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Isolierkanne

verschließbares Gefäß, das Getränke oder Suppen warm oder kalt hält
Prinzipbild einer Isolierkanne
Vorstellung der Isolierkannen der VEB Thermos auf der Leipziger Herbstmesse 1953

Eine Isolierkanne, auch Thermoskanne oder Thermosflasche ist ein verschließbares Gefäß, das die Wärmeübertragung zwischen Inhalt und Umgebung minimiert. Sie eignet sich zur Aufbewahrung und Transport von heißen oder kalten Flüssigkeiten und unter der Bezeichnung Kryobehälter auch für tiefgekühlte Gase (z. B. fluider Stickstoff) oder biologischem Material.

Ein Transportbehälter für größere Mengen an Speisen (mit dann oft rechteckigem Querschnitt) wird auch als Thermophore (von altgriechisch: θερμός thermós = warm, heiß und φορός phorós = tragend) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

AufbauBearbeiten

Isolierkannen sind eine Anwendung der Dewargefäße. Im äußeren Gehäuse, das keinen Beitrag zur Wärmedämmung leistet, befindet sich in der klassischen Ausführung ein doppelwandiges Glasgefäß, dessen Zwischenraum evakuiert ist um die Wärmeleitung zu unterbinden. Eine zusätzliche Beschichtung oder Verspiegelung der dem Nutzinhalt zugewandten Seite der Doppelwand vermindert durch Reflexion den Wärmeverlust über Wärmestrahlung. Durch diese Konstruktion wird der Wärmeausgleich zwischen Innen und Außen durch Wärmeleitung, Wärmestrahlung und Konvektion verringert.

Die obere Abdichtung bildete ursprünglich ein großer Korken, zwischenzeitlich wird meist ein Kunststoffverschluss eingesetzt. Weiterhin wird heutzutage statt des Glasgefäßes häufig ein doppelwandiges Gefäß aus rostfreiem Stahl („Edelstahl“) verwendet. Zwischen der inneren und äußeren Wandung besteht ebenfalls ein Vakuum zur Isolierung. Dieses Prinzip hat etwas schlechtere Wärmedämmeigenschaften, ist aber im Alltag sehr viel unempfindlicher gegenüber Erschütterungen und spitzen Gegenständen (zum Beispiel beim Spülen). Das Edelstahlgefäß wird entweder mit einer Edelstahl- oder einer Kunststoffhülle zu einer Isolierkanne kombiniert.

Das Funktionsprinzip wird auch bei Vakuumkollektoren zur Energiegewinnung in thermischen Solaranlagen genutzt.

GeschichteBearbeiten

 
Gustav Robert Paalen, Double Walled Vessel (zweiwandiges Gefäß), 1. Patent am 27. Juni 1908, veröffentlicht am 13. Juli 1909

Das Vakuumgefäß wurde vom Chemiker James Dewar bereits 1874 in kalorimetrischen Versuchen benutzt.[1] Diese heute als Dewargefäß bezeichneten Behältnisse waren aus Metall hergestellt.[2] Erst später wurden sie aus ineinanderliegenden Glaskolben gefertigt. Zur Reduktion der Wärmestrahlung verspiegelte Dewar die Innenflächen der Glasgefäße.[3] Entsprechende Lager- und Transportgefäße stellte er 1893 vor.

 
Das von Weinhold 1881 beschriebene Vakuumgefäß

Unabhängig von Dewar entdeckte der Chemnitzer Professor Adolf Ferdinand Weinhold ebenfalls dieses Prinzip und nutzte es 1881 in seiner Veröffentlichung einer Apparatur zur Quecksilberverfestigung.[4]

Reinhold Burger forschte in Deutschland an einer Nutzung des Prinzips. Am 1. Oktober 1903 wurde sein Patent unter DRP-Nr. 170057 registriert[5] und er produzierte für den Eismaschinenfabrikanten Carl von Linde Behälter für verflüssigte Luft. Er sorgte für eine beständige Silberbeschichtung und ein schützendes Metallgehäuse. 1907 lernte er den Wiener Erfinder und Unternehmer Gustav Robert Paalen kennen, der sich engagierte, um den Prototyp marktreif zu machen. 1909 verkaufte Burger sein Reichspatent an die zu diesem Zweck gegründete Thermos AG, die alleine Gustav Paalen gehörte.[6] Die Serienproduktion von Isolierkannen durch die Thermos AG geschah ab 1920 im Thüringer Langewiesen. Parallel dazu hatte Burger die Rechte am amerikanischen Patent ebenfalls 1909 an die Thermos Bottle Co. übertragen, die ihre Produktion in Norwich (Connecticut) aufbaute.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thomas O’Connor Sloane: Liquid Air and Liquefaction of Gases. Henley, New York 1900, S. 232.
  2. Für Demonstrationszwecke aufgeschnittenes Replikat eines Dewar-Vakuumgefäßes im Science Museum, London.
  3. Henry E. Armstrong: Obituary notices: Sir James Dewar, 1842–1923. In: Journal of the Chemical Society. 1928, S. 1067, doi:10.1039/JR9280001056.
  4. Adolf Ferdinand Weinhold: Physikalische Demonstrationen. Anleitung zum Experimentieren im Unterricht an Gymnasien, Realschulen und Gewerbschulen. Quandt & Händel, Leipzig 1881, S. 479, Abb. 362 (PDF-Datei auf Wikimedia Commons).
  5. Patent DE170057: Gefäß mit doppelten, einen luftleeren Hohlraum einschließenden Wandungen. Angemeldet am 1. Oktober 1903, veröffentlicht am 25. April 1906, Anmelder: Reinhold Burger.
  6. Sendung Kalenderblatt im Deutschlandfunk am 12. Januar 2016

WeblinksBearbeiten

  Commons: Isolierkannen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Isolierkanne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen