Hasenrat

deutsche Organisation

Der Hasenrat (benannt nach Heinrich Has) war eine seit dem 16. Jahrhundert politisch wirksame Versammlung in den süddeutschen Reichsstädten des Heiligen Römischen Reiches.

Das politische Übergewicht der Habsburger als Territorialherren (Vorderösterreich) und Inhaber des deutschen Königtums und Kaisertums im Südwestdeutschland der Reformationszeit hatte auch Konsequenzen für die im schwäbischen Raum so reichlich vertretenen Reichsstädte.

Kaiser Karl V. (1519–1556) machte die in den Städten zumeist bestehenden Zunftverfassungen für die Ausbreitung der Reformation verantwortlich. Im Gefolge des Augsburger Interims (1548) zerschlug er daher die bestehenden Ratsverfassungen in Ulm und Augsburg und ersetzte diese durch ihm genehme oligarchisch-patrizische Räte, die sich aus den städtischen und katholisch gebliebenen Oberschichten rekrutierten. Der kaiserliche Rat Dr. Heinrich Has (oder auch Haas) führte daraufhin 1551/1552 in zwanzig weiteren Reichsstädten diese Art der Ratsverfassung ein.

Danach bestimmte nun der Kleine Rat als Geheimer Rat das politische Geschehen in der jeweiligen Reichsstadt. Dem Kleinen Rat gehörten auf Lebenszeit bestellte Oligarchen und Patrizier an, bei diesen Räten war die politische Macht konzentriert. Der Große Rat, dem auch die Zünfte angehörten, geriet ins Abseits, die Zünfte wurden mitunter aufgelöst. Nach Heinrich Has nannte man den politisch wirksamen Rat auch Hasenrat.

Die „Hasenräte“ sollten in den meisten Reichsstädten das Geschehen während der nächsten Jahrhunderte bestimmen. Lediglich in Ulm, Reutlingen, Überlingen und Pfullendorf ging man mit kaiserlicher Genehmigung in den 1570er Jahren zu den alten Ratsverfassungen über bzw. vergrößerte den Rat wieder.

LiteraturBearbeiten

  • Meinrad Schaab, Hansmartin Schwarzmaier, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg herausgegeben. Band 1: Allgemeine Geschichte. Teilband 2: Vom Spätmittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91948-1, S. 151.
  • Eberhard Naujoks (Hrsg.), Kaiser Karl V. und die Zunftverfassung. Ausgewählte Aktenstücke zu den Verfassungsänderungen in den oberdeutschen Reichsstädten (1547–1556) (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe A: Quellen. Bd. 36). Kohlhammer, Stuttgart 1985, ISBN 3-17-008562-X.