Jalta (Magazin)

linke Zeitschrift mit jüdischem Bezug vom Neofelis Verlag aus Berlin

Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart (kurz Jalta) ist eine 2017 im Neofelis Verlag in Berlin gegründete Zeitschrift mit jüdischem Bezug, die bis 2020 erschien.

Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart

Beschreibung Zeitschrift der diversen jüdischen Gemeinschaft in Deutschland heute
Sprache Deutsch
Verlag Neofelis Verlag (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 2017
Erscheinungsweise halbjährlich
Weblink neofelis-verlag.de/verlagsprogramm/zeitschriften/jalta
ISSN (Print)

BeschreibungBearbeiten

Die Zeitschrift wurde 2017 von Micha Brumlik, Marina Chernivsky, Max Czollek, Hannah Peaceman, Anna Schapiro und Lea Wohl von Haselberg gegründet, die sie seitdem auch herausgaben. Sie wollten damit die Berichterstattung über Juden selbst bestimmen und innerjüdische Debatten nach außen bringen, da nach ihrer Meinung, Juden in der öffentlichen Berichterstattung hauptsächlich im Zusammenhang von Antisemitismus und der Shoa vorkommen.[1] Ruth Zeifert schrieb in ihrer Rezension der ersten Ausgabe, „Jalta“ zeige individuelle Diskurse über jüdische Identitäten und sei damit eine Reflexion des heutigen Judentums.[2] Im Unterschied zur 2010 eingestellten Zeitschrift „Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart“ richtet sich „Jalta“ auch an Leser ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse. Die Redaktion bezog zudem nichtjüdische Autoren mit ein.[1]

Die Namensgeberin „Jalta“ war eine jüdische Frau aus dem vierten Jahrhundert, die die männliche Auslegung der Thora in Frage stellte. Der Titel steht auch für die Juden, die seit Anfang der 2000er Jahre aus Nachfolgestaaten der Sowjetunion als so genannte jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland kamen,[1] und er sei eine Anspielung auf die Konferenz von Jalta im Februar 1945 und „die Wut, die entstehe, wenn andere darüber entscheiden, wer man sei“.[3]

Veröffentlicht wurden wissenschaftliche, essayistische, literarische Texte sowie Arbeiten der Bildenden Kunst zur jüdischen Gegenwart. Jede Ausgabe hat einen Themenschwerpunkt und fünf feste Rubriken, diese sind: „(Nach) Jalta“, „Gegenwartsbewältigung“, „Juden* und …“, „Vergessen, Übersehen, Verdrängt“ und „Streitbares“.[4] Die erste Ausgabe erschien mit 180 Seiten, beschäftigte sich mit jungen Juden in Deutschland und widmete sich auch feministischen Themen.[5] Die folgenden Ausgaben waren ähnlich umfangreich. Im ersten Jahr wurde die Zeitschrift mit einem Druckkostenzuschuss von der Kulturstiftung des Bundes und des Maxim-Gorki-Theaters gefördert.[1]

Im September 2018 veröffentlichte die Redaktion ein kritisches Positionspapier zur JAfD, das in Zeit Online erschien, mit dem sie sich „mit größter Entschiedenheit“ gegen die Gründung einer jüdischen Untergruppe der AfD aussprach, die menschenfeindliche und antisemitische Positionen vertrete.[6][7]

KooperationenBearbeiten

Im November 2019 erschien in Kooperation mit dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk die erste Sonderausgabe der Zeitschrift zum Thema Zwischen Literarizität und Programmatik. Jüdische Literaturen der Gegenwart.[8]

Für das Heft Spiegel Geschichte 3/2021 Antisemitismus. Was der uralte Hass mit modernen Verschwörungsmythen zu tun hat fungierten die Jalta-Redaktionsmitglieder Marina Chernivsky, Max Czollek, Anna Schapiro und Lea Wohl von Haselberg gemeinsam mit Micha Brumlik als Beraterinnen und Berater. In ihrem einleitenden Essay Eine jüdische Perspektive schrieben sie: „Bei der Diskussion in der »Jalta«-Redaktion, ob ein SPIEGEL-GESCHICHTE-Heft derzeit der richtige Rahmen für eine jüdische Perspektive sein kann, gab es Argumente dafür und dagegen. Ein paar von uns haben sich als Einzelpersonen für die Beratung entschieden. Denn wir meinen, dass unsere Perspektive auch für einen gesamtgesellschaftlichen Blick auf Antisemitismus nützlich sein kann.“[9]

ErscheinungsverlaufBearbeiten

Zunächst erschienen die Ausgaben unregelmäßig, ab 1/2020 halbjährlich und auch als Online-Ausgabe.

Mit dem Heft Nr. 7 Übersetzbarkeit im April 2020 erschien die letzte Ausgabe von Jalta als gedruckte Zeitschrift, die nach Mitteilung des Verlags als Buchreihe ab dem ersten Halbjahr 2022 fortgesetzt wird. Die Ausgaben 1 bis 7 sind in einem Sonderband versammelt.[10]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Igal Avidan: Neue Zeitschrift „Jalta“. Jüdisch, anders, ungewöhnlich. Deutschlandfunk Kultur, 14. April 2017
  2. Rezension und Interview von Ruth Zeifert. In: haGalil, 8. Mai 2017
  3. Krsto Lazarević: Öffentlich jüdisch, Jüdische Allgemeine, 2. Mai 2017
  4. Renate Zitt: Rezension der Ausgabe 4 „Gegenwartsbewältigung“. In: socialnet Rezensionen, Online
  5. Frederick Schindler: Neues Debattenmagazin. Links, jüdisch, divers, Taz, 15. Mai 2017
  6. Micha Brumlik, Marina Chernivsky, Max Czollek, Hannah Peaceman, Anna Schapiro und Lea Wohl von Haselberg: "Juden in der AfD". „Die AfD vertritt menschenfeindliche und antisemitische Positionen“. Gastbeitrag in: Zeit Online, 26. September 2018
  7. Horst Blume: "Von Babylon nach Jalta - Jüdische Zeitschrift diskutiert neue Allianzen und "unerhörte" Positionen". In: Graswurzelrevolution, Nr. 451, September 2020.
  8. Jalta. Sonderausgabe 3 (2019), 1. In: H-Soz-Kult, 17. April 2020
  9. Eine jüdische Perspektive. Essay von Marina Chernivsky, Max Czollek und Anna Schapiro und Lea Wohl von Haselberg. In: Spiegel Geschichte 3/2021, S. 130–132.
  10. Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart. Neofelis Verlag