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Harbiner Internationales Eis- und Schneefest

Eisskulpturen von 2010

Das Harbiner Internationales Eis- und Schneefest (chinesisch 哈尔滨国际冰雪节, Pinyin Hā'ěrbīn Guójì Bīngxuě Jié) ist ein jährliches Winterfestival in der chinesischen Metropole Harbin. Mit seinen umfangreichen Eisskulpturen ist es das größte Eis- und Schneefestival der Welt.[1]

Offiziell startet das Festival am 5. Januar und dauert einen Monat, jedoch beginnt die Ausstellung oft früher und dauert, sofern die Außentemperaturen und der Wind es zulassen, bis Ende Februar. Die Eisskulpturen sind über die ganze Stadt verteilt, wobei es zwei zentrale Ausstellungsflächen gibt:[2]

  • „Sun Island“ ist ein Erholungsgebiet auf der Stadt abgewandten Seite des Songhua-Flusses, auf dem Schneeskulpturen installiert sind.
  • „Ice and Snow World“ ist ein auch nachts geöffnetes Gelände, auf dem große Eisgebäude errichtet sind, die bei Dunkelheit illuminiert werden. Die bis zu einem Meter dicken Eisblöcke werden direkt dem Songhua-Fluss entnommen.

Während des Festivals finden in vielen Parks Eislaternenumzüge statt. Weitere Winteraktivitäten sind Ski Alpin im Wintersportzentrum Yabuli, Winterbaden im Songhua-Fluss und eine Eislaternenaustellung im Zhaolin-Garten. Harbin befindet sich in der Mandschurei und unterliegt im Winter dem Einfluss von trockenkalten Winden aus Sibirien. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen bei 21,2 °C im Sommer und bei −16,8 °C im Winter,[2] Tiefstwerte von −35 °C sind dabei nicht unüblich.

GeschichteBearbeiten

Das Festival hat seinen Ursprung in Harbins traditionellen Laternenshows und Gartenparties, die seit 1963 im Winter stattfinden. Während der Kulturrevolution wurden die Feierlichkeiten für viele Jahre ausgesetzt und erst am 5. Januar 1985 wieder aufgenommen, als im Zhaolin Park eine jährlich stattfindende Veranstaltung realisiert wurde.

2001 wurde das Eisfest mit dem internationalen Skifestival von Heilongjiang vereint und neu benannt: „Harbin International Ice and Snow Sculpture Festival“.

2007 gab es zu Ehren des kanadischen Arzt Norman Bethune (1890–1939) einige Schneeskulpturen mit Bezug zu dessen Mutterland, die aufgrund ihrer Länge von 250 Meter und 28 Meter Höhe im Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wurden. Die Skulptur bestand aus 13.000 Kubikmeter Schnee und hatte zwei Themen: die „Niagarafälle“ und die „Überquerung der Beringstraße“, die die Migration der First Nations schildert.

Vom 20. Dezember 2013 bis Februar 2014 feierte das Festival sein 30-jähriges Bestehen unter dem Motto „50-Year Ice Snow, Charming Harbin“.[3]

KonstruktionBearbeiten

 
Eisskulptur einer Sphinx vom Festival 2010.

Um das Eis in Blöcke zu zerschneiden werden Schwingsägen auf der gefrorenen Oberfläche des Songhua-Flusses eingesetzt.[4] Anschließend bearbeiten Bildhauer die Eisblöcke mit Meißeln, Eispickeln und verschiedenen Sägen, um die großformatigen Eisskulpuren in Form zu bringen,[5] wobei viele aufwändig ausgestaltet sind[4] und die Schneidarbeiten im Mehrschichtbetrieb bis zum Eröffnungstag erfolgen. Zusätzlich zum Flusseis wird destilliertes Wasser verwendet, um glasklares (transparentes) statt dem ansonsten eher milchigem (transluzentem) Eis herzustellen.[6] Nachts werden die Eisskulpturen von innen mit LED-Leuchtmitteln mehrfarbig illuminiert.[7]

Mehr als 12.000 Arbeiter erschaffen innerhalb von drei Wochen die künstliche Eiswelt.[8] Die Eisskulpturen umfassen Gebäude und Monumente verschiedener architektonischer Epochen und Stile, Figuren und mythische Kreaturen.[9][10] Paläste, Brücken, Kathedralen und bis zu 50 Meter hohen Türme werden aus einzelnen Eisblöcken oder -ziegeln aufgeschichtet.[8]

Siehe auchBearbeiten

Weitere große Eis- und Schneefestivals sind das „Sapporo Snow Festival“ in Japan, das „Québec City Winter Carnival“ in Kanada und das „Holmenkollen-Skifestival“ in Norwegen.

GalerieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Harbin Ice Festival – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Harbin Ice and Snow Festival, travelchinaguide.com. Abgerufen am 27. Dezember 2014. 
  2. a b Eis-Wunderland: Harbin Ice Festival 2014. In: Detail.de. 10. Januar 2014, abgerufen am 22. Februar 2018.
  3. The 30th Harbin Ice and Snow Festival 2014. Harbin Ice. Abgerufen am 27. Mai 2014.
  4. a b AFP: Ice is money in China's coldest city. In: The Sydney Morning Herald. 13. November 2008, archiviert vom Original am 2. Oktober 2009; abgerufen am 22. Februar 2018 (englisch).
  5. BBC: In pictures: Harbin ice festival. BBC News. 6. Januar 2007. Abgerufen am 26. Dezember 2009.
  6. K. Zeitvogel: Chinese-sculpted winter wonderland in Washington. AFP/Google. 18. Dezember 2009. Abgerufen am 26. Dezember 2009.
  7. J. Strum: Northern Chinese city embraces cold and ice. The State Journal, Frankfort, Kentucky. 22. Dezember 2009. Abgerufen am 26. Dezember 2009.
  8. a b Johanna Stöckl: Wenn ganze Welten aus Schnee und Eis entstehen. In: Die Welt. 6. Januar 2015, abgerufen am 22. Februar 2018.
  9. A. Taylor: Icy days and nights. Boston.com/AP/Getty Images/AFP/Reuters. 9. Januar 2009. Abgerufen am 26. Dezember 2009.
  10. Nicole Mullen, Ching-chih Lin: Chinese Folk Art, Festivals, and Symbolism in Everyday Life (en) Phoebe A. Hearst Museum of Anthropology / University of California, Berkeley. 2005. Archiviert vom Original am 24. August 2009. Abgerufen am 22. Februar 2018.