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Hexbachtal am Reiterhof Lugge 1978

Das Hexbachtal ist ein Seitental der Emscher. Hier entspringt der Hexbach, Oberlauf des Läppkes Mühlenbach. Im südlichen Teil verläuft hier die Grenze zwischen Essen-Bedingrade und Mülheim-Dümpten, weiter nördlich zwischen Oberhausen und Essen-Frintrop.

Inhaltsverzeichnis

Lage und GrößeBearbeiten

Das Hexbachtal ist von der Wasserscheide zwischen Ruhr und Emscher (Aktienstraße) bis zur Emschermündung etwa fünf Kilometer lang. Seine Freifläche von rund 2,5 Quadratkilometern wird heute als Naherholungsgebiet im Mülheimer und Essener Norden genutzt. Es ist Teil des so genannten Regionalen Grünzugs B. Das Tal wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der Bachbereich in etwa 100 Meter Breite ist bewaldet. Der Hexbach wird im nördlichen Teil, wo er das eigentliche Tal mit den Freiflächen verlässt, verrohrt unter der Bahnlinie dem Rhein-Herne-Kanal der Emscher zugeleitet. Ein Teil wurde von der Emschergenossenschaft als Pilotprojekt renaturiert.

Ökologische BedeutungBearbeiten

Die ökologische Bedeutung des Hexbachtals war schon Gegenstand in den zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossenen Eingemeindungsverträgen, in denen der Schutz der Siepentäler, zu denen das Hexbachtal gehört, festgeschrieben wurde. [1]

Auch der 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) hatte zum Ziel, das Zusammenwachsen der einzelnen Städte und eine Zersiedlung zu verhindern. Unverzichtbare Grün- und Ackerflächen sollten erhalten bleiben. Darum wurden schutzwürdige Freiflächen wie das Hexbachtal und das benachbarte Winkhauser Tal als Regionale Grünzüge festgelegt, deren Nord-Süd-Verlauf bis heute zwischen den Städten im Ballungsraum des Ruhrgebietes erhalten ist. Ab 1923 sicherte er auch den im Gebietsentwicklungsplan 1966 rechtlich verankerten Regionalen Grünzug B, indem er Grundstücke aufkaufte und diese von Bebauungen jeder Art frei hielt.

Gleichzeitig suchte er nach Möglichkeiten einer naturnahen Landschaftspflege. Dazu gab er fachwissenschaftliche Expertisen in Auftrag. Für das Hexbachtal stellte der Forstwissenschaftler Wolfram Pflug im Jahr 1973 ein landschaftsökologisches Modellgutachten vor.[2] Dieses Gutachten wurde 1978 um die „Ökologische Modelluntersuchung Hexbachtal“ ergänzt.[3] Diese Einschätzungen des Hexbachtals als schützenswerte Landschaft und Natur blieben auch in den folgenden Jahrzehnten eine für die Planungsgeschichte des Hexbachtals unbestrittene Erkenntnis. Der Essener Teil des Hexbachtals ist heute als Landschaftsschutz-, der Mülheimer Teil auf einer vier Hektar großen Fläche sogar als Naturschutzgebiet planerisch dargestellt, insbesondere

  • zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes vor allem im Hinblick auf die Bedeutung des Bachtales als Biotopverbundelement von regionaler Bedeutung
  • zur Erhaltung und Entwicklung schutzwürdiger Biotope und wegen der Bedeutung des Gebietes als Lebensraum für in NRW gefährdete oder bedrohte Tier- und Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften
  • zur Erhaltung des vielfältig strukturierten Landschaftsraumes (Bachtal, Gehölzstrukturen, Feuchtwiesen, Gewässer, Quellen) wegen seiner Bedeutung für das Landschaftsbild sowie wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaftsstrukturen
  • zur Erhaltung des Bachtales als landschaftsprägende, geomorphologische Besonderheit.[4]

GeschichteBearbeiten

 
Einst geplanter Verlauf der Autobahn A 31 (zunächst unter der Bezeichnung A 113)

Der Name „Läppkes Mühlenbach“ ist auf eine Mühle zurückzuführen, die das Damenstift Essen im 16. Jahrhundert betrieben hatte. Als sichtbare Begrenzung wurden anlässlich eines Rechtsstreites im Wind wehende Läppchen (Läppkes) angebracht. Der Name Hexbach wird von Hexel, einer früheren Bezeichnung für Hainbuche abgeleitet.

