Gesta

Tatenbericht

Als Res gestae oder Gesta (lateinisch gesta ‚Taten, Ereignisse, Vorkommnisse‘) bezeichnete Werke sind Tatenberichte. Meist wird hierbei der Blick auf die Taten berühmter Persönlichkeiten oder Völker gerichtet. Die Gattung wurde hauptsächlich im christlichen Früh- und Hochmittelalter verwendet. Der Begriff bezeichnet jeweils ein einzelnes Werk; er ist jedoch im Lateinischen ein Pluralwort und wird auch im Deutschen so verwendet (z. B. „Die Gesta Treverorum wurden verfasst…“). Aufgrund der Bedeutung „Taten“ kann er nur mit dem Genitiv einer Person oder Personengruppe (oder einem entsprechenden Adjektiv) verbunden werden.

HintergrundBearbeiten

Spezifische mittelalterliche Chroniken werden als „Gesta“ bezeichnet, die vorzugsweise in chronologischer Abfolge über die Taten eines weltlichen oder kirchlichen Würdenträgers oder einer Institution berichten. In den Gesta wird die Geschichte im Unterschied zu den Chroniken nicht durch bloße zeitliche Aneinanderreihung, sondern in einer zusammenhängenden Erzählung aufgebaut. Viele Schriften dieser Gattung befassen sich mit der Geschichte von Äbten oder Bischöfen beziehungsweise der Geschichte eines Klosters oder eines Bistums anhand ihrer Würdenträger, teils auch mit Kaisern und Königen oder mit der Geschichte von Völkern oder Stämmen. Eine strenge begriffliche Abgrenzung bestand im Mittelalter jedoch nicht, häufig werden chronikalische, biographische und besitzgeschichtliche Elemente gemischt.

In den Gesta geht es dabei weniger um Lebensbeschreibungen als um Ereignisse und Taten, die in dieser Zeit vollbracht wurden. Ein antiker Vorläufer sind die Res gestae divi Augusti. Vorbild für spätere Schriften könnte der Liber Pontificalis aus dem 6. Jahrhundert mit biographischen Skizzen der Päpste sein. Im 8. Jahrhundert verfasste Paulus Diaconus die Gesta episcoporum Mettensium („Taten der Bischöfe von Metz“).

 
Gesta Regum Anglorum

Die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum des Adam von Bremen aus dem 11. Jahrhundert sind insofern bemerkenswert, weil sie keine reine Kirchengeschichte von Hamburg-Bremen darstellen, sondern auch einen Bericht über die nordischen Völker und Länder und deren Missionierung enthalten. Aus Westeuropa sind die Gesta Normannorum Ducum des Wilhelm von Jumièges aus dem 11. Jahrhundert bekannt, die unter den „Taten der normannischen Herzöge“ auch von der Eroberung Englands berichten. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts entstanden die Gesta Treverorum („Taten der Trierer“), in denen die Geschichte der Stadt mit der des Bistums verbunden wurde. In England verfasste Wilhelm von Malmesbury im 12. Jahrhundert die Gesta regum Anglorum („Taten der englischen Könige“) und die Gesta pontificum Anglorum („Taten der englischen Bischöfe“).

Bekannte Gesta (Auswahl)Bearbeiten

 
Gesta Hungarorum des P. (Titelblatt)

LiteraturBearbeiten

  • Michel Sot: Gesta (res gestae). In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 4. Artemis & Winkler, München/Zürich 1989, ISBN 3-7608-8904-2, Sp. 1404–1406 (behandelt vorwiegend die Gesta von Bischöfen und Äbten).
  • Michel Sot: Gesta episcoporum, gesta abbatum, 2 Bände, Turnhout 1981–1985 (Typologie des sources du Moyen Âge occidental / 37)[20]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Samuel Löwenfeld: Gesta abbatum Fontanellensium. Hahn, Hannover 1886 (archive.org).
  2. Thomas Walsingham: Gesta abbatum monasterii Sancti Albani. 3 Teile. London 1867 (englisch, babel.hathitrust.org, babel.hathitrust.org, babel.hathitrust.org – Nachdruck, Lessing, Wiesbaden 1963, 1965, 1968).
  3. Charles Loring Brace: Gesta Christi: or, a history of humane progress under Christianity. A. M. Armstrong & Son, New York 1890 (archive.org).
  4. Wipo: Gesta Chuonradi imperatoris. (geschichtsquellen.de).
  5. Saxo Grammaticus: Gesta Danorum. (Nicht mehr online verfügbar.) Det Kongelige Bibliotek, 1999, archiviert vom Original am 6. Oktober 2010; abgerufen am 31. Mai 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www2.kb.dk
  6. Beatrice A. Lees: Anonymi Gesta Francorum et Aliorum Hierosolymitanorum. Clarendon Press, Oxford 1924 (archive.org).
  7. Oswald Holder-Egger: Gesta Federici I. Hahn, Hannover 1892 (Textarchiv – Internet Archive).
  8. Adamus [Bremensis]: Adami Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Hrsg.: Georg HeinrichPertz, Johann Martin Lappenberg. Hahn, Hannover 1846 (reader.digitale-sammlungen.de).
  9. M. Florianus: Chronica Hungarorum … Band 2. Leipzig 1883 (archive.org).
  10. M. Florianus: Chronica Hungarorum … Band 2. Leipzig 1883 (archive.org).
  11. James M. Powell: The Deeds of Pope Innocent III. Catholic University of America Press, 2004, ISBN 978-0-8132-1362-0, JSTOR:j.ctt284xfp.
  12. Albert Dufourcq: Étude sur les Gesta martyrum romains. A. Fontemoing, Paris 1900 (französisch, archive.org).
  13. Benedict of Peterborough: Gesta Regis Henrici = the Chronicle of the reigns of Henry II and Richard I, A.D. 1169–1192. Hrsg.: William Stubbs (= Rerum Britannicarum medii aevi scriptores. Band 49). zwei Bände. Longmans, Green, Reader, and Dyer, London 1867 (archive.org, archive.org).
  14. Wilhelm von Malmesbury: Gesta regum Anglorum atque historia novella. Hrsg.: Thomas Duffus Hardy. Band 1 und 2. Samuel Bentley, London 1840 (archive.org, archive.org).
  15. Hermann Oesterley (Hrsg.): Gesta Romanorum. Weidmann, Berlin 1872 (reader.digitale-sammlungen.de).
  16. The Monks of Redon: Gesta Sanctorum Rotonensium and Vita Conuuoionis. In: Caroline Brett (Hrsg.): Studies in Celtic history. Boydell Press, 1989, ISBN 0-85115-504-9, ISSN 0261-9865.
  17. Mittelalterliche Handschriften / Ms. lat. qu. 9 – Gesta Treverorum. In: uni-frankfurt.de. urn:nbn:de:hebis:30:2-44930.
  18. Widukind von Corvey: Rerum gestarum Saxonicarum libri tres. (geschichtsquellen.de).
  19. Cronicae et gesta ducum sive principum Polonorum: neue Forschungen zum sogenannten Gallus Anonymus. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters. 65. Jahrgang, Heft 2. Böhlau, Köln 2009 (deutsche-digitale-bibliothek.de).
  20. Naxhweis im RI-Opac.