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JPEGMAFIA

US-amerikanischer Rapper und Musikproduzent
JPEGMAFIA mit Radiomoderatorin Natalie James

Barrington DeVaughn Hendricks (* 22. Oktober 1989 in Flatbush, New York City), besser bekannt unter seinem Künstlernamen JPEGMAFIA, kurz JPEG oder Peggy, ist ein US-amerikanischer Rapper und Musikproduzent. Während seine Beats durch eine experimentelle Produktion gekennzeichnet sind, richten sich seine kontroversen Texte gegen politische Missstände, Polizeigewalt und White Supremacy.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Barrington DeVaughn Hendricks kam 1989 als Sohn jamaikanischer Eltern in Flatbush im New Yorker Stadtteil Brooklyn zur Welt. Er wuchs in East Flatbush unter dem Einfluss karibischer Kultur und der Black-Pride-Bewegung auf. Als Hendricks 13 Jahre alt war, wurde sein Bruder erschossen und die Familie zog nach Alabama, wo er erstmals in seinem Leben mit starkem Rassismus konfrontiert wurde.[1][2] Eine rassistisch aufgeladene Auseinandersetzung brachte ihm einen kurzen Gefängnisaufenthalt ein.[3] Zu jener Zeit entdeckte der mit Reggae sozialisierte Hendricks die Rapmusik für sich. Nach der Highschool ging er zur Air Force und wurde in Louisiana stationiert. Von dort aus führte ihn diese Tätigkeit unter anderem nach Japan, Deutschland, Kuwait und in den Irak. In den Krisengebieten verbrachte er seine Freizeit damit, Beats zu produzieren, ehe er nach vierjähriger Dienstzeit aus den Luftstreitkräften ausschied.[1][4] Laut eigener Aussage verstärkte der Dienst sein negatives Menschenbild.[5]

KarriereBearbeiten

Erste Veröffentlichungen via Bandcamp machte Hendricks – nachdem er das Sampling entdeckt hatte – bereits ab 2009 unter dem Pseudonym Devon Hendryx.[6] Nach Beendigung seines Militärdienstes lebte er in Japan, wo er 2013 ein Mixtape mit dem Titel The Ghost~Pop Tape aufnahm und damit in Tokio für Aufsehen sorgte. Danach nahm er erstmals den Künstlernamen JPEGMAFIA an, wobei die Namensendung MAFIA ähnlich dem US-amerikanischen Präfix A$AP die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv zeigt.[7]

2015 kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und ließ sich in Baltimore nieder. Nach dem Tod des jungen Afroamerikaners Freddie Gray in Polizeigewahrsam kam es in der Stadt zu Unruhen und JPEGMAFIA produzierte innerhalb einer Woche seine wütende Darkskin Manson EP. In den kommenden Jahren versuchte Peggy, wie er fortan genannt wurde, mit möglichst vielen Künstlern zusammenzuarbeiten, um sich in der vom DIY-Ethos geprägten Szene[8] einen Namen zu machen. Am 15. Februar 2016 veröffentlichte er sein erstes Studioalbum beim Label Deathbomb Arc. Der Titel Black Ben Carson ist ein Seitenhieb auf den schwarzen Republikaner gleichen Namens, der mit seiner Politik in den Augen des Rappers seine Herkunft verleugnet. Im selben Jahr entstand in Kollaboration mit Freaky die EP The 2nd Amendment. Vor allem der ironische Track I Might Vote 4 Donald Trump sorgte für Aufmerksamkeit und wurde später vom Playlist-Projekt 30 Days, 50 Songs aufgegriffen.[3][7]

Im Juni 2017 übersiedelte er nach Los Angeles.[9] Mit der Veröffentlichung seines zweiten Studioalbums Veteran gelang ihm 2018 der Durchbruch. Das Album erhielt überwiegend positive Kritiken, unter anderem von Pitchfork und der Los Angeles Times, und wurde in mehrere Jahresendlisten aufgenommen. Bis November 2018 wurde es fast zehn Millionen Mal gestreamt und konnte einige prominente Fans wie Hannibal Buress oder Anthony Fantano gewinnen.[2][9] Seine erste internationale Tournee, die „Reverse Christopher Columbus Tour“ führte ihn 2018/19 auch durch Europa.[5]

