H-Klasse (Royal Navy)

H-Klasse von 1934 Royal Navy
Technische Daten
Schiffstyp: Zerstörer
Verdrängung: 1.340 ts HMS Hardy: 1.465 ts
Länge: 323 ft (98,5 m) HMS Hardy: 337 ft
Breite: 33 ft (10,05 m) HMS Hardy: 34 ft
Tiefgang: 12 ft 5 in (3,78 m) HMS Hardy: 12 ft 9 in
Antrieb: 2 Dampfturbinen mit zusammen 34.000 PS HMS Hardy: 38.000 PS
Geschwindigkeit: 36 kn
Reichweite: 5.530 Seemeilen bei 15 kn
Besatzung: 145 Mann HMS Hardy: 175 Mann
Bewaffnung:
(als Neubau)
4 × 4,7 in (120 mm) Mk IX Geschütze
HMS Hardy: 5 × 4,7 in
brasilianische Schiffe: 3 × 4,7 in

8 × 0,5 in (12,7 mm) Fla-MGs
2 × vierfach 21 in (533 mm) Torpedo-Rohre
20 Wasserbomben

Die H-Klasse war eine Schiffsklasse von acht Zerstörern, die als Teil des Marineprogramms von 1934 für die britische Royal Navy gebaut wurden. Ein neuntes Schiff, HMS Hardy, hatte einen etwas veränderten Entwurf, um als Flottillenführer zu dienen.

Sechs identische Schiffe waren bei Beginn des Zweiten Weltkriegs auf britischen Werften für die brasilianische Marine in Bau. Diese Zerstörer, die nahezu fertiggestellt waren, wurden von der britischen Regierung am 4. September 1939[1] gegen Zahlung einer Entschädigung beschlagnahmt. Sie werden regelmäßig der H-Klasse zugerechnet, manchmal aber auch als Havant-Klasse erwähnt.

Die Zerstörer der H-Klasse kamen im Zweiten Weltkrieg zu vielfältigen Kampfeinsätzen; zehn der 15 Schiffe gingen während des Krieges verloren, eines wurde an die Royal Canadian Navy abgegeben.

EntwurfBearbeiten

Der Entwurf für die H-Klasse beruhte im Wesentlichen auf dem Entwurf für die vorhergehende G-Klasse. Die Änderungen betrafen u. a. verbesserte Hauptgeschütze und den verstärkten Einsatz von Schweißtechniken. Bei zwei Schiffen wurde ein veränderter Aufbau der Brücke erprobt.

HMS Hardy war im Vergleich zu den anderen Schiffen etwas größer, um den Kommandeur der Flottille, seinen Stab und weitere Besatzungsmitglieder unterzubringen.

Soweit sie nicht frühzeitig verloren gingen, wurde die Ausrüstung und Bewaffnung der Zerstörer im Verlauf des Zweiten Weltkriegs teils erheblich modifiziert. Hierunter fallen etwa die Ausstattung mit Radar und dem Funkpeilungssystem Huff-Duff, mit zusätzlichen bzw. veränderten Geschützen, v. a. Flak und Schnellfeuerwaffen, sowie neuen Wasserbombenwurfvorrichtungen.

KriegseinsatzBearbeiten

Die Schiffe der H-Klasse wurden während des Zweiten Weltkriegs vor allem als Eskorten für Konvois und Kriegsschiffe und bei der Jagd auf U-Boote, aber auch im Kampf gegen feindliche Überwasserkriegsschiffe, eingesetzt. Die brasilianischen Schiffe dienten fast alle als Führungsschiff einer der Geleitgruppen, die aus wenigen, meist älteren Zerstörern und mehreren Korvetten, später dann auch teilweise einer Fregatte, bestanden und Konvois über den Nordatlantik bzw. nach Gibraltar begleiteten.

