Gram (Tschechow)

Erzählung von Anton Tschechow

Gram, auch Kummer, Der Kummer und Die Erzählung des Kutschers (russisch Тоска, Toska), ist eine Erzählung des russischen Schriftstellers Anton Tschechow, die am 27. Januar 1886 in der Peterburgskaja Gaseta erschien.[1]

Als Tolstoi 1903 das erzählerische Werk Anton Tschechows – bestehend aus knapp 500 Titeln – durchsah, hob er daraus fünfzehn Texte mit dem Prädikat „höchste Qualität“ hervor. Einer der herausragenden Titel war Gram.[2]

J. Treumanns Übertragung ins Deutsche wurde 1890 bei Karl Reißner[3] in Leipzig unter dem Titel Kummer publiziert. Andere Übersetzungen: 1896 ins Slowakische (Rozžialenost) und Ungarische (Kinek mondja el bánatátWem klage ich meinen Schmerz?)[4], 1900 ins Serbokroatische (Tuga), 1901 ins Finnische (Aivan epätoivoiseksi) und ins Französische (Angoisse)[5] sowie 1904 ins Bulgarische (Потаена скръб).[6] Zudem liegen Übersetzungen ins Spanische (La Tristeza)[7] und ins Norwegische (Melankoli)[8] vor.

Anton Tschechow

HandlungBearbeiten

Dem verwitweten Kutscher Jona Potapow ist in seinem Dorf nur noch die Tochter Anissja geblieben. Der Sohn Kusma Jonytsch ist vor einer knappen Woche im Krankenhaus gestorben. Dem trauernden Vater geht so viel im Kopf herum. Eigentlich, so sinniert der Erzähler, müsste man „erzählen, wie der Sohn erkrankt ist, wie er sich gequält hat, welches seine letzten Worte vor dem Tod waren und wie er gestorben ist... Man müßte die Beerdigung schildern und die Fahrt nach dem Krankenhaus, wo er [Jona] die Kleidung des Verstorbenen abholte.“[9]

Der Verlust schmerzt. Davon muss jemandem erzählt werden. Aber keiner von Jonas Fahrgästen will Genaueres darüber hören; nicht der Offizier, den Jona nach der Wyborger Seite kutschiert und nicht die drei jungen Männer, die er zur Polizei-Brücke befördert. Einer dieser jungen Kerle versetzt dem Kutscher während der Fahrt sogar einen Schlag in den Nacken, als dieser den Todesfall zur Sprache bringt und es den Fahrgästen zu langsam vorwärtsgeht.

Jona macht sich auf den anderthalbstündigen Heimweg. An dem verwünschten Tage hat Jona nicht einmal den Hafer für seine Stute verdient. Zu Hause im Dorf wacht beim Betreten der Kutscherstube ein junger Kutscher am Ofen auf. Jona erzählt von seinem Gram. Der Junge schläft darüber ein.

Jona geht in den Stall und versorgt sein Pferd. Der Kutscher „kommt ins Reden und erzählt ihm alles“.[10]

VerfilmungenBearbeiten

Deutschsprachige AusgabenBearbeiten

Verwendete AusgabeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. russ. Hinweis auf Erstpublikation
  2. Düwel, S. 643, 10. Z.v.o.
  3. Eintrag Karl Reißner in der Deutschen Biographie
  4. ungar. Bánat
  5. frz. Angoisse
  6. russ. Hinweise auf Übersetzungen
  7. span. La Tristeza
  8. norw. Melankoli
  9. Verwendete Ausgabe, S. 39, 5. Z.v.o.
  10. Verwendete Ausgabe, S. 39, 1. Z.v.u.
  11. russ. Карусель (фильм, 1970)
  12. russ. Швейцер, Михаил Абрамович
  13. russ. Лапиков, Иван Герасимович
  14. Karussell Eintrag in der IMDb
  15. Gram Kurzfilm
  16. Kurzfilmpreis für Gram (Memento vom 5. Oktober 2015 im Webarchiv archive.today) Karlsruhe anno 2004
  17. Siehe auch 16. Dezember 2004, Hans Reiner (Bearbeiterin: Gisela Reller (10. Februar 2015)): Besprechung: Wo man sein Herz einem Pferd ausschüttet...