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Hamme
Lauf von Giehler Bach und Hamme von Langer Heide ins Teufelsmoor bis Mündung in Lesum

Lauf von Giehler Bach und Hamme von Langer Heide ins Teufelsmoor bis Mündung in Lesum

Daten
Gewässerkennzahl DE: 4948
Lage Niedersachsen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Lesum → Weser → Nordsee
Quelle Lange Heide (Giehler Bach)
53° 15′ 5″ N, 8° 45′ 9″ O
Quellhöhe 45 m ü. NN
Mündung Vereinigt sich bei Ritterhude mit der Wümme zur LesumKoordinaten: 53° 10′ 22″ N, 8° 44′ 40″ O
53° 10′ 22″ N, 8° 44′ 40″ O
Mündungshöhe m ü. NN
Höhenunterschied 43 m
Sohlgefälle 0,89 ‰
Länge 48,5 km[1]
Einzugsgebiet 549 km²[2]
Abfluss[3] an der Mündung
AEo: 549 km²
MQ
Mq
4,5 m³/s
8,2 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Schaufleet, Kollbeck, Rummeldeisbeek, Schmoo, Neu Sankt Jürgener Schiffgraben, Umbeck, Wörpedahler Graben, Semkenfahrt, Kirchenfleet, Neugrabenfleet, Deichkampfleet
Rechte Nebenflüsse Butterweidengraben, Beek, Fankstaken, Osterholzer Hafenkanal, Scharmbecker Bach, Ritterhuder Beeke
Kleinstädte Ritterhude
Schiffbar Bis Viehspecken oder zum Hafenkanal Osterholz-Scharmbeck

Die Hamme ist der 48 km lange, rechte bzw. nördliche Quellfluss der Lesum, eines rechten Nebenflusses der Weser in Niedersachsen und Bremen. Das Einzugsgebiet der Hamme liegt unmittelbar nordöstlich der Stadt Bremen im Elbe-Weser-Dreieck.

Die Hamme entwässert das Teufelsmoor zwischen Worpswede und der Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck. Der Hamme-Oste-Kanal bildet flussaufwärts die nordöstliche Fortsetzung der Hamme; der Kanal verbindet den Fluss mit der Oste, auf die Ersterer bei Bremervörde trifft. Bei Ritterhude vereinigt sich flussabwärts die Hamme mit der deutlich wasserreicheren Wümme (im Mittel 15,5 m³/s gegenüber 4,5 m³/s der Hamme) zur Lesum.

Inhaltsverzeichnis

FlusslaufBearbeiten

Der Oberlauf der Hamme trägt den Namen Giehler Bach und entspringt in der Langen Heide nordöstlich von Osterholz-Scharmbeck. Die ausgewiesene „Quelle“ führt das Wasser mehrerer Entwässerungsgräben des heute landwirtschaftlich genutzten, etwa 45 m ü. NN hohen Geestplateaus ab. Diese Endmoräne der Saaleeiszeit ist auch das Quellgebiet anderer Geestrandbäche wie Drepte, Scharmbecker Bach, Schönebecker Aue und Wienbeck.

Zunächst fließt der Giehler Bach nach Nordosten und senkt sich dabei zwischen den Ortschaften Hülseberg und Freißenbüttel innerhalb weniger Kilometer bis auf ein Niveau von etwa 15 Metern ü. NN. Bei Ohlenstedt fließt Wasser aus den Ohlenstedter Quellseen zu, und der Fluss durchquert mit geringem Gefälle die Samtgemeinde Hambergen bis ins Springmoor bei Giehlermühlen (Vollersode) (5 m ü. NN).

Von dort senkt der Fluss sich nur noch minimal bis ins Teufelsmoor und wird dort schließlich im Giehler Moor bei Viehspecken (4 m ü. NN) zur Hamme. Hier fließt auch der zum Hamme-Oste-Kanal erweiterte einstige Bachlauf Kollbeck zu. Mit äußerst geringer Strömung fließt die Hamme von Viehspecken aus nach Süden durch das nach ihr benannte Urstromtal.

Zwischen den ehemaligen Moorkolonien Bornreihe und Hüttenbusch hindurch geht es weiter Richtung Worpswede, wo die drei linken Zuflüsse Rummeldeisbeek, Schmoo und Umbeck münden. Wenige Kilometer flussabwärts strömt von rechts die Beek zu, die den größten Teil des Moorgebietes westlich der Hamme entwässert. Von der Beekmündung aus fließt die Hamme in südwestlicher Richtung an Osterholz-Scharmbeck vorbei Richtung Ritterhude.

Schon im 19. Jahrhundert ist dieser Teil der Hamme begradigt worden, und die zahlreichen Mäander wurden an insgesamt sieben Stellen durchstochen, so dass der Flusslauf auf dieser Strecke von 9 km auf 4,3 km verkürzt wurde. Hinter der im Jahre 1876 gebauten Schleuse in Ritterhude, durch die die Hamme gezeitenfrei gehalten wird, trifft die Hamme unweit der Stadtgrenze von Bremen auf die Wümme und bildet mit ihr den von Brackwasser beeinflussten Tidefluss Lesum, der 10 km unterhalb in die Weser mündet.