Zehn der 15 Schiffe gingen bei diesen Einsätzen verloren, alle bis auf eines durch Kampfhandlungen bzw. Minen. Im Gegenzug waren die Zerstörer der H-Klasse an der Versenkung von zehn deutschen und vier italienischen U-Booten sowie eines italienischen Leichten Kreuzers beteiligt, außerdem versenkten sie je zwei deutsche und italienische Zerstörer und ein italienisches Torpedoboot und beschädigten einen weiteren deutschen Zerstörer.

Die verbleibenden Schiffe waren nach dem Ende des Kriegs technisch veraltet, durch die jahrelangen Kriegseinsätze verbraucht und kaum noch verwendungsfähig.

Schiffe der H-KlasseBearbeiten

Flottillenführer:

brasilianische Schiffe:

  • HMS Highlander (ex: Jaguaribe) – Während der Operationen im Anschluss an die deutsche Landung in Norwegen und bei der Operation Dynamo eingesetzt, im Oktober 1940 an der Versenkung von U 32 beteiligt. Danach im Nordatlantik als Geleitschiff für Konvois verwendet. Im Mai 1946 zum Abwracken verkauft.
  • HMS Hurricane (ex: Japura) – Im Nordatlantik als Eskorte für Konvois verwendet. Am 24. Dezember 1943 durch U 415 aus Gibraltar-Geleit versenkt.
  • HMS Havant (ex: Javary) – Während eines Einsatzes im Rahmen der Operation Dynamo am 1. Juni 1940 durch deutschen Luftangriff vor Dünkirchen so schwer beschädigt, dass das Schiff selbstversenkt werden musste.
  • HMS Harvester (ex: Jurua) – Evakuierte bei der Operation Dynamo im Mai/Juni 1940 alliierte Truppen aus Nordfrankreich, versenkte im Oktober 1940 U 32 und im Dezember 1941 U 208. Als Eskorte für Nordatlantik-Geleitzüge eingesetzt. Versenkte am 11. März 1943 U 444 durch Rammstoss, wurde dabei aber schwer beschädigt und manövrierunfähig, noch am selben Tag durch U 432 versenkt.
  • HMS Hesperus (ex: Juruena) – Während der Operationen im Anschluss an die deutsche Landung in Norwegen durch Bombentreffer beschädigt. Danach im Nordatlantik eingesetzt und an der Versenkung der deutschen U-Boote U 208 (Dezember 1941), U 93 (Januar 1942), U 357 (Dezember 1942), U 191 (April 1943) und U 186 (Mai 1943) beteiligt. Im November 1946 zur Verschrottung verkauft.
  • HMS Havelock (ex: Jutahy) – Während der Operationen im Anschluss an die deutsche Landung in Norwegen und bei der Operation Dynamo eingesetzt, versenkte das Schiff im November 1940 das italienische U-Boot Faá di Bruno. Es folgten Einsätze im Nordatlantik und in der Biskaya. Dabei war der Zerstörer an der Versenkung des U-Boots U 767 (Juni 1944) beteiligt. Im Oktober 1946 wurde das Schiff abgewrackt.

LiteraturBearbeiten

  • Maurice Cocker, Ian Allan: Destroyers of the Royal Navy, 1893–1981. Ian Allan, London 1981, ISBN 0-7110-1075-7
  • Leo Marriott, Ian Allan: Royal Navy Destroyers since 1945. Ian Allan, London 1989, ISBN 0-7110-1817-0
  • H. T. Lenton: British and Empire Warships of the Second World War. Greenhill Books, London 1998, ISBN 1-85367-277-7
  • Robert Gardiner (Hrsg.): Conway's All the World's Fighting Ships, 1922–1946. Conway Maritime Press, London 1997, ISBN 0-85177-146-7
  • Michael J. Whitley: Destroyers of World War II. An International Encyclopedia. Cassell Military, London 2002, ISBN 0-304-35675-1

WeblinksBearbeiten

Commons: G- und H-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David und Hugh Lyon; Siegfried Greiner: Kriegsschiffe von 1900 bis heute Technik und Einsatz. Buch und Zeit Verlagsgesellschaft mbH, Köln 1979, S. 59.