Hkakabo Razi

Berg in Myanmar

Der Hkakabo Razi (birmanisch: ခါကာဘိုရာဇီ) ist der höchste (oder zweithöchste[1]) Berg Südostasiens und liegt nahe der Grenze des myanmarischen Kachin-Staats zu China. Er hat eine vermutete Höhe von 5881 Metern. Der Versuch eines amerikanischen Teams 2014 die genaue Höhe mit differentiellem GPS exakt zu ermitteln wurde, nachdem einige Teammitglieder schon auf 5743 m auf dem zum Gipfel führenden Westgrat vorgedrungen waren, abgebrochen.[2] Nach deren Schätzungen wurde die letzte Messung noch mindestens 170–240 m unterhalb des Gipfels gemacht.[3] Hieraus konnte jedoch nicht geklärt werden ob der etwas weiter entfernte Gamlang Razi, dessen jüngste Vermessung im Rahmen seiner Erstbesteigung vom 7. September 2013 eine Höhe von 5.870 Metern (+/- 2 m) ergab[4] oder der Hkakabo Razi der höchste Gipfel Südostasiens und Burmas ist. Der Hkakakbo Razi ist dessen ungeachtet der schwierigste Gipfel des Landes sowie nach Angaben des bis dato einzigen Bergsteigers, Takashi Ozaki, der auf dem Gipfel stand, "einer der schwierigsten und gefährlichsten Berge der Welt". Der Hkakabo Razi ist der eindrücklichste Karling im oberen Einzugsgebiet des Irrawaddy. Er ist namengebend für den Hkakabo Razi Nationalpark. In der völligen Unberührtheit seiner tropischen Regenwälder wurden hier 441 Vogelarten ermittelt.[5] Bis 1993 war die Region für Ausländer gesperrt. Seit 1997 folgen die ersten Besuche von Ausländern. Bei drei Expeditionen im Jahr 2014 (Burmanesisch, Japanisch, Amerikanisch) konnte keine den Gipfel erreichen. Alle Teilnehmer der burmanesischen Expedition blieben verschollen.[6] Hkakabo Razi ist ein Symbol Birmas, ein Zweifel am Status als höchster Berg des Landes wird von Einheimischen als Bloßstellung des Nationalstolzes empfunden.[7]

Hkakabo Razi
Satellitenbild der Region, links mittig liegt der Hkakabo Razi auf dem breitenparallelen Grat östlich des großen Eisefelds

Satellitenbild der Region, links mittig liegt der Hkakabo Razi auf dem breitenparallelen Grat östlich des großen Eisefelds

Höhe 5881 m
Lage Kachin-Staat (Nord-Myanmar); Tibet (China)
Gebirge Ost-Himalaya
Koordinaten 28° 18′ 23″ N, 97° 28′ 6″ OKoordinaten: 28° 18′ 23″ N, 97° 28′ 6″ O
Hkakabo Razi (Myanmar)
Hkakabo Razi
Erstbesteigung 1996 durch Takashi Ozeki und Nyama Gyaltsen
Besonderheiten höchster Berg in SO-Asien

Lage und ReliefBearbeiten

Der Hkakabo Razi liegt im Nordburmesischen oberen Einzugsgebiet des Irrawaddy.[8] Im chinesisch Dandalika Shan genannten Grenzgebiet zwischen China und Burma bildet dieses auf 200 km die Irrawaddy-Quellregion; zwei Gipfel erreichen hier über 5800 m Höhe, der Hkakabo Razi und der Gamlang Razi. Entdeckt wurde der Hkakabo Razi 1923 von einem Indischen Forscher, die Region durch die Publikation den Botanikers Frank Kingdon-Ward 1937 der Weltöffentlichkeit bekannt gemacht. Kingdon-Ward entdeckte auch den Zugang zur Region im Andung Wang (Wang bezeichnet im chinesischen ein Tal).

Das Massiv des Hkakabo Razi ist durch viele kleine Gletscher geprägt. Sie gehören zum Typ der Lawinenkessel-Gletscher, deren Zungen in Gletscherbrüchen in den kurzen Hängetälern in die Haupttäler hinabsteigen. Westlich des Hkakabo Razi existiert jedoch auch ein großes Eisfeld. Der Gipfel wird aus Granit aufgebaut. Über die Geologie der unteren Partien ist zurzeit nichts bekannt.

Der markante eisbedeckte Karling des Hkakabo Razi liegt etwa in der Mitte auf einem West-Ost streichenden sehr steilen Hochgebirgs-Grat, an dem am Hkakabo Razi ein kurzer Seitengrat nach Süden mit 5500 m hohen Gipfeln abzweigt. Im Norden und Süden ist der Hkakabo Razi-Grat durch tiefe und schwer gangbare gletscherfreie Kerbsohlen-Täler zertalt. Frühere niedrigere Glazialstände werden durch deutlich hervortretende Endmoränen markiert. Eine glaziale Skulpturierung der Gipfelpyramide des Hkakabo Razi und die Tatsache, dass der eigentliche Gipfel-Grat durch steile Granitnadeln, -spindeln und -säulen verbaut wird, erlauben keinen direkten Zugang auf die Eispyramide des Hkakabo Razi. Dies hat zwei Gipfel-Expeditionen im Herbst 2014 (Burmanesisch-Amerikanisch durch National Geographic gesponsert sowie eine japanische durch NHK gesponsert) zum Scheitern gebracht. Am 31. August 2015 verschwanden beim nachfolgenden weiteren Versuch der Gipfelbesteigung zwei burmanesische Bergsteiger. Damit wurde der Hkakabo Razi bis heute (Juli 2016) erst ein einziges Mal bestiegen.

