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Gruppenführer

Person, die eine Gruppe leitet (z.B. in Behörden oder Einrichtungen mit Sicherungsaufgaben)
Taktisches Zeichen „Gruppenführer“[1]

Der Gruppenführer (GrpFhr, GrFü, GF oder GruFü) ist eine Funktion und Qualifikation (Ausbildungslehrgang) von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben für eine Person, die eine Gruppe leitet beziehungsweise führt oder befehligt. Der Gruppenführer trägt in der Regel die Verantwortung für seine Gruppe.

In der Wirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung wird eine Führungskraft vorrangig als Gruppenleiter bezeichnet.

MilitärBearbeiten

BundeswehrBearbeiten

In der Bundeswehr ist Gruppenführer (GrpFhr) sowohl eine Ausbildungs- und Tätigkeitsbefähigung als auch die Dienststellungsbezeichnung für Teileinheitsführer. Er führt eine Gruppe.

Als Teileinheitsführer ist der Gruppenführer für die Führung von 8 bis 12 Soldaten im Gefecht verantwortlich. Er ist kein Disziplinarvorgesetzter. Die Gruppenführerposten füllen hier meist Dienstgrade aus wie:

Aus gegebenem Anlass, beispielsweise bei Ausfall des originären Gruppenführers, wird diese Funktion auch von Mannschaftsdienstgraden übernommen.

Nationale VolksarmeeBearbeiten

In den Teilstreitkräften der NVA und den Grenztruppen der DDR war der Gruppenführer (GF) Teileinheitsführer für die Führung von 8 bis 12 Mannschaftsdienstgrade oder Soldaten höherer Dienstgrade der gleichen Dienstgradgruppe, wie beispielsweise Off.-Schüler/GF an den Offiziershochschulen der DDR, in der Ausbildung, im Tagesdienst oder im Gefecht. Sie trugen in der Regel Dienstgrade von Unteroffizier bis Unterfeldwebel oder vergleichbare Dienstgrade entsprechend der Truppengattung oder TSK. Auch in der NVA bezeichnete der Begriff „Gruppenführer“ eine Funktion/Dienststellung. Sie waren keine Disziplinarvorgesetzten, hatten aber Befugnisse Bestrafungen, wie beispielsweise Dienstverrichtung außer der Reihe, auszusprechen.

Nationalsozialistische OrganisationenBearbeiten

In mehreren nationalsozialistischen Organisationen wurde Gruppenführer zur Bezeichnung der höchsten (Generals-)Dienstränge verwandt:

PolizeiBearbeiten

Der Gruppenführer (GruFü) bei der Bereitschaftspolizei und in Einsatzzügen der Polizei hat folgende Aufgaben:

  • führt die Gruppe im taktischen Einsatz und im täglichen Dienst (Streifenführer)
  • setzt die Vorgaben des Zugführers um
  • ordnet Maßnahmen / taktische Formationen an
  • bereitet Einsätze innerhalb seines Aufgabenbereiches vor und nach
  • berät den Zugführer
  • Fortbildungsbeauftragter für den praktischen Dienst
  • unterstützt Mitarbeiter

Die Funktion ist eine vollwertige Führungsaufgabe zur Leitung einer Gruppe.

Bei der Bereitschaftspolizei kann man im Allgemeinen zwischen Gruppenführer in der Einsatzhundertschaft, Gruppenführer bei einem Unterstützungskommando (USK) (Bayern), BFE (Beweis- und Festnahmeeinheit) und Gruppenführer in einer Ausbildungseinheit unterscheiden.

Bei der einigen Ländern und noch vereinzelt bei der BPOL wird die Funktion durch Beamte des mittleren Dienstes wahrgenommen. In anderen Bundesländern und auch zukünftig bei der Bundespolizei ist die Führungsfunktion im gehobenen Dienst angegliedert. Die Stellendotierung beginnt da bei A9 Polizeikommissar und reicht je nach Behörde bis A11 Polizeihauptkommissar. Üblich ist eine Besoldung von A9 / 10. Im mittleren Dienst war die Dotierung A8 / 9 (teilweise mZ); vereinzelt je nach Behörde (Bundesland) sogar bei A7 beginnend (Polizeimeister). Der Gruppenführer gibt laufbahnrechtliche Beurteilungsbeiträge seiner Mitarbeiter an den Beurteiler.

Die taktische Kennzeichnung des Gruppenführers besteht aus zwei waagrechten Punkten am rechten Arm (meist hellgrün oder hellblau) oder zwei waagrechten Punkten auf dem Einsatzhelm.[2]

FeuerwehrBearbeiten

 
Taktisches Zeichen „Gruppenführer“ der Feuerwehr[1]
 
Helmkennzeichnung eines Gruppenführers

Der Gruppenführer[3] in der Feuerwehr befehligt bzw. führt die Taktische Einheit „Gruppe“, bestehend aus neun Einsatzkräften.[4] Er handelt vor Ort entweder eigenständig als Einsatzleiter oder unter der Direktive einer übergeordneten Führungskraft (zum Beispiel Zugführer).

