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Grundierung

Bestandteil eines Gemäldes oder der Fassung einer Skulptur
Nahaufnahme einer beschädigten Figur der Kölner Rathauspropheten im Museum Schnütgen, Köln. Zu sehen sind die (beschrifteten) Ebenen „Holz“, „Grundierung“ und „Original“(fassung)

Die Grundierung (oft auch nach englisch primer Primer genannt) dient dazu, das Material durch eine erste Schicht zu schützen und gleichzeitig Bedingungen für den Auftrag weiterer Schutz- und Dekorschichten zu verbessern. Materialien, auf denen Beschichtungen schlecht halten, werden mit Haftvermittler bzw. Haftgrund vorbehandelt. Anwendungen finden sich in vielfältigen Bereichen des künstlerischen, handwerklichen oder industriellen Material- und Farbauftrags.

Auch Imprägnierungen werden häufig zu den Grundierungen gerechnet. Imprägnierungen ziehen in der Regel tiefer ein und verschließen die Poren, während eine Grundierung verschiedene Aufgaben haben kann.

Während Grundierungen im englischen Sprachraum durchweg als Primer bezeichnet werden, so meint Primer im Deutschen eher Stoffe, die den Untergrund chemisch vorbereiten, also noch vor der Grundierung aufgetragen werden. Zwischen Primern, Haftvermittlern, Haftgrund und Grundierung wird oft keine klare Unterscheidung getroffen. Grundsätzlich sollen alle diese Stoffe zwischen dem Untergrund und der Beschichtung vermitteln.

Inhaltsverzeichnis

HolzbearbeitungBearbeiten

Bei der Holzbearbeitung wird traditionell mit Halböl grundiert. Halböl wurde wahrscheinlich bereits in der Antike eingesetzt. Frisches Holz kann schmutzempfindlich sein – je nach Holzart und Feuchtegehalt kann bereits Hautschweiß Flecken hinterlassen. Üblicherweise erhalten Holzprodukte aus der Tischlerei vor der Auslieferung mindestens einen Grundierungsanstrich. Das Leinöl schließt Poren und Vakuolen des Holzes etwas. Nachfolgende Anstriche ziehen weniger tief in das Holz ein, wodurch ein mehrfaches Auftragen vermieden werden kann. (Sicherheitshinweis: Leinölprodukte können bei Luftzugang zur Selbstentzündung von gebrauchten Lappen und nicht ausgewaschenen Pinseln führen. Diese sind deshalb in verschlossenen Behältnissen oder unter Wasser aufzubewahren.)

Nadelhölzer zum Einsatz im Außenbereich erhalten heute überwiegend einen Bläueschutz als ersten Auftrag.

MetallbauBearbeiten

 
Grundierung oder Haftgrund für Autolack

Die meisten metallverarbeitenden Prozesse beinhalten vor dem endgültigen Lackauftrag eine Vorbehandlung. So wird im Kfz-Bereich auf das nackte Metall eine Korrosionsschutz-Grundierung aufgetragen, die zu einer sehr guten Haftung mit dem Metall führt und damit Korrosion verhindert oder zumindest verlangsamt. Anschließend wird die Oberfläche, sofern erforderlich, mit Spachtelmasse geformt und danach mit Filler geglättet. Ist keine Spachtelmasse erforderlich, kann auch Grundierung und Filler in einem Arbeitsgang aufgebracht werden (Grundierfiller). Erst nach dem Filler wird Lack aufgetragen. Bei weniger beanspruchten Flächen im Innenraum kann Decklack verwendet werden, während für Lackierungen im Außenbereich eine oder mehrere Schichten Basislack aufgetragen werden und letztlich Klarlack, gegebenenfalls auch mehrere Schichten.

GebäudeBearbeiten

Vor dem Auftrag von dünnen Putzschichten sowie vor Malerarbeiten an Wänden und Decken werden stark saugende Untergründe mit Tiefgrund (auch Tiefengrund) vorbehandelt, meist auf der Basis von Alkyd- oder Acrylharz. Bestimmte Grundierungen können auch sandende Putze oder kreidende Schichten festigen. Als Haftvermittler und zum Ausgleich von ungleichmäßig saugenden Untergründen vor dem Verputzen wird Vorspritzputz eingesetzt.

Beim Tapezieren bezeichnet Makulatur traditionell eine Untertapete aus Altpapier und Kleister, welche die Saugfähigkeit des Untergrundes reduzieren und Unebenheiten in der Wand ausgleichen sollte. Sperrgrund (auch Isolierfarbe oder Absperrfarbe) wird verwendet, um das Durchschlagen von Verfärbungen wie Rost, Nikotin, Wasser- oder Versottungsflecken zu verhindern. Haftvermittler für den Auftrag von Dichtstoffen, wie Silikonmasse, werden oft als Primer bezeichnet.

KunstBearbeiten

In der bildenden Kunst ist die Grundierung Bestandteil eines Gemäldes oder der Fassung einer Skulptur und liegt direkt auf Leinwand, Holz oder sonstigen Bildträgern (Metall, Pergament u. a.) unter der Farbschicht. Meistens ist sie von weißer Farbtönung und besteht aus Leim und fein gepulverter Kreide bzw. Kreidegrund. Durch die Grundierung, die meistens in mehreren Schichten mit dem Pinsel oder einer Spachtel aufgetragen wird und dann gewöhnlich geglättet wird, aber auch plastisch gestaltet sein kann, erhält der Maler einen für den Farbauftrag geeigneten Malgrund. Die Rezepte für verschiedene künstlerische Malgründe und Grundierungen findet man in historischen Traktaten über Malerei und den Malerbüchern. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kommen auch Kunstharz-Dispersionen als Bindemittel für neuartige Füllstoffe zur Anwendung, z. B. fertige wässrige Acryl-Grundierungen.

LiteraturBearbeiten