Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt

Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt (IMBA) ist ein Dokumentations- und Profilvergleichsverfahren zum Vergleich von Anforderungen eines Arbeitsplatzes mit den Fähigkeiten eines leistungsgewandelten, behinderten oder von Behinderung bedrohten Menschen. Das Verfahren wurde von einem interdisziplinären Team von Medizinern, Psychologen und Arbeitswissenschaftlern entwickelt. IMBA findet Anwendung in zahlreichen Settings, in denen es um fähigkeitsgerechten Arbeitseinsatz geht. Hierzu zählen neben der medizinischen und beruflichen Rehabilitation insbesondere auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) bzw. das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM).

Das Verfahren IMBABearbeiten

Mit IMBA lassen sich arbeitsplatzbezogene Anforderungen und arbeitsrelevante menschliche Fähigkeiten durch einen standardisierten Merkmalkatalog beschreiben und direkt miteinander vergleichen. Hierbei ermöglichen die ggf. im Rahmen des Profilvergleiches identifizierten Überforderungen eine Ableitung gezielter Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation. IMBA kann branchenübergreifend sowie unabhängig von Diagnosen und Qualifikationen einer Person eingesetzt werden.

Das Verfahren umfasst folgende Merkmalskomplexe

  1. Körperhaltung (6 Hauptmerkmale, z. B. Stehen, Knien, Hocken)
  2. Körperfortbewegung (3 Hauptmerkmale, z. B. Gehen/Steigen, Klettern)
  3. Körperteilbewegung (5 Hauptmerkmale, z. B. Rumpfbewegungen, Armbewegungen)
  4. Information (10 Hauptmerkmale, z. B. Sehen, Hören, Tasten/Fühlen)
  5. Komplexe Merkmale (6 Hauptmerkmale, z. B. Heben, Tragen, Schieben)
  6. Umgebungseinflüsse (7 Hauptmerkmale, z. B. Hitze, Kälte, Schall/Lärm)
  7. Arbeitssicherheit (2 Hauptmerkmale, Unfallgefährdung, Tragen von Arbeitsschutzmitteln)
  8. Arbeitsorganisation (7 Hauptmerkmale, z. B. Arbeitszeit, Nachtschicht, isolierter Arbeitsplatz)
  9. Schlüsselqualifikationen (24 Hauptmerkmale, z. B. Antrieb, Auffassung, Kontaktfähigkeit, Konzentration, Teamarbeit)

Die ProfilerstellungBearbeiten

Zur Beurteilung der Anforderungen eines Arbeitsplatzes (Anforderungsprofil) bzw. der Fähigkeiten eines Menschen (Fähigkeitsprofil) werden unterschiedliche Informationen hinzugezogen.

Die Erstellung von Anforderungsprofilen kann beispielsweise auf folgenden Informationsquellen basieren:

  • Arbeitsplatzbeschreibungen,
  • Beobachtungen und Messungen am Arbeitsplatz sowie
  • Befragungen von Arbeitnehmern, Vorgesetzten und Kollegen.

Zur Erstellung von Fähigkeitsprofilen hinzugezogen werden oftmals

  • Informationen aus der ärztlichen Untersuchung,
  • Selbstauskünfte des Arbeitnehmers (z. B. PACT),
  • FCE-Verfahren (z. B. ELA) sowie
  • Arbeitsproben und psychologische Tests.

Geschichte von IMBABearbeiten

  • 1986 wurde IMBA im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung geförderten Projekts von einem interdisziplinären Team entwickelt. Das Team bestand aus der Ertomis-Stiftung, der Universität Essen sowie der Universität GH Siegen.
  • 1997 erschien das erste Handbuch zu IMBA und die erste Software IMBA 97
  • 2001 erfolgte die zweite softwaretechnische Umsetzung von IMBA – IMBA-Software 2000
  • 2003 wurde die Software überarbeitet und erschien als IMBA-Software 2003
  • 2007 erfolgte eine grundlegende Überarbeitung der Software, weswegen die Software unter dem Namen MARIE (Matching Abilities and Requirements to Increase Evidence) fortgeführt wurde.

LiteraturBearbeiten

  • A. Glatz, H.-M. Schian: IMBA -- Integration für Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt. In: Diagnostische Verfahren in der Rehabilitation. (= Diagnostik für Klinik und Praxis). Hogrefe, Göttingen 2007.
  • M. Kersting, H. Kaiser: Anforderungen – Fähigkeiten – Profilvergleiche / IMBA als Instrument zur passgenauen Vermittlung von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt. In: DRV (Hrsg.): 13. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium vom 8. bis 10. März 2004 in Düsseldorf. (= DRV-Schriften. Bd. 52). 2004, S. 213.
  • A. Gagel, H.-M. Schian: Die Dominanz der Rehabilitation bei Bearbeitung und Begutachtung in Rentenverfahren – Zugleich ein Ansatz zur besseren Bewältigung der Anforderungen des § 43 SGB VI. In: Die Sozialgerichtsbarkeit. 49. Jahrgang, Heft 10, 2002, S. 529–536.
  • M. Kersting, H. Kaiser: IMBA als Baustein der Qualitätssicherung in der beruflichen Rehabilitation. In: VDR (Hrsg.): Rehabilitation im Gesundheitssystem. Tagungsband zum 12. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 10. bis 12. März 2003 in Bad Kreuznach. (= DRV-Schriften. Bd. 40). Frankfurt am Main 2002, S. 293–296. (PDF)
  • H.-M. Schian, H. Kaiser: Profilvergleichssysteme und leistungsdiagnostische, EDV-gestützte Technologie – Ihr Einsatz zur Verbesserung der Beantwortung sozialmedizinischer Fragestellungen und Begutachtungen sowie der Planung von Rehabilitationsmaßnahmen. In: Die Rehabilitation. Heft 39, 2000, S. 56–64. (PDF)
  • J. Greve, K. A. Jochheim, H.-M. Schian, H. Kaiser: Erhebungsverfahren zur beruflichen Integration behinderter Menschen – vom ERTOMIS-Verfahren zum IMBA-Informationssystem. In: Die Rehabilitation. Heft 36, 1997, S. 34–38.
  • Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.): IMBA – Integration von Menschen mit Behinderungen in die Arbeitswelt. Essen/ Siegen 1996.

WeblinksBearbeiten