Hochwasserwarnung

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Unter Hochwasserwarnung oder Flutwarnung versteht man die Warnung vor einem zu erwartenden Hochwasser – an Küsten wie Binnengewässern – und dessen Auswirkung durch Ausuferung und Überflutung. Sie gehören zu einem der Aufgabenbereiche im Hochwassermanagement als Teilgebiet im Katastrophenschutz. Hochwasserwarnungen sind von großem öffentlichen Interesse und wichtig im Risikomanagement von Naturgefahren. Von Hochwasseralarm spricht man dann speziell beim Ergreifen von Schutz- und Abwehrmaßnahmen.

HochwasserwarndiensteBearbeiten

Unter Hochwasserwarndienst (Hochwassermeldedienst, Hochwassernachrichtendienst) versteht man spezielle amtlich-behördliche oder private Dienstleister, die Hochwasserwarnungen für einen gewissen Bereich herausgeben.

Die Warndienste betreiben oder nutzen ein Pegelnetz, und ermitteln anhand von Wetterprognosen, den Hochwasserwarnungen im Einzugsgebiet und der Kenntnis um das Gewässersystem die Hochwassergefahr, und verfassen notwendige Warnmeldungen.

Meist ist der Hochwasserwarndienst eine Betätigung der hydrographischen Dienste, mancherorts gibt es spezielle Hochwasserwarndienste (so in den deutschen Ländern oder in Frankreich), andernorts werden alle Umweltwarnungen zentralisiert zusammengefasst (Behörde für Katastrophenmanagement, so in den österreichischen Bundes- und Landes­warnzentralen,[1] sonst an einer allgemeinen Umweltbehörde). Die Hochwasserwarnungen werden auch durchwegs über Wetterdienste verlautbart (diese sind als Hydrometeorologischer Dienst oft verbunden), zunehmend auch international vernetzt (etwa mit dem europäischen Verbund meteoalarm oder PegelAlarm): An Meeresküsten ist wegen der Sturmflutproblematik die Verbindung mit Sturmwarnungen vonnöten, im Binnenland ist eine Hochwasserwarnung von Niederschlagsprognosen abhängig, im Hochgebirge auch von Temperaturanstiegen und Schneeschmelze. Hochwasserwarndienste stehen oft auch in Verbindung mit einer Schifffahrtsbehörde (so der Bundesebene in Deutschland oder an der Donau in Österreich). Die Hochwasserwarnungen werden auch über Schifffahrtsinformationssysteme verbreitet, auch das zunehmend international vernetzt (etwa KHR-GIS am Rhein). Einen Sonderfall bilden die Tsunamiwarnsysteme, sie stellen neben der hydrographischen Problematik eine Verbindung mit geophysikalischen Diensten und deren Erdbebenwarnungen oder Warnungen bei Vulkanausbrüchen her.

HochwasserwarnstufenBearbeiten

Allgemeine WarnstufenBearbeiten

Historisch gewachsen sind verbale Beschreibungen, etwa „Kleines Hochwasser“, „Mittleres Hochwasser“, „Großes Hochwasser“. Diese sind an phänomenologische Auswirkungen, wie Ausuferung, Überströmen von Sperrwerken oder Ausmaß der Überflutungen ausgerichtet.

Die Warnstufen sind heute durchwegs an die Jährlichkeit eines Hochwasserereignisses gekoppelt, also beispielsweise ein (rechnerisches) Jahrhunderthochwasser, als Abflussmenge (kurz: HQ100)[2] oder Pegelstand. Bemessungsgrundlage ist meist ein geschichtlicher Referenzwert, was also nicht ausschließt, dass sich als hundertjährlich klassierte Ereignisse häufen. Deswegen verwendet man das Mittlere Hochwasser (MHQ) nicht für Warnstufen, es wird über eine gewisse Datenreihe gemittelt, die meist zu kurz ist, um seltene Extremereignisse erfasst zu haben.

Zum Sprachgebrauch für Zentraleuropa kann man sagen, dass ein „kleines“ Hochwasser etwa alle 2 bis 5 Jahre, ein „mittleres“ Hochwasser alle 10 Jahre, ein „großes“ Hochwasser in etwa alle 30 Jahre und ein „sehr großes“ Hochwasser alle 100 Jahre auftritt.

Übersicht über die Warnstufen der deutschsprachigen Länder
[2] Deutschland(DE) Österreich(AT)
Warnstufen(AT)
Schweiz(CH)
>MQ Erhöhtes Mittelwasser (Erhöhte Wasserführung)
sehr häufig
1: Keine oder geringe Gefahr
>HQ1   1 Kleines Hochwasser
häufig
>HQ2 Kleines Hochwasser
Warnstufe 1 (Meldebeginn)
2: Mässige Gefahr
>HQ5 Mittleres Hochwasser
selten-häufig
>HQ10 Mittleres Hochwasser
Warnstufe 2 (Kontrolldienst)
2 Großes Hochwasser
selten
3: Erhebliche Gefahr
>HQ20 Großes Hochwasser
Warnstufe 3 (Wachdienst)
>HQ30 3 Sehr großes Hochwasser
sehr selten
4: Grosse Gefahr
>HQ50 Sehr großes Hochwasser
Warnstufe 4 (Hochwasserabwehr)
>HQ100 Extremes Hochwasser
extrem selten
5: Sehr grosse Gefahr
RHHQ
 
