, auf Befehl des Großherzogs in Weimar zu erbauenden allgemeinen Bürgerschule, ….
  • Weimar 1822 – Die Zeichen- und Wundersucht der Menschen.
  • Weimar 1822–1826 – Predigten in der Hof- und Stadtkirche zu Weimar …. 3 Bde.
  • Weimar 1824 – Rede bei der … Confirmation ihrer Hoheit der Herzogin zu Sachsen Marie Luise Alexandrine am 11. Aug. 1824 ….
  • Neustadt an der Orla 1825 – Die Jesuiten als Vermittler einer protestantischen Kirchenagende.
  • Neustadt an der Orla 1825 – Worte der Wahrheit gegen die Verunglimpfungen unserer evangelischen Kirche von Seiten ihrer Widersacher an den Reformationsfesten ….
  • Weimar 1826 – Die Hoffnung einer erneuerten Verbindung mit unsern Lieben jenseits des Grabes ….
  • Zeitz 1826–1830 – Christliche Fest- u. Gelegenheitspredigten vor einer Landgemeinde gehalten. 3 Bde.
  • Weimar 1827 – Rede bei der feierlichen Confirmation ihrer Hoheit der Herzogin zu Sachsen Marie Luise Auguste Catharina am 21. Aug. 1827.
  • Weimar 1828 – Gedächtnispredigt bei der … Todesfeier Carl Augusts Großherzogs zu Sachsen-Weimar-Eisenachs.
  • Weimar 1828 – Trauer-Rede nach der feierlichen Beisetzung … Carl Augusts ….
  • Neustadt an der Orla 1828 – Unser Herr als entschiedener Freund der Vernunft in religiösen Dingen ….
  • Neustadt an der Orla 1828 – Die sittliche Unbescholtenheit, in welcher unsere evangelische Kirche in das Daseyn trat.
  • Magdeburg 1829 – Warnende Worte gegen die Geringschätzung unsrer menschlichen Natur.
  • Weimar 1829 – Daß das Heil eines Volkes von innen heraus am sichersten geschafft werde ….
  • Zeitz 1829 – Palästina oder historisch-geographische Beschreibung des jüdischen Landes zur Zeit Jesu. (266 Seiten)
  • Weimar 1830 – Gedächtnispredigt bei der … Todesfeier der … Großherzogin zu Sachsen-Weimar-Eisenach Louise ….
  • Neustadt an der Orla 1830 – Predigt am Jubelfeste der Augsburgischen Confession, ….
  • Neustadt an der Orla 1831- Ausdeutung des sechswöchentlichen Katechismus-Unterrichtes, den Irrlehrern dieser Zeit von der Redaction der evang. Kirchenzeitung ertheilt.
  • Zeitz 1831 – Palästina oder historisch-geographische Beschreibung des jüdischen Landes zur Zeit Jesu.
  • Weimar 1831 – Christologische Predigten oder Geistliche Reden über das Leben, den Wandel, die Lehre und die Verdienste Jesu Christi.
  • Weimar 1832 – Grund- und Glaubenssätze der evangelisch-protestantischen Kirche.
  • Neustadt an der Orla 1832, 1834, Plauen 1860 – Predigten über das neue weimarische Evangelien-Buch oder über freie Texte. 3 Bde.
  • Weimar 1832, 1846 – Zwei Schul-Reden, ….
  • Weimar 1832 – Trauerworte bei von Goethes Bestattung am 25. März 1832.
  • Weimar 1834 – Unser Herr als das Musterbild aller Weltverbesserer … zwei Predigten.
  • Weimar 1833 – Kurze Geschichte der Reformation für Schule und Haus.
  • Weimar 1834 – Altarrede bei der feierlichen Einführung des F.T. Krause in die Stelle eines zweiten Diakons an der Haupt- u. Stadtkirche zu Weimar ….
