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Jakob Neureuter

katholischer Geistlicher, der während der Marienerscheinungen in Marpingen 1876/1877 der Dorfpfarrer des saarländischen Dorfes Marpingen war
Jakob Neureuter im Jahr 1894, Pfarrer von Marpingen in den Jahren 1864 bis 1895 (Stiftung Marpinger Kulturbesitz)

Jakob Neureuter (* ca. Mitte 1830; † 1908 in Kesten) war ein katholischer Geistlicher, der während der Marienerscheinungen in Marpingen 1876/1877 der Dorfpfarrer des saarländischen Dorfes Marpingen war, das zu diesem Zeitpunkt zum protestantisch geprägten Preußen gehörte. Für seine Unterstützung der Erscheinungen wurde er zu einer Gefängnishaft verurteilt.

Leben und WirkenBearbeiten

Jakob Neureuter war der Sohn eines Malers aus Trier. In den 1860er Jahren war er Kaplan in Koblenz. Zum Gemeindepfarrer von Marpingen wurde er im Jahre 1864, die Marpinger Gemeinde war seine erste Pfarrei. Er lebte dort zunächst gemeinsam mit seiner Schwester, die ihm den Haushalt besorgte. Diese starb 1871 während einer Pockenepidemie.

Pfarrer Jakob Neureuter rückte ins öffentliche Interesse, nachdem drei achtjährige Mädchen am 3. Juli 1876 behaupteten, ihnen wäre die Jungfrau Maria im an die Gemeinde angrenzenden Härtelwald erschienen. Die angeblichen Erscheinungen, die von der katholischen Kirche nicht als glaubwürdig anerkannt sind, zogen sich bis zum 3. September 1877 hin und führten in den 15 Monaten dazu, dass tausende Menschen nach Marpingen wallfahrten, um selber Zeuge der Erscheinungen zu werden. Pfarrer Neureuter fand im Umgang mit diesem Phänomen verhältnismäßig Unterstützung bei seiner zuständigen Diözese Trier. Wegen der Auseinandersetzungen im Kulturkampf war der Trierer Bischof Matthias Eberhard 1874 zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Er starb am 30. Mai 1876, wenige Wochen vor Beginn der Erscheinungen in Marpingen. Wegen des Kulturkampfes blieb das Bischofsamt über mehrere Jahre unbesetzt. Erst 1881 wurde Michael Korum zum Nachfolger von Bischof Eberhard ernannt. Eine offizielle Verurteilung der Marpinger Erscheinung seitens der Diözese unterblieb nicht zuletzt, weil sich der zuständige Trierer Dompropst einer Zusammenarbeit mit dem preußischen Staat verweigerte.[1] Am 13. Juli versuchten preußische Behörden mit Einsatz des Militärs die Folgen der Marienerscheinungen in Marpingen zu unterbinden. Das führte zu Einquartierung von Soldaten in seinem Haus, zur Beschlagnahmung und Abfangen seiner Post sowie Hausdurchsungen bis hin zu seiner Verhaftung am 27. Oktober 1876 und einer Gerichtsverhandlung. Jakob Neureuter verhielt sich in seinen Aussagen vor amtlichen Stellen stets vorsichtig und zurückhaltend und benutzte bereits am 14. Juli, bei seinem ersten Verhör durch den Regierungspräsidenten Wolff in Trier eine Formel, die er bei anderen Gelegenheiten wiederholen sollte:[2]

Ist es Menschenwerk, so wird es in sich zerfallen, ist es Gotteswerk, so werden Sie, Herr Präsident, es nicht verhindern.

Er selbst deutete einzelne Elemente der Erscheinung an, die ihm befremdlich vorkamen. Dazu gehörte die gelegentlich sitzende Position der Jungfrau Maria, das Erscheinen des Heiligen Geistes und des Teufels.

Zeitzeugen stellen Jakob Neureuter überwiegend ein positives Charakterzeugnis aus. Er erweiterte unter anderem die Bücherei des Dorfes und ließ die traditionelle Marienverehrungsstätte des Ortes, Unsere Liebe Frau von Marpingen, mit einer Grotte überbauen. Er lebte bedürfnislos und maß materiellen Dingen wenig Wert bei. Als er am 1. Dezember 1876 aus dem Gefängnis entlassen wurde, bereitete ihm seine Gemeinde das festliche Willkommen, das Dutzenden von Kulturkampfpriestern in jener Zeit bereitet wurden. Die jungen Männer seiner Marpinger Gemeinde ritten ihm auf der Straße nach St. Wendel entgegen und gaben ihm das Ehrengeleit.[3]

LiteraturBearbeiten

  • David Blackbourn: Marpingen – Das deutsche Lourdes in der Bismarckzeit (= Historische Beiträge des Landesarchivs Saarbrücken, Band 6), Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-9808556-8-6

WeblinksBearbeiten

  Commons: Jakob Neureuter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Blackbourn, S. 241
  2. Blackbourn, S. 257
  3. Blackbourn, S. 317