Hannes Obermaier

deutscher Journalist, „Klatsch-Reporter“

Johann Baptist „Hannes“ Obermaier alias Hunter (* 12. Juni 1923 in Mühldorf am Inn; † 15. Dezember 1990 in München) war ein deutscher Boulevard-Journalist. Er gilt als erster und zeitlebens erfolgreichster „Klatsch“-Kolumnist der Bundesrepublik.[1]

 
Grab auf dem Neuen Südfriedhof (München)

Der Eisenbahnersohn Obermaier wuchs in Rosenheim auf. Im Krieg brachte er es als Panzeraufklärer zum Rang eines Oberfähnrich. Nach dem Krieg studierte er acht Semester Jura und betrieb einen Schwarzhandel mit Kreppsohlen und Dekorationsstoffen. Nach einer frei fabulierten Probe-Reportage zum Thema Fünf Minuten auf einer Polizeiwache fand er Aufnahme in Werner Friedmanns Journalistenschule.[2]

Nach kurzer Tätigkeit im Berliner Büro der Süddeutschen Zeitung wurde er Chefreporter bei der Münchener Abendzeitung. Nach einem längeren Amerikaaufenthalt schlug er 1952 in einer Redaktionskonferenz die Idee der Gesellschaftskolumne entsprechend den Vorbildern von Hedda Hopper und Louella Parsons vor. Siegfried Sommer war begeistert, Chefredakteur Rudolf Heizler und Herausgeber Werner Friedmann fanden die Idee auch gut. Der Name der Kolumne, Hunter (dt. „Jäger“) war inspiriert von einer Schachtel amerikanischer Zigaretten gleichen Namens, die Obermaier aus den Staaten mitbrachte und auf dem Tisch herumlag. Im Oktober erschien die erste Kolumne. Nicht viel später hatte Obermaier sein Zweitbüro an der Bar des Hotels Bayerischer Hof, mit Briefkasten und Telefon.

Nach eigener Aussage schrieb er während seiner erfolgreichsten Zeit für bis zu 40 Blätter.[3] In München organisierte er mehrere Bälle im Jahr, so den Faschingsball „Hunters Treibjagd“. 1970 verließ Obermaier die Abendzeitung – Verlegerin Anneliese Friedmann schenkte ihm zum Ausscheiden nur hundert Gramm Feingold – und schrieb fortan für die Bild. Bei der Abendzeitung folgte ihm Michael Graeter nach. Obermaier arbeitete auch für die Bunte. Obermaier hatte ein großes Bedauern: „Die Großindustriellen, die einem 10,000 Mark Honorar fürs 'Nichtschreiben' in die Hand drücken, sind halt so selten.“

Obermaier ist auf dem Neuen Südfriedhof in München begraben (Grab: 216-UA-9).

Literatur

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  • Hannes Obermaier: Hunter’s Treibjagd. 1975, Droemer Knaur (Dezember 1978), ISBN 978-3858860460.
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Einzelnachweise

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  1. Hannes Obermaier, 67. REGISTER – GESTORBEN. In: Der Spiegel. Nr. 52, 24. Dezember 1990, S. 176.
  2. Bayerischer Rundfunk: alpha-retro: Klatschkolumnisten: alpha-retro: Pseudonym Hunter – Ein Klatschkolumnist in der Ballsaison 1966. 11. September 2019, archiviert vom Original am 15. September 2019;.
  3. Statement gegenüber Joachim Fuchsberger bei Heut’ abend, 1982