Hans-Ulrich Deppe

deutscher Medizinsoziologe und Sozialmediziner

Hans-Ulrich Deppe (* 20. März 1939 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Medizinsoziologe und Sozialmediziner. Er war Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie im Fachbereich Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

LebenBearbeiten

Hans-Ulrich Deppe studierte Medizin, Soziologie und politische Wissenschaften in Frankfurt am Main, Berlin, Würzburg und Marburg. 1965 promovierte er in der Medizin über ein biochemisches Thema. Trotz seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung hatte er stets ein kritisches Verhältnis zur Schulmedizin. Er hielt ihr vor, die psychosoziale Dimension kranker Menschen zu vernachlässigen.

Nach seiner Assistentenzeit im Soziologischen Institut der Universität Marburg bei Werner Hofmann wurde er 1972 auf die Professur für Medizinische Soziologie im Fachbereich Medizin der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main berufen. Hier forschte und lehrte er als Direktor des gleichnamigen Instituts bis 2004, dem Jahr seiner Emeritierung. Er gehörte darüber hinaus auch seit seiner Berufung dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an. Er ist der marxistisch orientierten sogenannten Marburger Schule verbunden.[1]

Deppe gründete zahlreiche akademische und wissenschaftspolitische Organisationen oder war maßgeblich daran beteiligt: den Arbeitskreis Kritische Medizin (Marburg), das Institut für Medizinische Soziologie im Universitätsklinikum Frankfurt am Main, die Zeitschrift Demokratisches Gesundheitswesen, die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie, die Liste Demokratischer Ärzte in der Landesärztekammer Hessen, den Verein Demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VDÄÄ) sowie die International Association of Health Policy (IAHP). 1973 war er einer der Hauptträger des legendären medizinkritischen Kongresses „Medizin und gesellschaftlicher Fortschritt“ in Marburg. Deppe war unter anderem Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie und ist bis heute Honorable President der IAHP in Europa.

Sein Bruder ist der Politikwissenschaftler Frank Deppe.[2]

Wissenschaftliche SchwerpunkteBearbeiten

Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die politische Ökonomie des Gesundheitswesens, die Entwicklung des deutschen Gesundheitssystems, der internationale Vergleich von Gesundheitssystemen sowie die Erforschung sozialer Bewegungen im Gesundheitswesen. Daraus hervorgegangen sind 28 Bücher sowie rund 300 Publikationen in wissenschaftlichen und politischen Zeitschriften. 1999 und 2004 wurden ihm Festschriften mit den Titeln „Gesundheit und Demokratie“ und „Markt versus Solidarität“ gewidmet. Darüber hinaus ist Deppe Berater von Parteien und Gewerkschaften in gesundheitspolitischen Fragen.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Industriearbeit und Medizin, Frankfurt a. M. 1973. Fischer Athenäum Verlag.
  • Medizinische Soziologie, Aspekte einer neuen Wissenschaft, Frankfurt a. M. 1978. Fischer Verlag.
  • Krankheit ist ohne Politik nicht heilbar, Frankfurt a. M. 1987. Suhrkamp Verlag.
  • Perspektiven der Gesundheitspolitik, Frankfurt a. M. 1990. VAS Verlag.
  • Zwangssterilisation in Frankfurt a. M. 1933–1945, Frankfurt a. M. 1991. Campus Verlag. (Gemeinsam mit M. Daum)
  • Soziale Verantwortung und Transformation von Gesundheitssystemen, Frankfurt a. M. 1996. VAS Verlag für Akademische Schriften.
  • Zur sozialen Anatomie des Gesundheitssystems, Neoliberalismus und Gesundheitspolitik in Deutschland, Frankfurt a. M. 2000. VAS Verlag für Akademische Schriften. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 2002, 3. aktualisierte Auflage 2005.
  • Medizin und gesellschaftlicher Fortschritt. Initiativkreis Medizin und gesellschaftlicher Fortschritt, Köln 1973. Pahl-Rugenstein-Verlag. (hrsg.)
  • Medizin, Gesellschaft, Geschichte. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Medizinsoziologie, Frankfurt a. M. 1975. Suhrkamp Verlag. (hrsg. mit M. Regus)
  • Vernachlässigte Gesundheit. Zum Verhältnis von Gesundheit, Staat, Gesellschaft in der BRD, Köln 1980. Verlag Kiepenheuer & Witsch. (hrsg.)
  • Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik in Westeuropa, Frankfurt a. M./New York 1983. Campus Verlag. (hrsg.)
  • Medizin und wirtschaftlicher Wettbewerb, Frankfurt a. M. 1998, VAS-Verlag für Akademische Schriften. (hrsg.)
  • Solidarische Gesundheitspolitik, Alternativen zu Privatisierung und Zwei-Klassen-Medizin, Hamburg 2002, VSA-Verlag. (hrsg. mit W. Burkhardt)
  • Health Policy in Europe: Contemporary dilemmas and challenges, Lightning Source UK Ltd, 2007. (hrsg. mit A. Benos und J. Lister)

QuellenBearbeiten

  • Kürschners deutscher Gelehrtenkalender
  • Wer ist wer? : Das deutsche who's who

BelegeBearbeiten

  1. Lothar Peter: Marx an die Uni, S. 102, Fußnote 198.
  2. Lothar Peter: Marx an die Uni. Die „Marburger Schule“ – Geschichte, Probleme, Akteure. PapyRossa, Köln 2014, S. 102, Fußnote 198.

WeblinksBearbeiten