Der Gruppenführer:

  • erkundet die Lage,
  • bestimmt die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe,
  • gibt den Einsatzbefehl – (Wasserentnahmestelle, Lage des Verteilers) Einheit, Auftrag, Mittel, Ziel und Weg,
  • ist während des Einsatzes an keinen festen Platz gebunden,
  • hat die Fürsorgepflicht für seine Gruppe,
  • kann Einsätze mit Personal bis zur Stärke einer Gruppe selbstständig leiten.[4][5]

Gruppenführer sind bei der Berufsfeuerwehr erfahrene Beamte des mittleren feuerwehrtechnischen Dienstes (Hauptbrandmeister/Brandinspektor). Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist der erreichbare Dienstgrad vom Bundesland abhängig, in Nordrhein-Westfalen beispielsweise Brandmeister. Im Allgemeinen sind sie mindestens Löschmeister; in Hessen beispielsweise Oberlöschmeister. Zudem muss eine entsprechende Ausbildung beim jeweiligen Institut der Feuerwehr bzw. Schule absolviert werden; in NRW bzw. Hessen etwa der FIII-Lehrgang.

Die Ausbildung zum Gruppenführer bei der Feuerwehr in Deutschland dauert mindestens 70 Stunden. Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 schreibt als Zugangsvoraussetzung die Qualifikation als Truppführer vor.[6] Es sollten auch Kenntnissen über Atemschutz, Sprechfunk und der Maschinistentätigkeit vorhanden sein.

 
Gruppenführer einer Freiwilligen Feuerwehr mit blauer Kennzeichnungsweste

Einsatzkräfte mit der Qualifikation zum Gruppenführer erkennt man im Einsatz an einem roten Balken auf jeder Helmseite[7]. Diese Kennzeichnung signalisiert ausschließlich die Befähigung zum Ausüben der Funktion „Gruppenführer“. Es können daher in einer Gruppe durchaus mehrere Einsatzkräfte mit dieser Kennzeichnung vorhanden sein. Pro Einheit kann jedoch immer nur eine Person die tatsächliche Führungsfunktion des Gruppenführers übernehmen. Eventuell weitere vorhandene Einsatzkräfte mit Gruppenführerqualifikation übernehmen dann normale Mannschaftsaufgaben. Der tatsächliche Einheitsführer wird daher zunehmend zusätzlich mit einer Kennzeichnungsweste kenntlich gemacht.[8][9] Alternativ werden in einigen Bundesländern veränderliche Funktionsabzeichen getragen, für Gruppenführer ein 10 mm schmales, umlaufendes schwarzes Band am Helm.

Gruppenführer der Feuerwehr werden in der Katastrophenschutz-Terminologie auch Unterführer genannt. Die Abkürzung in der Feuerwehr für den Gruppenführer ist „GrFü“ nach DIN 14033. In der Praxis wird jedoch meist noch die Abkürzung „GF“ aus der mittlerweile nicht mehr gültigen Feuerwehr-Dienstvorschrift 4 verwendet.

DFV[10] BW[11][12] BY[13] BE[14] BB[15] HB HH HE[16] MV[17] NI[18] NW[19] RP[20] SL[21] SN[22][23] ST[24] SH[25] TH[26]
                 
[27]
   

Technisches Hilfswerk THWBearbeiten

Der Gruppenführer im THW leitet eine Bergungs- oder Fachgruppe. Ihm unterstehen je nach Art der Gruppe ein oder mehrere Truppführer (in der STAN festgelegt). Der Gruppenführer untersteht dem Zugführer. Der Gruppenführer ist neben der Führung seiner Gruppe auch zuständig für die Ausbildung und die Ausrüstung derselben.

