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Die Iljuschin Il-4 (russisch Ильюшин Ил-4, NATO-Codename: „Bob“) war ein sowjetisches Bombenflugzeug im Zweiten Weltkrieg. Sie entstand in direkter Folge zu ihrem Vorgängermodell DB-3, war aber in einigen Punkten verbessert worden.

Iljuschin Il-4
Iljushin DB-3F (SA-kuva 148731).jpg
Erbeutete finnische Il-4
Typ: Mittlerer Bomber
Entwurfsland:

Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion

Hersteller:

Iljuschin

Erstflug: Mitte 1939
Indienststellung: 1940
Produktionszeit:

1940 bis 1944

Stückzahl: 5256

Inhaltsverzeichnis

EntwicklungBearbeiten

Die Il-4 war als Flugzeug in Ganzmetall-Halbschalenbauweise projektiert worden, jedoch mussten im Verlauf der Fertigung einzelne Baugruppen (Außenflügel, Rumpfbug und -heck) aufgrund der kriegsbedingten Metallknappheit durch Holzpressschalen ersetzt werde, was sich negativ auf die Flugleistungen auswirkte. Gegenüber ihrem direkten Vorgängermodell, der DB-3, war das auffälligste Merkmal der Maschine ihr verglaster und spitz zulaufender Rumpfbug, der nun mit einem Waffenstand, ausgerüstet mit einem 7,62-mm-SchKAS-MG, versehen war. Die trapezförmigen Tragflächen waren durch keilförmige ersetzt worden. Ergebnis war die DB-3F (DB = „Dalnij Bombardirowschtschik“, Langstreckenbomber, F steht für forsirowanni, beschleunigt). Ein weiteres MG war im Rumpfturm untergebracht, ein drittes feuerte durch eine Klappe im Rumpfboden nach unten. Durch Verwendung von leistungsstärkeren Tumanski-Motoren vom Typ M-88B stieg die Startmasse geringfügig.

Ab 1941 erschien die als Torpedobomber projektierte Il-4T. Sie war in der Lage, bis zu zwei 940-kg-Torpedos der Typen 45-36-AN für niedrige Abwurfhöhe oder 45-36-AW mit Fallschirm für höhere Abwurfhöhe zu befördern.[1] Einsatzgebiete waren die Ostsee, das Schwarze Meer, die Barentssee sowie die sowjetische Pazifikküste. Weitere Aufgaben waren die Fernaufklärung sowie das Legen von Seeminen.

Mitte 1939 flog die vorläufig DB-3F betitelte Maschine erstmals und Anfang des folgenden Jahres begann die Serienproduktion. Bis 1944 wurden 5256 Maschinen der DB-3F/Il-4 gebaut.

EinsatzBearbeiten

 
Il-4 im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Moskau

Die Il-4 nahm an allen größeren Schlachten an der deutsch-sowjetischen Front teil, wobei sie neben den Fernangriffen auf Berlin auch zur Luftnahunterstützung der Bodentruppen auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wurde. Sie wurde auch zur Langstreckenaufklärung und als Schulflugzeug eingesetzt. Bekannt wurde der Selbstopferangriff einer Il-4-Besatzung des Piloten Nikolai Gastello in der Anfangsphase dieses Krieges.

Vier von der deutschen Luftwaffe erbeutete Maschinen wurden von Finnland erworben und wiederum gegen die Rote Armee eingesetzt.

Im Jahre 1943 befanden sich etwa 2300 Il-4 im Bestand der sowjetischen Luftstreitkräfte[2], in der Endphase des Zweiten Weltkrieges waren es noch über 1500. 1949 wurde die Il-4 ausgemustert. Die Torpedoversion Il-4T wurde bis 1952 bei den Seefliegerkräften geflogen.[3] Nachfolgemodell war die etwas größere Il-6, von der jedoch nur vier Exemplare existierten.

Technische DatenBearbeiten

 
Il-4 (1942)
Kenngröße Il-4 (1942) Il-4T
Konzeption mittleres Bombenflugzeug Torpedobombenflugzeug
Besatzung 3
Spannweite 21,44 m
Länge 14,76 m
Höhe 4,10 m
Flügelfläche 66,70 m²
Leermasse 5.800 kg 5.930 kg
Startmasse 9.139 kg 10.500 kg
Antrieb zwei luftgekühlte 14-Zylinder-Doppelsternmotoren Tumanski M-88B
Startleistung je 809 kW (1.100 PS)
Höchstgeschwindigkeit 410 km/h in 6.500 m Höhe 445 km/h in 4.000 m Höhe
Steigzeit auf 5.000 m 13 min 10,2 min
Gipfelhöhe 9.400 m 7.000 m
Reichweite 3.800 km 3.300 km
Bewaffnung zwei bewegliche 7,62-mm-MG SchKAS in Bugkanzel und Bodenlafette
ein bewegliches 12,7-mm-MG UBT im Rumpfrücken-Drehturm
Abwurfmunition maximal 2.500 kg Bomben auf Kurzstrecken
(extern und intern mitführbar)
maximal zwei Torpedos à 940 kg

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Iljuschin Il-4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulrich Israel: Küstengestützte Seekampfflugzeuge des zweiten Weltkriegs. In: Fliegerkalender der DDR 1977. (Hrsg.: Wolfgang Sellenthin), Militärverlag der DDR, Berlin, 1976, S. 186/187.
  2. Ulf Gerber: Das große Buch der sowjetischen Luftfahrt 1920–1990. Entwicklung, Produktion und Einsatz der Flugzeuge. Rockstuhl, Bad Langensalza 2019, ISBN 978-3-95966-403-5, S. 448
  3. Rainer Göpfert: Iljuschin Il-4 (DB-3F). In: Fliegerrevue Nr. 03/2015, PPVMedien, Bergkirchen, ISSN 0941-889X, S. 54.