NaturschutzBearbeiten

Am 30. Dezember 1996 erklärte man die 3812 km² große Region zum Naturpark, seit dem 10. November 1998 liegt der Gipfel inmitten des Hkakabo-Razi-Nationalparks. Diese Gegend ist für ihre außergewöhnliche Tier- und Pflanzenvielfalt berühmt, viele der hier vorkommenden Arten sind noch kaum untersucht.

Der Berg ist bis zu einer Höhe von ca. 2700 Metern großteils von Regenwäldern bedeckt, in den darüberliegenden Höhenstufen finden sich Laubwälder, ab 3400 Metern Nadelwälder. Die alpine Stufe beginnt bei 4500 Metern. Darüber dominieren ganzjährig Schnee und Gletscher.

AlpinismusBearbeiten

Die Erstbesteigung des Hkakabo Razi erfolgte am 15. September 1996 durch den Japaner Takashi Ozaki und den Birmanen Nyama Gyaltsen von der Nordseite und über den Ostgrat aus. Ozaki hatte bereits ein Jahr zuvor versucht, den Gipfel zu erreichen, musste seinen Aufstieg wegen Schlechtwetters jedoch abbrechen und umkehren. Die Amerikanische Expedition unter Leitung von Hillary O'Neill wurde von erfahrenen Höhenbergsteigern Begleitet. Der deutschtürkische Dokumentarfilmer und Extrembergsteiger Renan Öztürk begleitete das Unternehmen, das von National Geographic und Northface gesponsorten war. Dieses Team versuchte ebenfalls über die Nordseite, jedoch diesmal über den Westgrat aufzusteigen. Nachdem diese Team bestehend aus fünf Bergsteigern und einer Managerin des Camps, zwei Höhenlager sowie ein Biwak eingerichtet hatte, wäre für eine erfolgreiche Gipfelbesteigung ein zweites Biwak unter freiem Himmel und ohne Schlafsäcke notwendig geworden. Aufgrund des hohen Risikos eine Nacht ungesichert unterhalb des Gipfel zu verbringen sowie dadurch, dass die im zweiten Höhenlager wartenden Bergsteigerinnen keine Seile mehr hatten, wurde der Versuch den Gipfel zu ersteigen abgebrochen. Nach Aussage der Expeditionsleiterin O'Neill hat sich ihr Eindruck, der Hkakabo Razi sei einer der schwierigsten und gefährlichsten Berge der Welt, erhärtet.[9] Die Extrem- und Höhenbersteigerin Emily Harrington, eine fünfmalige US-Meisterin und Vize-Weltmeisterin im Extremklettern und erste Frau die mehrere 5.14 Schwierigkeitsgrade absolviert hat, sagte zum Aufstieg am Hkakabko Razi: "es war extrem schwierig dorthin zu gelangen und extrem furchteinflößend". Die Schwierigkeitsgrad des Gipfels bezeichnete sie als über ihren Fähigkeiten liegend.[10] Sie entschied noch im zweiten Höhenlager nicht weiter aufzusteigen.

Bis 1993 war es Ausländern nicht erlaubt, das Gebiet zu betreten, was auch für die späte Erstbesteigung verantwortlich war.

Der Weg von Putao, der nächsten größeren Stadt, zum Basislager auf über 3000 Metern Seehöhe ist lang (Dauer etwa vier Wochen) und beschwerlich, da er durch Regenwälder führt und viele nicht überbrückte Ströme zu überqueren sind. Bedingt durch den Monsun sind die bestgeeigneten Monate für Expeditionen auf den Hkakabo Razi der April, Mai, September, Oktober und November.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://neverstopexploring.com/expeditions/myanmar/#dispatch-7235
  2. Hkakabo Razi climb Myanmar
  3. Hillaree O'Neill 2015: Hkakabo Razi, West Ridge Attempt. Alpine America 2015 [1]
  4. http://blog.junipersys.com/gamlang-razi-elevation/#comment-108
  5. Avifauna of the Southeastern Himalayan Mountains and neighboring Myanmar hill country. Bonn zoological bulletin, January 2015, Supplementum 62: 1–75 (Researchgate:PDF)
  6. ibid Hillary O'Neill 2015
  7. Weekend Warm-up: Down to Nothing
  8. Tamotso (Tom) Nakamura 2015: Veiled Mountains in North Myanmar - Hkakabo Razi und Gamlang Razi on Rohit-Irrawady Diviide. Japanese Alpine News, Nr. 16, 2015, 46–55, Herausgegeben vom Japanese Alpine Club [2]
  9. ibid. Hillary O'Neill 2015
  10. Total Failure: The Mountain That Got Away