Auf einer Länge von 48 Kilometern überwindet der Flusslauf einen Höhenunterschied von rund 45 Metern.

NutzungBearbeiten

 
Hamme-Torfkahn im Wappen des Landkreises Osterholz (verliehen 1936)

Die Hamme dient bis heute zur Entwässerung der Moorgebiete zwischen Worpswede und Osterholz-Scharmbeck. Darüber hinaus wurde sie zum Abtransport von Torf mit Hilfe von Torfkähnen genutzt. Die Ritterhuder Schleuse wurde in ihrem Eröffnungsjahr von 8994 Torfkähnen, 65 Bockschiffen und 81 Kähnen passiert, im Herbst von bis zu 500 Einheiten täglich.[4] Zwischen der Siedlung Teufelsmoor und dem Beginn des Osterholzer Hafenkanals wurden im 19. Jahrhundert sieben Hammehütten errichtet, die an Holtstellen lagen. An diesen Stellen konnte Torf auf Bockschiffe geladen werden. In den Hütten gab es auch einen Schankbetrieb. Heute gibt es noch drei Hammehütten, und zwar Neu-Helgoland, Melchers Hütte und Tietjens Hütte.[5]

Anfang der 1980er-Jahre wurden in der Teufelsmoor-Region erste Nachbauten historischer Torfkähne gefertigt und wenig später für den Tourismus entdeckt. Torfkahnfahrten werden in der Regel von Mai bis September angeboten.

Für die Nutzer motorisierter Wasserfahrzeuge ist die Hamme in drei Abschnitte eingeteilt: Der erste Hammeabschnitt zwischen Teufelsmoorstraße und Neu Helgoland darf nur noch als Durchfahrtsstrecke oder von denjenigen Motorbootsführern befahren werden, denen ausdrücklich erlaubt ist, an den Anlegern der Campingplätze Teufelsmoor und Viehspecken festzumachen. Von 23 bis 6 Uhr gilt Fahrverbot, um zum Beispiel den nachtaktiven Fischotter nicht durch Knattergeräusche bei der Beutesuche zu behindern. Der zweite Flussabschnitt – von Neu Helgoland bis Tietjens Hütte – ist seit 2011 für alle Motorbootbesitzer Verbotszone, die nicht als Hamme-Anrainer registriert sind. Ausnahmegenehmigungen gibt es nur für ein Fahrgastschiff aus Vegesack und Torfkähne aus Bremen. Alle Boote, die länger als zehn Meter sind, dürfen im Hammerevier nicht mehr kreuzen. Von Tietjens Hütte bis zur Ritterhuder Schleuse kann die Hamme von allen Wassersportlern befahren werden, da der Hafen von Osterholz-Scharmbeck erreicht werden können muss, was nur über die Kanalstrecke von Tietjens Hütte aus möglich ist.[6]

Kanuten und Segler dürfen (mit Ausnahme des Nachtnutzungsverbots) die Hamme auf allen drei Abschnitten benutzen. Aus technischen Gründen können heute nur noch Wasserwanderer oberhalb von Viehspecken (über den Hamme-Oste-Kanal) die Oste erreichen.

Die Vorschriften zum Bootsverkehr auf der Hamme bezwecken die Vermeidung von Beeinträchtigungen der Gewässerökosysteme, u. a. die Vermeidung von Störungen der Brut- und Rastvögel sowie des Fischotters.[7]

Natur- und LandschaftsschutzBearbeiten

Die Hamme bildet das Zentrum der Hammeniederung, eines großflächigen Biotopverbundes im Elbe-Weser-Dreieck.

LiteraturBearbeiten

  • Hans Siewert: Hammefahrt. Hintergründige Betrachtungen sowie interessante Erlebnisse auf einer Torfschiffahrt vom Osterholzer Hafen über „Tietjens Hütte“ nach „Neu-Helgoland“. Simmering, Lilienthal 2010.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Dieter Coldewey: Gebietsforum Wümme. Ergebnisse der Bestandsaufnahme Oberflächengewässer (PDF; 3,9 MB) (abgerufen am 21. August 2013)
  2. Franzius-Institut (Universität Hannover): Hochwasserschutzplan Wümme. (pdf; 7,52 MB) Bericht Nr. 685. 2006, S. 276, abgerufen am 10. August 2013.
  3. Anm.: Anwendung eines Gebietsabflusses von ca. 8,2 l/s km² (gemittelt aus den Daten der umgebenden Pegel Hellwege an der Wümme, Ahrensdorf am Giehler Bach (Hamme-Oberlauf) und Oberlethe an der Lethe) auf das Einzugsgebiet der Hamme
  4. Jürgen Heuser: Torfkahn. 2. Juli 2010
  5. Torfkahnschiffer Osterholz-Scharmbeck e.V.: Hammehütten
  6. Klaus Grunewald: Nächtliches Fahrverbot. Ab 2011 weniger Motorboote auf der Hamme. Osterholzer Kreisblatt. 20. April 2010
  7. Landkreis Osterholz: Naturschutzgroßprojekt gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung „Hammeniederung“. Abschlussbericht 2012. Mai 2012, S. 63 (PDF-Datei, 16,1 MB)