Guillaume Legrant

französischer Komponist der frühen Renaissance

Guillaume Legrant (* um 1380; † nach 1450) war ein französischer Komponist und Kleriker der frühen Renaissance.[1][2][3]

Leben und WirkenBearbeiten

Von Guillaume Legrant konnte die musikhistorische Forschung nur ungefähr das Geburts- und Sterbejahr ermitteln; das jeweilige Datum sowie Geburts- und Sterbeort sind noch unbekannt. Sein ursprünglicher Name war Guillaume Lemacherier. An der Sainte-Chapelle des Herzogs von Berry in Bourges war er von 1405 bis 1410 als Kleriker tätig, und zwar ab dem Jahr 1407 als Kaplan. In Bourges war der Komponist auch mit Johannes Cesaris, Johannes de Bosquet († 1406), Paullet, Pierre Fontaine und Nicholas Grenon zusammengetroffen. Von einigen Musikhistorikern wird vermutet, dass er sich 1417 anlässlich des dortigen Konzils in Konstanz aufgehalten hat. Von 1418 bis 1421 ist er als Mitglied der päpstlichen Kapelle unter Papst Martin V. nachweisbar. Danach wirkte er in der Diözese Rouen als Benefiziat und stand im Dienst von Herzog Karl von Orléans. Eines der von ihm komponierten Messteile, ein Credo, wurde in dieser Zeit (1426) geschrieben. Legrant besaß mehrere Pfründen in der Diözese Rouen, eine davon hatte er noch 1449 inne. Für die Zeit danach sind keine Informationen mehr über ihn überliefert.

BedeutungBearbeiten

Die überlieferten Werke Legrants bestehen aus geistlichen und weltlichen Kompositionen. Sie können zum Teil schon in Bourges entstanden sein. Sein Gloria und die beiden Credos besitzen abwechselnd zwei oder drei Stimmen. Sie gehören zu den frühesten bekannten Kompositionen, die zwischen solistischer und chorischer Ausführung unterscheiden. Die vier vorhandenen Chansons sind alle Virelais und in einer einzigen Quelle überliefert.

Die geistlichen Werke Legrants sind in ihrer Deklamation syllabisch und rhythmisch einfach. Sie folgen der Praxis um 1410 bis 1420, zwischen hohen und zweistimmigen Sologesängen (unus) einerseits und tiefer liegenden dreistimmigen Tuttipartien (chorus) abzuwechseln. In der Stimmführung fallen chromatische Gänge im Sinne der Musica ficta (durch zusätzliche Vorzeichen) und musikalische Querstände auf und erinnern damit an Messesätze von Guillaume Dufay aus den 1420er Jahren. Diese Neigung zu chromatischen Stimmführungen zeigt sich auch in den Virelais „Ma chiere“, „Pour l’amour“ und „Or avant“ mit ihren rustikalen Texten nach Art der Robert-et-Marion-Spiele oder des chanson rustique. In dem Virelai „Or avant“ wird die homophone Satzweise und die betonte Volkstümlichkeit mittels Parlando-Tonwiederholungen mit rhythmischer Imitation belebt. Dagegen enthält das höfische Virelai „La douce fleur“ einen komplizierteren Kontrapunkt.

WerkeBearbeiten

  • Geistliche Werke (Vokalmusik)
    • Gloria zu drei Stimmen
    • Credo zu drei Stimmen (datiert mit 1426)
    • Credo zu drei Stimmen
  • Weltliche Werke (Vokalmusik)
    • Virelai „La doulce flour“ zu drei Stimmen (anonym, mit dem Akrostichon »LE GRANT GUILLAUME«)
    • Virelai „Ma chiere mestresse“ zu drei Stimmen
    • Virelai „Or avant, gentilz fillettes“ zu drei Stimmen
    • Virelai „Pour l’amour de mon bel amy“ zu drei Stimmen
    • Contratenor zu „A son plaisir“ von Pierre Fontaine zu drei Stimmen
    • textloses Stück (Rondeau?) in Tastenbearbeitung zu drei Stimmen aus dem Lochamer-Liederbuch und dem Buxheimer Orgelbuch

Literatur (Auswahl)Bearbeiten

  • M. Schuler: Zur Geschichte der Kapelle Papst Martins V., in: Archiv für Musikwissenschaft Nr. 25, 1968, S. 30–45
  • P. Higgins: Music and Musicians at the Sainte-Chapelle of the Bourges Palace, 1405–1415, in: Kongressbericht der International Musicological Society 1987, Band 3, Turin 1990, S. 689–701
  • Reinhard Strohm: The Rise of European Music, 1380–1500, Cambridge 1993
  • David Fallows: A Catalogue of Polyphonic Songs, 1415–1480, Oxford 1999

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. Reinhard Strohm: Legrant, Guillaume, in: Ludwig Finscher (Hrsg.), Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite Ausgabe, Personenteil, Band 10 (Kem-Ler), Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2003, ISBN 3-7618-1120-9, Spalte 1481–1482
  2. Marc Honegger, Günther Massenkeil: Das große Lexikon der Musik, Band 5, Herder, Freiburg im Breisgau 1981, ISBN 3-451-18055-3
  3. The New Grove Dictionary of Music and Musicians, herausgegeben von Stanley Sadie, 2nd Edition, Band 14, McMillan Publishers, London 2001, ISBN 0-333-60800-3