Klassierung der Abflüsse beim Hochwasser Juni 2009 (österreichisches System, hier in anderen Farben als Tabelle oberhalb: rot > HQ100)
  • (DE) Vierstufiges System des deutschen länderübergreifenden Portals hochwasserzentralen.de; entspricht den (Hochwasser- resp. Sturmflut-) Meldestufen oder Alarmstufen der Länder (Hamburg: nur 2 Stufen; Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen: nur 3 Stufen);[3] siehe Hochwasserwarnstufen in Deutschland
  • (AT) In Österreich 3-teilige Skala Hochwasserwarnstufen (Abflusskategorien) des hydrographischen Dienstes des Bundes eHYD:[4] das 6-stufige System, das für Klein- und Gebirgsbäche wichtig ist, ist besonders im Burgenland,[5] in Kärnten,[6] Tirol[7] und Vorarlberg[8] üblich.
    Das System wird nach unten fortgesetzt:[6] <MQ:  Nieder- bis Mittelwasser / sehr häufig, <MJNQ (mittleres jährliches Niederwasser): Extremes Niederwasser / selten; das Burgenland verwendet wegen der landesübergreifenden Arbeit der Österreichisch-Ungarischen Gewässerkommission Warnmarke 2 am Mittelwert aus MQ und HQ1 insbesondere für den Neusiedlersee, Warnmarke 1 bei Q95% (<Q95%).[5]
    Daten sind aktuell allgemein auf die Periode 1981–2010 hydrographisches Jahr (30-jähriges Mittel) bezogen.
  • (CH) Schweizer Gefahrenstufen-System des Bundesamt für Umwelt (BAFU); die Schwellenwerte werden in Absprache zwischen Bund und Kantonen punktuell angepasst.[9]

Lokale WarnstufenBearbeiten

 
Pegel Hamburg-St.Pauli: Rechts oben die örtlichen Sturmflut-Stufen in Bezug zum Pegelwert

Warnstufen an einer gewissen Stelle beruhen meist auf längjährigen Erfahrungen, und werden typischerweise an einem Pegel gemessen. Hier weiß man, welcher Wasserstand welches Schadenspotential hat. Ohne genaueres Wissen um den Pegel selbst, also Pegelnull, Normalwasserstand und Verlauf des Anstieges (Ganglinie) und das Abflussregime vor Ort sind reine Wasserstandsangaben wie „6,32 m Pegel XXX“ wertlos. Für den örtlichen Katastrophenschutz sind die Wasserhöhe und ihr Anstieg (meist in cm/h) aber zentrales Alarmsignal.

Spezielle Warnstufen sind beispielsweise:

  • in der Schweiz verwendet das BAFU ein Gefahrenstufen-System für die Seen in der Form:[9]
    Sommerkote (SK, maximales Jahresmittel) zu Hochwassergrenze (HWG, ein örtlicher Erfahrungswert) in den Grenzen SK+13 (Gefahrenschwelle 1), SK+23 (Gefahrenschwelle 2), HWG (Gefahrenschwelle 3) und HWG+25 cm (Gefahrenschwelle 4)

Siehe auch: Meteoalarm, europäischer Warnverbund der nationalen und regionalen Warnstufen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Warnung im Katastrophenfall: Hochwasserwarnung, help.gv.at
  2. a b «H» steht in dieser hydrographischen Notation für ‚hoch, high‘, «Q» allgemein für den Abfluss (‚quantity‘), die Ziffer bezeichnet die Jährlichkeit; auch als HQ100 geschrieben; entsprechend etwa «M» für ‚mittlerer, mean‘.
  3. Hinweise zum Internetangebot, Länderübergreifendes Hochwasserportal hochwasserzentralen.de, abgerufen 3. Aug. 2014.
  4. Aktuelle Pegeldaten österreichischer Gewässer, Informationsblatt zum Dienst eHYD: Pegel Aktuell, Lebensministerium, Abschnitt Die Abflusskategorien: Hochwasser, S. 2 f (pdf, ehyd.gv.at, abgerufen 3. Aug. 2014).
  5. a b Die Pegelstationen an den Flüssen, Wasserportal Burgenland, abgerufen 3. Aug. 2014;
    Q95% bezeichnet den Niedrigwasserwert, der zu 95 % der Zeit erreicht oder überschritten wird, also an etwa 18 Tagen unterschritten (was der meteoalarm-Skala entspricht).
  6. a b Aktuelle Abflusssituation an Kärntens Flüssen: Legende, Hydrographischer Dienst - Kärnten;
  7. Hydro online: Wasserstand'→ Erläuterungen: Information zu den Wasserstandsmarken in der Klassifizierung und den Ganglinienabbildungen, Hydrographischer Dienst Tirol, tirol.gv.at
  8. Abflussmessstationen in Vorarlberg: Legende, Land Vorarlberg; jeweils abgerufen 3. Aug. 2014.
  9. a b Die 5 Gefahrenstufen für Hochwasser, Bundesamt für Umwelt, abgerufen 3. Aug. 2014.