Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Hephaistos

Gott des Feuers und der Schmiede in der griechischen Mythologie
Hephaistos übergibt Thetis die Waffen für Achilleus (rotfiguriger Kylix, Attika, 490-480 v. Chr; Altes Museum, Berlin)

Hephaistos (griechisch Ἥφαιστος Hḗphaistos, lateinisch Hephaestus, eingedeutscht Hephäst) ist in der griechischen Mythologie der Gott des Feuers und der damaligen Metallkünstler – der Schmiede – (heute Kunstschmiede). Hephaistos entspricht dem späteren römischen Vulcanus. Er gehört zu den zwölf olympischen Gottheiten.

Hephaistos war für das gesamte künstlerische Spektrum der Metallverarbeitung „zuständig“, einschließlich der Herstellung von Geschmeide, Waffen, sakral-rituellen und profanen Gebrauchsgegenständen. Der ihm geweihte Tempel des Hephaistos im Zentrum Athens gehört zu den besterhaltenen griechischen Tempeln.

Inhaltsverzeichnis

MythosBearbeiten

 
Darstellung des Hephaistos, neo-attisches Relief, Vatikanische Museen
 
Thetis in der Schmiede des Hephaistos (Fresko aus Pompeji, Archäologisches Nationalmuseum Neapel)

Der Sohn des Zeus[1] und der Hera[2] (oder von Hera in Parthenogenese erzeugt[3]) wurde, da er klein, hässlich und schreiend auf die Welt kam oder bereits lahm war, von seiner Mutter vom Olymp geschleudert[4] und fiel bei der Insel Lemnos in den Okeanos – von manchen antiken Quellen wird die Lahmheit erst durch den Sturz erklärt. Dort wurde er von den Meernymphen Thetis und Eurynome gerettet, gesundgepflegt und aufgezogen. Bei ihnen lernte er die Schmiedekunst und fertigte ihnen Schmuck.[5] Sein Kult war wegen der Vulkantätigkeit dieser Insel von Lemnos ausgegangen, die Römer lokalisierten seine Werkstätte unter dem Ätna.[6]

Erwachsen, schickte er seiner Mutter einen goldenen Thron. Als sich Hera darauf setzte, wurde sie gefesselt und niemand konnte sie befreien[7]. Erst nach inständigen Bitten der anderen Götter kehrte Hephaistos auf den Olymp zurück und befreite Hera.

Nach einer anderen Darstellung soll Hephaistos bei einem Streit von Zeus und Hera die Mutter unterstützt haben, worauf ihn der Vater am Fuß packte und vom Olymp herabwarf. Ein thrakischer Volksstamm, die Sintoi, der nach Lemnos ausgewandert war (dort fiel Hephaistos ins Meer), pflegte ihn gesund,[8] aber ein Hinken blieb.

Zur Versöhnung beschloss Zeus, ihm Aphrodite zur Frau zu geben. Doch Aphrodite betrog ihn unter anderem mit Ares. Hephaistos erfuhr davon und fertigte ein kunstvolles, unzerstörbares Netz, das er am ehelichen Bette befestigte. Als sich – so berichtet es Homer[9] – Aphrodite und Ares in dem Bett vergnügten, wurden sie in diesem Netz gefangen, und Hephaistos rief die anderen Götter herbei, die bei dem Anblick in ein schallendes Gelächter ausbrachen, das sprichwörtliche „Homerische Gelächter“. Daraufhin trennten sich Hephaistos und Aphrodite.

Die Werkstätten des Hephaistos befanden sich unter dem Vulkanon auf Lemnos, wo die Zyklopen seine Schmiedegesellen waren. Weitere Gehilfen waren Bia (= Kraft) und Kratos (= Stärke).

Als Geburtshelfer erwies er sich, als Athene dem Kopf des Zeus entsprang („Hephaistosschlag“). Als Dank soll ihm Zeus Athene als Braut zugedacht haben. Athene verschwand jedoch, als Hephaistos sich mit ihr vereinigen wollte, und der Samen fiel auf die Erde. So wurde Erichthonios, (aus eris – Streit und chthon – Erde) der legendäre Held der Athener, von Gaia geboren. Auch die Aglaia, eine der drei Chariten (Töchter des Zeus und der Eurynome) soll der „ruhmreiche Hinkfuß“ Hephaistos geschwängert haben. Hesiod verschweigt allerdings den Namen des Kindes[10].

Als sein Kind gilt der Bildhauer Ardalos[11], zudem der keulenschwingende Räuber Periphetes, den Theseus erschlug.[12]

Werke des HephaistosBearbeiten

In seiner unterirdischen Schmiede fertigt Hephaistos seine berühmtesten Werke, die Attribute der Götter und Waffen von Helden:

Schmiedegötter in anderen KulturenBearbeiten

Hephaistos ist der einzige Handarbeiter unter den olympischen Gottheiten. Das könnte auf eine religiöse Bedeutung der Schmiedekunst weisen. Der Topos vom „Schmiedegott“ kommt auch in der finnischen Mythologie vor (Ilmarinen), und ein „lahmer Schmied“ erscheint in der germanischen Sage (Wieland der Schmied). Dies hat zu der Vermutung geführt, es handle sich hier um ein europäisches Wandermotiv. Die Brüder Grimm fanden eine Ähnlichkeit zum nordischen Loki. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Verwandtschaft zu kleinasiatischen und syrischen Schmiedegöttern, wie Pygmalion, Kinyras und Kothar.

Siehe den Hauptartikel: Schmied in der Kultur.

KunstBearbeiten

Der schmiedende Hephaistos wird in der bildenden Kunst auch nach der Antike noch oft dargestellt, beispielsweise von Tintoretto, Bassano, Rubens, Tiepolo, Velázquez und van Dyck.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hephaestus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Homer, Ilias 1, 578
  2. Homer, Ilias 1, 572
  3. Hesiod, Theogonie 927-928
  4. Homer, Ilias 18, 394-397
  5. Homer, Ilias 18, 397-405
  6. Vergil, Äneis 8, 440
  7. Vgl. Hyginus, Fabulae 166
  8. Homer, Ilias 1, 590-594
  9. Homer, Odyssee 8, 266-366
  10. Hesiod, Theogonie 64; 945-946
  11. Pausanias 2, 31, 3
  12. Pausanias 2,1,4; Bibliotheke des Apollodor 3,16,1; Ovid, Metamorphosen 7, 437.
  13. Homer, Ilias 18, 417-420
  14. Homer, Ilias 1, 607-608
  15. Hyginus, Fabulae 166
  16. Homer, Ilias 2, 100-107
  17. Bibliotheke des Apollodor 3, 4, 2
  18. Bibliotheke des Apollodor 1, 9, 23
  19. Hesiod, Werke und Tage 47-105
  20. Hyginus, Fabulae 140
  21. Homer, Odyssee 8, 272-275; Ovid, Metamorphosen 4,173-179
  22. Aischylos, Prometheus 3-6
  23. Homer, Ilias 18, 478-482
  24. Bibliotheke des Apollodor 1, 9, 26