Trotz seiner ökologischen Bedeutung wurde das Hexbachtal im Jahr 1966 für die Planung der Bundesautobahn  31 EmdenBonn in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Der rheinische Abschnitt ab Bottrop war in die höchste Dringlichkeitsstufe eingeordnet worden. Im Oktober 1973 sollte hier mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden. Am letzten Tag der Offenlegung wurden jedoch von einer Mülheimer Bürgerinitiative, die sich zu diesem Zweck gebildet hatte, im Rahmen der Bedenken und Anregungen mehrere Hundert Unterschriften eingereicht, zunächst mit dem Ziel, die Trasse aus der ökologisch empfindlichen Talsohle in den Hang nach Westen zu verlagern. Da auch der Ruhrsiedlungsverband ähnlich argumentiert hatte, wurde der Baubeginn verschoben. Die spätere Zielrichtung der Bürgerinitiativen, die sich dann längs der Trasse gebildet und zur Aktionsgemeinschaft A 31 zusammengeschlossen hatten, war jedoch, den Bau insgesamt zu verhindern.

Zwar trug das Engagement der Aktionsgemeinschaft A 31 in den amtlichen Planungsverfahren und bei der öffentlichen Willensbildung Früchte, jedoch blieb der politische Druck für den Bau der Fernstraße weiterhin bestehen, zumal im Ruhrgebiet in früher Planungsphase kommunale, parteiübergreifende Grundsatzentscheidungen für die Autobahn gefallen waren. Auf deren Gültigkeit beriefen sich die Befürworter. Da der Bund den Bau gegen den Willen des vom Autobahnprojekt betroffenen und politisch einflussreichen mittleren Ruhrgebiets nicht durchsetzen wollte, kam es aus Sicht der Umweltschützer darauf an, in Bottrop, Oberhausen, Mülheim und Essen auch auf der politischen Ebene eine ablehnende Haltung gegenüber der Autobahnplanung zu erreichen. Zu Hilfe kamen den Umweltschützern erste Ergebnisse der von ihrem wissenschaftlichen Beirat geforderten Gutachten, die für das Planungsverfahren zur A 31 der Bundesminister für Verkehr, der Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Landschaftsverband Rheinland vergeben hatten. Die vorzeitig bekannt gewordenen Ergebnisse der Umweltstudie als Teil des Gesamtgutachtens erhöhten den Druck auf die politischen Parteien, deren Basisorganisationen nun ebenfalls die Aufgabe der A 31-Planung verlangten. Auf diese Weise kam es in den Anrainerstädten des Ruhrgebiets zu einem politischen Umdenken, das in den Ratsgremien zu Beschlüssen gegen die A 31 führte. Sie wurde schließlich 1980 aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen.[5]

Bereits während der A 31- Planung war die Natur des Hexbachtals 1978 auch von dem Bau einer Justizvollzugsanstalt bedroht, für die 20 Hektar Land hätten geopfert werden müssen. Es folgten weitere die Natur beeinträchtigende große Planungsvorhaben: RWE-Umspannwerk (1987), 18-Loch-Golfanlage (1989), Paketverteilungszentrum (1991), Flüchtlingsheim für 600 Personen (1992), umfangreiche Kanalbauarbeiten im Zentrum des Auenwaldes (2000). Der für den Umweltschutz sensibilisierten Öffentlichkeit gelang es, für diese Projekte Alternativen aufzuzeigen, so dass Landschaft und Natur verschont blieben. [6]

Im Dezember 2015 wurde vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen die Planung aus  dem Jahr 1992 wieder aufgenommen. Das Flüchtlingsheim sollte nach dem Willen des Essener Planungsdezernats in „einfachen, aber festen Unterkünften“ entstehen, die später die Grundlage für eine „geordnete Wohnbebauung“ bilden sollten.[7] Der von einer Bürgerinitiative sachlich vorgetragene öffentliche Widerstand sowie eine fehlerhafte numerische Prognoseberechnung der Stadt Essen  führten zu einem vorläufigen Aus des Vorhabens.[8]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Läppkes Mühlenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eingemeindungs-Verträge zwischen der Stadt Essen und den Gemeinden Borbeck, Altenessen, Bredeney, Haarzopf mit Nebenverträgen, Essen 1915, S. 21
  2. Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 6. März 1973
  3. Herbert Ant et al., Ökologische Modelluntersuchung Hexbachtal. Herausgegeben vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, Essen 1978
  4. http://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de 5.10.2016
  5. Wolfgang Sykorra: Von den „Talmulden“ zum Regionalen Grünzug B, in: Essener Beiträge. Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 128 (2015), S. 261-296
  6. Wolfgang Sykorra:  Immer wieder: Das Märchen von der Alternativlosigkeit. Das Hexbachtal im Spiegel seiner Zielkonflikte, in: Borbecker Nachrichten vom 12. August 2016
  7. Neue Ruhr Zeitung Essen vom 8. Dezember 2015
  8. Neue Ruhr Zeitung Essen vom 10. September 2016