Holter Burg

Burgruine in Niedersachsen, Deutschland

Die Holter Burg ist die älteste Burganlage in der Gemeinde Bissendorf bei Osnabrück in Niedersachsen. Es handelt sich um eine Ruine einer Höhenburg[1]. Sie war neben der Iburg und der Wittekindsburg bei Rulle die dritte Höhenburg im Osnabrücker Land.

Holter Burg
Rekonstruierte Mauern auf den ursprünglichen Fundamenten der Burg

Rekonstruierte Mauern auf den ursprünglichen Fundamenten der Burg

Entstehungszeit: im 10. bis 11. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Mauerreste, Wälle
Ständische Stellung: Niederer Adel
Ort: Bissendorf
Geographische Lage: 52° 12′ 52,6″ N, 8° 11′ 12,3″ OKoordinaten: 52° 12′ 52,6″ N, 8° 11′ 12,3″ O
Höhe: 184 m ü. NN

GeschichteBearbeiten

Die Holter Burg war der Stammsitz der Edelherren von Holte. Deren bedeutendste Vertreter waren Wigbold von Holte als Erzbischof von Köln und Erzkanzler des Reichs, die Essener Fürstäbtissin Beatrix von Holte, die Münsteraner Bischöfe Burchard von Holte, Wilhelm I. von Holte und Ludolf von Holte sowie die Äbtissinnen des Stifts Nottuln Jutta von Holte († 1251) und Jutta von Holte († 1327). Auch die Domherren Wedekind von Holte, Ludwig von Holte und Hermann von Holte gehören in diese Reihe. Zerstört wurde die Burg wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts. Es wurde eine Brandschicht aus der Zeit um 1165 gefunden, man geht aber davon aus, dass die Burganlage wieder erneuert und benutzt wurde.[2] Als Neue Holter Burg wurde Schloss Ledenburg im Bissendorfer Ortsteil Nemden errichtet.

Ende des 15. Jahrhunderts ging die Burg an die Osnabrücker Familie Leden, die auch das Schloss Ledenburg bewohnte, über. Circa zwanzig Jahre später wurde die Burg aufgegeben und zur Gewinnung von Steinen benutzt. Im 17. Jahrhundert wurde hier unter anderem Baumaterial für das Schloss Gesmold abgebaut. Bei Ausgrabungen konnte man zurückgelassenen Schmuck, Haushaltsgeräte und Münzen finden, die den höheren gesellschaftlichen Stand der Bewohner verdeutlichen. Archäologen gehen inzwischen davon aus, dass die Burg nicht gewaltsam zerstört wurde. Auch wenn immer wieder solche Behauptungen aufkommen.[2]

BaubeschreibungBearbeiten

Die zunächst als Turmburg errichtete Anlage befand sich auf einem Plateau mit einem Durchmesser von rund 50 Meter in Spornlage. Sie wurde von einem Abschnittsgraben, der als rund 20 Meter breiter und bis zu 10 Meter tiefen Sohlgraben ausgeprägt ist, geschützt. Eine etwa 2 Meter starke Ringmauer schützte die Burg. Im Osten betrug der Höhenunterschied zwischen der Mauerkrone und der Sohle des Grabens rund 16 Meter. Im Westen gab es wegen des steilen Abhangs keinen Graben. Zur ersten Ausbaustufe der Burg, die in der Zeit um 1100 vermutet wird, gehörten der mächtige Rundturm und die Ringmauer. Später kamen eine Kapelle und ein Palas hinzu.

Heute sind noch Mauerreste zu sehen, sowie der Grundriss eines Rundturms. Auch die tiefen Burggräben sind auszumachen, die wahrscheinlich aus der Zeit um 1200 n. Chr. stammen. Innerhalb des doppelten Grabensystems hatte die Anlage eine Fläche von etwa 5.000 Quadratmetern. 1997 und 2006 kam es zu archäologischen Ausgrabungen und Sicherungen, um die Burgruine zu erhalten und sie touristisch attraktiv zu machen.

LiteraturBearbeiten

  • Bodo Zehm, Jan-Eggerik Delbanco, Andreas Lechtape: Holte und die Holter Burg. Große Kunstführer / Schlösser und Burgen Band 266. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2381-0
  • Hans-Günter Peters: Archäologische Denkmäler und Funde im Landkreis Osnabrück, Verlag August Lax, Hildesheim 1973
  • Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern – Das Osnabrücker Land III, Bd. 44, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0313-0
  • Edgar F. Warnecke: Das große Buch der Burgen und Schlösser im Land von Hase und Ems. 2. erw. Auflage, Verlag Wenner, Osnabrück 1985, ISBN 3-87898-297-6
  • Wolfgang Schlüter: Burgen und Befestigungen. Schriften zur Archäologie des Osnabrücker Landes, Band II. Bramsche 2000, ISBN 3-934005-97-7
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Ruine der Burg Holte, S. 105–107, in: Wenn Steine reden könnten, Band III, Landbuch-Verlag, Hannover 1995, ISBN 3-7842-0515-1.
  • Wolfgang Schlüter: Die Burg Holte in Holte-Sünsbeck, Gemeinde Bissendorf, Ldkr. Osnabrück In: Mamoun Fansa, Frank Both, Henning Haßmann (Hrsg.): Archäologie|Land|Niedersachsen. 400.000 Jahre Geschichte. Landesmuseum für Natur und Mensch, Oldenburg 2004, S. 574–577.
  • Jan-Eggerik Delbanco: Erwacht aus dem Dornröschenschlaf in: Archäologie in Niedersachsen, S. 71–75, 2013
  • Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Hrsg.): Archäologie und Forstwirtschaft im Einklang. Denkmalschutz und Präsentation von Burgen in Waldgebieten. (Online, pdf)
  • Fritz-Gerd Mittelstädt, Karsten Mosebach: Holter Burg. In: Schlösser und Burgen im Osnabrücker Land. S. 90–91.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land III, Bd. 44, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, S. 122ff
  2. a b Fritz-Gerd Mittelstädt, Karsten Mosebach: Holter Burg. In: Schlösser und Burgen im Osnabrücker Land. S. 90–91.