Investmentzertifikat

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Das Investmentzertifikat (auch Fondsanteil, Fondsanteilschein, Investmentanteil, Investmentanteilschein, Investmentfondsanteil oder Investmentfondsanteilschein) ist ein Wertpapier, das als Anteilschein seinem Inhaber einen Miteigentumsanteil am Sondervermögen eines Investmentfonds verbrieft.

AllgemeinesBearbeiten

Investmentzertifikate sind neben Aktien, Anleihen und Sparbüchern die bedeutendsten verbrieften Finanzinstrumente bei der Geldanlage. Während bei Aktien der Aktionär direkte Mitwirkungsrechte besitzt und ein Unternehmerrisiko trägt, nimmt der Anleger bei Anleihen eine Gläubiger­funktion beim Anleiheschuldner ein und übernimmt ein Kreditrisiko. Investmentzertifikate sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zwar wie Aktien ein Miteigentumsrecht verkörpern, das jedoch nicht an einem Unternehmen, sondern an einem – nach Anlage- und Risikoklassen gestreuten – Sondervermögen besteht. Das Sondervermögen wird von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft gebildet und von dieser treuhänderisch verwaltet (§ 17 Abs. 1 KAGB).

RechtsfragenBearbeiten

Das Zertifikat ist nach § 2 Abs. 33 WpHG ein Wertpapier, das auf dem Kapitalmarkt handelbar ist und das im Falle der durch den Emittenten vorgenommenen Rückzahlung beim Emittenten Vorrang vor Aktien hat, aber nicht besicherten Anleihen und anderen vergleichbaren Finanzinstrumenten nachgeordnet ist. Im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) werden Investmentzertifikate schlicht „Anteile“ genannt. Die Anteile an Sondervermögen werden gemäß § 95 Abs. 1 KAGB in Anteilscheinen verbrieft. Das Miteigentumsrecht ist nach Bruchteilen am Sondervermögen aufgeteilt. Sondervermögen sind gemäß § 1 Abs. 10 KAGB offene inländische Investmentvermögen in Vertragsform, die von einer Kapitalanlagegesellschaft für Rechnung der Anleger verwaltet werden. Das Sondervermögen ist gesetzlich besonders geschützt, so dass das Emittentenrisiko im Wesentlichen eliminiert ist. Da die Sondervermögen das Resultat einer gesetzlich vorgeschriebenen Risikodiversifizierung verschiedener Anlageklassen darstellen (vgl. § 214 KAGB, § 243 KAGB), ist die Volatilität der Zertifikatspreise geringer als bei den einzelnen, im Sondervermögen befindlichen Basiswerten.

Die Anteilscheine können nach § 95 Abs. 1 KAGB auf den Inhaber (dann gehören sie zu den Inhaberpapieren) oder auf Namen (dann sind sie Orderpapiere) lauten. Inhaberpapiere werden durch dingliche Einigung und Übergabe übertragen, Orderpapiere bedürfen eines Indossaments. Lauten sie auf den Inhaber, sind sie in einer Sammelurkunde zu verbriefen und der Anspruch auf Einzelverbriefung ist auszuschließen; lauten sie auf den Namen, so gelten für sie die §§ 67 AktG und § 68 AktG entsprechend. Sammelverwahrung ist für Inhaberzertifikate zwingend, für die Sammelverwahrung von Namenszertifikaten ist ein Blankoindossament erforderlich (§ 97 Abs. 1 KAGB). Die Investmentzertifikate können nach § 96 Abs. 1 KAGB nach verschiedenen Ausgestaltungsmerkmalen, insbesondere hinsichtlich der Ertragsverwendung, des Ausgabeaufschlags, des Rücknahmeabschlags, der Währung des Anteilswertes, der Verwaltungsvergütung, der Mindestanlagesumme oder einer Kombination dieser Merkmale unterteilt werden (Anteilklassen). Ist ein Anteilschein abhanden gekommen oder vernichtet, so kann die Urkunde, wenn nicht das Gegenteil darin bestimmt ist, im Aufgebotsverfahren für kraftlos erklärt werden (§ 97 Abs. 2 KAGB).

Jeder Anleger kann mindestens zweimal im Monat verlangen, dass ihm gegen Rückgabe des Anteils sein Anteil an dem Sondervermögen aus diesem ausgezahlt wird (§ 98 Abs. 1 KAGB), es sei denn, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine Aussetzung der Rückgabe unter Berücksichtigung der Interessen der Anleger erforderlich erscheinen lassen (§ 98 Abs. 2 KAGB).

PreisermittlungBearbeiten

Die Preise der Investmentzertifikate sind keine Börsenkurse, sie bilden sich nicht aus Angebot und Nachfrage, vielmehr werden sie von der Kapitalverwaltungsgesellschaft börsentäglich ermittelt und veröffentlicht.[1] Investmentzertifikate werden nicht an der Börse gehandelt. Deshalb gibt drei transaktionsabhängige Preise, nämlich Ausgabepreis, Anteilspreis und Rücknahmepreis. Der Ausgabepreis errechnet sich wie folgt:

 
   + Zuschlag für Ausgabekosten (Agio)
   = Ausgabepreis

Der Ausgabepreis muss dem Nettoinventarwert des Anteils oder der Aktie am inländischen Investmentfonds zuzüglich eines in den Anlagebedingungen festzusetzenden Aufschlags gemäß § 165 Abs. 2 Nr. 8 KAGB entsprechen (§ 71 Abs. 2 KAGB). Der Ausgabepreis errechnet sich aus dem Nettoinventarwert des Sondervermögens, dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Der Preis für die Rücknahme von Anteilen oder Aktien (Rücknahmepreis) muss dem Nettoinventarwert des Anteils oder der Aktie am inländischen Investmentfonds abzüglich eines in den Anlagebedingungen festzusetzenden Abschlags gemäß § 165 Abs. 2 Nr. 8 KAGB entsprechen.

SteuerrechtBearbeiten

Gemäß § 4 Abs. 4 BewG sind Anteile, die Rechte an einem Investmentvermögen im Sinne des KAGB verbriefen, für die steuerliche Wertermittlung mit dem Rücknahmepreis anzusetzen.

Das Investmentzertifikat ist gemäß § 2 Abs. 4 InvStG der Anteil an einem Investmentfonds, unabhängig von der rechtlichen Ausgestaltung des Anteils oder des Investmentfonds. Mit „rechtlicher Ausgestaltung“ des Anteils ist die Form als Inhaber- oder Orderpapier, mit der Ausgestaltung des Investmentfonds ist dessen zulässige Rechtsform als Aktiengesellschaft oder Kommanditgesellschaft gemeint.

StatistikBearbeiten

Die drei wichtigsten Effektenarten verzeichneten folgende Absatzzahlen:[2]

Wertpapierart Absatz
Januar–März 2018
in Mrd. Euro
Absatz
Januar–März 2019
in Mrd. Euro
Inhaberschuldverschreibungen 44,6 77,0
Aktien 26,7 3,3
Investmentzertifikate 43,0 33,7

Trotz des Niedrigzinsniveaus dominieren weiterhin die Schuldverschreibungen, gefolgt von den Investmentzertifikaten.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gert Krettek, Das Wertpapiergeschäft in der Abschlussprüfung des Bankkaufmanns, 1979, S. 40
  2. Deutsche Bundesbank, Netto-Absatz und Erwerb von Wertpapieren in Deutschland, 13. Mai 2019, Anlage
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