Sonstige HilfsorganisationenBearbeiten

Die Ausbildung zum Gruppenführer ist in den einzelnen Organisationen geregelt. Es handelt sich regelmäßig um Unterführer. Gruppenführer kommen als Leiter einer Schnelleinsatzgruppe, als organisatorisches Bindeglied im Vereinsbetrieb, als Einsatzleiter bei kleineren Diensten oder als Führer von Gruppen im Rahmen des Katastrophenschutzes zum Einsatz. Bei der Wasserwacht des DRK nennt man die Gruppenführerausbildung auch Führen im Einsatz Teil 2 (Wachleiter), anschließend SEG Leiter (Schnelleinsatzgruppen Leiter)[28]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Katastrophenschutz (Hrsg.): Empfehlungen für Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz. Köln 2012, korrigierte zweite Auflage
  2. vgl. Beispiel für taktische Kennzeichnung am Arm
  3. Die Funktionsbezeichnungen gelten sowohl für weibliche als auch für männliche Feuerwehrangehörige. Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 2008
  4. a b Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 – Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz. Ausgabe: Februar 2008. Abgerufen unter bbk.bund.de (für den deutschen Fall)
  5. Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 – Führung und Leitung im Einsatz. Führungssystem. Ausgabe: März 1999. Abgerufen unter bbk.bund.de
  6. Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren FwDV_2_Stand_Jan2012. (PDF) 1. Januar 2012, abgerufen am 4. Januar 2015.
  7. Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehren – Grundausbildung, Neckar-Verlag, 2005
  8. Führungskräftekennzeichnung Baden-Württemberg, Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg
  9. Verordnung über die kommunalen Feuerwehren, Anlage 8, 1. Mai 2010
  10. Fachempfehlung Kennzeichnung von Führungskräften (PDF) DFV, 2004
  11. Empfehlung des Innenministeriums zur variablen Kennzeichnung von Führungskräften bei Großeinsätzen der Feuerwehr (Memento vom 6. Januar 2011 im Internet Archive) (PDF; 122 kB) IM Baden-Württemberg, 1998
  12. „Bei der Tagung der Leiter der Feuerwehren der Stadtkreise und der Kreisbrandmeister im April 1999 wurde beschlossen, dass zukünftig auch blaue Kennzeichnungen für die Fahrzeugführer verwendet werden können.“ LFS Baden-Württemberg, 2004
  13. Verbesserung der Kennzeichnung von Führungskräften im Einsatz (Memento vom 30. März 2014 im Internet Archive) (PDF; 309 kB) Landesfeuerwehrverband Bayern in Florian kommen Nr. 54
  14. Geschäftsanweisung Einsatzbezogene Kennzeichnungen bei der Berliner Feuerwehr, dem Rettungsdienst und den Fachdiensten des Katastrophenschutzes der Berliner Feuerwehr, Stand 13.07.2016
  15. Einheitliche Kennzeichnung von Führungskräften und Führungsgremien im Land Brandenburg, LSTE Brandenburg
  16. Datei -> Anlagen_HFDV_19.12.2012.pdf) Hessische Feuerwehrbekleidungs- und Dienstgradverordnung – HFDV (Zip und anschließend PDF) Hessisches Ministerium des Inneren und für Sport, 2012
  17. Kennzeichnung von Führungskräften der Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern (Memento vom 2. September 2009 im Internet Archive) (PDF; 19 kB) Regierungsportal MV
  18. Verordnung über die kommunalen Feuerwehren, §15 Absatz 4 in Verbindung mit Anlage 8B, September 2012
  19. Empfehlung zur Kennzeichnung von Führungskräften / Funktionsträgern (PDF; 7 kB) Innenministerium Nordrhein-Westfalen, 1998
  20. Richtlinie für den Führungsdienst im Brandschutz, in der Allgemeinen Hilfe und im Katastrophenschutz (PDF; 289 kB) LFKS Rheinland-Pfalz, 2001
  21. Erlass über die Kennzeichnung von Führungskräften an Einsatzstellen (Memento vom 2. September 2009 im Internet Archive) (PDF; 21 kB) Ministerium für Inneres und Sport des Saarlandes, 2009
  22. Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Feuerwehren und die Brandverhütungsschau im Freistaat Sachsen (Memento vom 17. Mai 2017 im Internet Archive) (PDF; 418 kB) Staatsministerium des Inneren, 21. Oktober 2005
  23. Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Rettungsdienstplanung im Freistaat Sachsen (Sächsische Landesrettungsdienstplanverordnung – SächsLRettDPVO) (Memento vom 12. November 2013 im Internet Archive) (PDF) Staatsministerium des Innern, 5. Dezember 2006, Stand 9. Mai 2013
  24. Verordnung über die Dienstkleidung der Feuerwehren Sachsen-Anhalt (Fw-DklVO) 8. September 2015
  25. Dienstkleidungsvorschrift für die Feuerwehren im Lande Schleswig-Holstein (Memento des Originals vom 11. November 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lfs-sh.de (PDF; 202 kB) Innenministerium Schleswig-Holstein, 2008
  26. Anlage 2 – Kennzeichnung der Qualifikation der Einsatzkräfte sowie der Führungskräfte und der Fachkräfte mit Sonderfunktionen der Thüringer Feuerwehr-Organisationsverordnung (ThürFwOrgVO), abgerufen am 29. Juni 2017
  27. Nach Entscheidung des Landkreises oder der Gemeinde, soweit die jeweilige Zuständigkeit gegeben ist, kann diese Funktionsweste getragen werden.
  28. Dienstvorschrift für die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes (PDF). Wasserwacht Mainparksee. 1. Juni 2004 mit Änderungen vom 19. Oktober 2008, abgerufen am 25. Februar 2018.