StilBearbeiten

JPEGMAFIA wird den Genres Experimental Hip-Hop, Lo-Fi und Emo-Rap zugeordnet.[8][10] Seine Produktion mit Samples von Computerspielen und Field Recordings ist von Noise und Industrial, vor allem Throbbing Gristle, beeinflusst. Das Spiel mit Soundelementen wie Rauschen und Brüchen brachte ihm Vergleiche mit Death Grips ein, die er jedoch ablehnt.[8] Er bediene sich zwar der Energie des kalifornischen Trios, könne aber mit den abstrakten Texten nichts anfangen.[3] Stattdessen sieht er sich selbst innerhalb des SoundCloud-Rap-Spektrums.[9] Als größtes stilistisches und inhaltliches Vorbild nennt er Ice Cube und dessen Album AmeriKKKa’s Most Wanted, weitere Rap-Einflüsse sind oder waren The Diplomats, Ghostface, Jay-Z, Lil Wayne, Nas und Ol’ Dirty Bastard. Auch der energiegeladene Punkrock der Bad Brains dient ihm als Inspiration.[3][11]

Trotz der Ernsthaftigkeit und Härte seiner Themen legt der Rapper Wert darauf, nicht wie ein Prediger zu wirken.[9] Außerdem fehlt es seinen Texten nicht an einem gewissen Maß anarcho-libertärem Humor[12] (I Wipe My Ass With Confederate Flags, Libtard Anthem), der seinen düsteren Sound noch unkomfortabler macht. Durch sein facettenreiches Rollenspiel als Bösewicht, Satiriker, Hood-Beschützer oder Nihilist gestaltet er sein Werk absichtlich schwer fassbar und versucht, Gelegenheitshörer abzuschrecken.[2] Das deutsche Juice bezeichnete ihn als „politische Stimme, feixenden Troll und genialen Experimentalmusiker zugleich“. Sein Albumcover zu Darksin Manson, das sein nacktes Hinterteil in eine Konföderiertenflagge gehüllt zeigt, sei das ultimative „Fuck You“ an patriotische Symbolpolitik.[5]

RezeptionBearbeiten

Seit seiner Zeit in Baltimore sorgt JPEGMAFIA mit seinen provokanten Texten für Kontroversen. Geprägt von seiner Jugend in Alabama[3] rappt er gegen Rednecks, Alt-Right und die Kräfte des Imperialismus.[12] Nicht selten greift er prominente Ziele wie Ben Carson (Black Ben Carson) oder Morrissey (I Cannot Fucking Wait Until Morrissey Dies) direkt an. Auf dem Track Real Nega verwendet er den Begriff „crackers“ für Weiße, was ihm Vorwürfe des umgekehrten Rassismus einbrachte.[5] Besonders umstritten sind jene Lieder, in denen er Polizeigewalt gegen afroamerikanische Mitbürger anprangert. In #trussmidaddi reagiert er auf das Attentat auf Polizisten in Dallas am 7. Juli 2016 mit den Zeilen „shout out to my nigga Micah Johnson down in Texas / he fucked them cops good / I can’t wait for the next hit“. Er bedient sich dazu bewusst jener Sprache, die zuvor in privaten Polizisten-Emails und rassistischen Tweets der Traditionalist Worker Party aufgetaucht war. Weitere Titel ähnlichen Sentiments lauten I Just Killed a Cop Now I’m Horny oder Cops Are the Target. Während er in einem Interview die US-Waffenkultur als Ganzes und deren Unterstützer wie die NRA und Donald Trump kritisierte, forderte er, dass Schwarze sich öfter auf den 2. Zusatzartikel zur Verfassung berufen sollten. Aufgrund dieser und ähnlicher Ansichten, die er in seinen Songtexten transportiert, wird JPEGMAFIA von vielen Medien als Teil einer Gegenkultur (Contrarian) gesehen.[13]

Chris Kelly von der Washington Post attestierte dem Künstler dennoch ein verbindendes Talent:

“For all the violence in his lyrics, music and performance, there is catharsis and even affection. JPEGMAFIA is a uniter, not a divider, bringing together millennials and Gen Zers, no matter race, gender or sexuality.”