  • Weimar 1834 – Rede bei der feierlichen Confirmation Sr. Königlichen Hoheit Erbgroßherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach Carl Alexander August Johann am 14. November gehalten.
  • Sulzbach 1835 – Religionsbekenntnisse zweier Vernunftfreunde nämlich eines protestantischen und eines katholischen Theologen….
  • Leipzig 1838 – Christliche Amts-Reden bei verschiedenen Anlässen gehalten.
  • Magdeburg 1838 – Die Stellung, welche Christus seiner Kirche in der bürgerlichen Gesellschaft anwies.
  • Weimar 1838 – Predigt am Reformations-Feste 1838.
  • Weimar 1840 – Predigt am Johannis-Feste 1840, als am 400jährigen Jubelfeste der Buchdruckerkunst, ….
  • Schleusingen 1841 – Kleine theologische Schriften dogmatischen, homiletischen u. geschichtlichen Inhalts.
  • Jena 1841 – Daß viele christliche Staaten unserer Zeit an ihrem eigenen Verderben arbeiten ….
  • Leipzig 1842 – Die gute Sache des Protestantismus. Dargestellt in sechs, an den jährlichen Reformationsfesten zu Weimar gehaltenen Kanzelvorträgen.
  • Weimar 1842 – Der geistige Segen des Unheil drohenden Naturzustandes um uns her. Eine Predigt ….
  • Weimar 1842 – Der Wechsel der Heimath und des Vaterlandes, welchen das Leben für viele Menschen mit sich führet.
  • Weimar 1843 – Wie viel die Wiederherstellung des reinen Evangeliums Jesu den früheren Bekennern desselben kostete, ….
  • Weimar 1843 – Die erhebende Erinnerung an die ruhmwürdigen Eigenthümlichkeiten unseres teutschen Volkes … am 1000 jährigen Gedenktage der Selbständigkeit des teutschen Volkes.
  • Neustadt an der Orla 1843 – Magazin für christliche Prediger, herausgegeben von Dr. Johann Friedrich Röhr.
  • Neustadt an der Orla 1844 – Die vollkommene Einheit unserer Kirche im Wesentlichen ihres christlichen Bekenntnisses ….
  • Weimar 1844 – Das Erhebende und Erfreuliche des Glaubens an ein besseres Leben, welchen uns das christliche Osterfest darbietet ….
  • Weimar 1844 – Wie Gottes gnädige Hand das Leid der Menschen in Freude verwandelt.
  • Weimar 1845 – Dringende Hinweisung auf die den heiligen Namen Jesu mißbrauchenden Pharisäer der christlichen Kirche ….
  • Weimar 1846 – Die gute Sache des Deutsch-Katholizismus. Ein Zeugnis für dieselbe.

LiteraturBearbeiten

  • Gustav FrankRöhr, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 30, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 92–94.
  • Gustav Frank (Hrsg.): Geschichte der protestantischen Theologie III. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1905.
  • Christian Gotthilf Ficker (Hrsg.): Ueber die von dem Herrn Dr. Röhr vorgeschlagenen Grund- und Glaubenssätze der evangelisch protestantischen Kirche: ein theologisches Bedenken. Leipzig 1836.
  • The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge X, 64 f., ed. by S.M. Jackson, Grand Rapids Michigan 1969.
  • Erhardt Hansche: Johann Friedrich Röhr (1777–1848) und der theologische Rationalismus. 4. Auflage. Lohan, Berlin Juli 2011.
  • Johann Friedrich Röhr: Gedenkreden von 1832–1949: Trauerworte bei von Goethe´s Bestattung am 26sten März 1832, Gesprochen von D. Johann Friedrich Röhr Großherzogl. Oberhofprediger. Hrsg.: Walter Iwan. Gustav Kiepenheuer, Weimar 1957, S. 18–24.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Johann Friedrich Röhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
Johann Friedrich KrauseGeneralsuperintendent von Sachsen-Weimar
1776–1803
Wilhelm Dittenberger