„Bei aller Gewalt in seinen Texten, Musik und Auftritt, ist da Katharsis und sogar Zuneigung. JPEGMAFIA ist ein Vereiner, kein Teiler, der Millennials und Gen Z unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Sexualität zusammenbringt.“

Chris Kelly[14]

DiskografieBearbeiten

Studioalben

  • 2016: Black Ben Carson
  • 2018: Veteran
  • 2019: All My Heroes Are Cornballs

Mixtapes und EPs

  • 2009: Dreamcast Summer Songs (als Devon Hendryx)
  • 2010: JoeChillWorld (als Devon Hendryx)
  • 2011: Generation Y (als Devon Hendryx)
  • 2012: The Rockwood Escape Plan (als Devon Hendryx)
  • 2013: The Ghost~Pop Tape (als Devon Hendryx)
  • 2015: Communist Slow Jams
  • 2015: Darkskin Manson EP
  • 2016: The 2nd Amendment (mit Freaky)

Singles

  • 2016: Free Teanna (feat. Dyyo Faccina)
  • 2017: Man Purse
  • 2018: Does This Ski Mask Make Me Look Fat? (feat. Heno.)
  • 2018: Millennium Freestyle
  • 2018: Puff Daddy (feat. Kenny Beats)
  • 2019: The Who (feat. Eyas)

Gastbeiträge

  • 2018: Vengeance (Denzel Curry feat. JPEGMAFIA & ZillaKami)
  • 2019: Hate You (Health feat. JPEGMAFIA)
  • 2019: How to Build a Relationship (Flume feat. JPEGMAFIA)

WeblinksBearbeiten

  Commons: JPEGMAFIA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Open Space: JPEGMAFIA – Mass Appeal. Mass Appeal/YouTube, 16. März 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  2. a b c Introducing JPEGMAFIA, Listen to New Track with Kenny Beats “Puff Daddy”. The Partae, 8. November 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  3. a b c d e Lawrence Burney: JPEGMAFIA: On Channeling Anger, Making Music In Japan & Racial Tension. True Laurels, 6. November 2015, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  4. Tom Breihan: JPEGMAFIA Makes Murky Lo-Fi Rap Into Something Exciting. Stereogum, 11. Februar 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  5. a b c d Mathis Raabe: JPEGMAFIA: „Ich glaube, dass die meisten Menschen von Natur aus schlecht sind“. Juice, 30. November 2018, abgerufen am 14. April 2019.
  6. Dreamcast Summer Songs. Devon Hendryx/Bandcamp, 26. August 2009, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  7. a b Who Is JPEGMAFIA? – Pigeons and Planes. Pigeons & Planes/YouTube, 29. März 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  8. a b c Tom Breihan: JPEGMAFIA Makes Murky Lo-Fi Rap Into Something Exciting. Stereogum, 11. Februar 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  9. a b c d Benj Salkind: “I Can Rap About Politics and Make it a Jiggy Song”: An Interview with JPEGMAFIA. Passion of the Weiss, 7. März 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  10. Alphonse Pierre: 10 Emo Rap Artists To Know. Hot New Hip Hop, 24. Juni 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  11. Wesley Case: Onetime Baltimore rapper JPEGMAFIA uses music to make a statement — and take on Trump. Los Angeles Times, 6. September 2017, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  12. a b Jordan Darville: JPEGMAFIA rules, and here’s proof. The Fader, 22. Februar 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  13. Blake Gillespie: Radical Contrarian Rapper JPEGMafia On Gun Ownership, Trump And Flipping Rhetoric On Its Head. Paper, 3. August 2016, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).
  14. Chris Kelly: JPEGMAFIA screams out love (and provocation) to fans at Songbyrd. The Washington Post, 16. September 2018, abgerufen am 13. April 2019 (englisch).