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Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe

Geothermiekraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern

Das Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe war das erste Kraftwerk in Deutschland, das Geothermie der Thermalwässer zur Stromerzeugung nutzte. Betrieben wurde die Stromerzeugung von 2003 bis 2010 durch die „Erdwärme-Kraft GbR“, ein Tochterunternehmen von Vattenfall Europe Berlin. 2010 wurde die Stromerzeugungsanlage auf Grund eines technischen Defekts und der damit verbundenen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt. Die Hauptbedeutung hat die Anlage zur Wärmeversorgung in Neustadt-Glewe. Seit 1994 wird die Anlage von der WEMAG AG (Schwerin) betrieben und versorgt wirtschaftlich mit ca. 20 GWh Wärme jährlich Haushalte und Gewerbe.[1]

Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe
Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe
Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe
Lage
Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe (Mecklenburg-Vorpommern)
Geothermiekraftwerk Neustadt-Glewe
Koordinaten 53° 22′ 12″ N, 11° 35′ 11″ OKoordinaten: 53° 22′ 12″ N, 11° 35′ 11″ O
Land Deutschland
Daten
Typ Geothermiekraftwerk
Primärenergie Geothermie
Leistung 230 Kilowatt
Betreiber Erdwärme-Kraft GbR
Betriebsaufnahme 1994 Wärmeversorgung und 2003 Stromerzeugung
Stilllegung 2010 Stromerzeugung
Turbine ORC-Turbine
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme 2004 GWh
Website www.erdwaermekraft.de
Das Geothermiekraftwerk von Innen
Das Geothermieheizwerk

Technische AngabenBearbeiten

Die installierte Leistung zur Stromerzeugung betrug 230 kW. Bei einer zugeführten geothermischen Wärmeleistung von 3000 kW errechnet sich daraus ein elektrischer Bruttowirkungsgrad von 7,7 %. Unter Berücksichtigung des Eigenbedarfs der Anlage von etwa 155 kW (Förderpumpe mit 140 kW und Wärmepumpe von 15 kW) ergab sich eine Nettoleistung von 75 kW und ein elektrischer Nettowirkungsgrad von 2,5 %. Diese sehr geringen Werte sind die Konsequenz der geringen Thermalwassertemperaturen von etwa 100 °C.

Die Anlage wurde in Kombination mit dem 1994 in Betrieb genommenen Geothermie-Heizwerk Neustadt-Glewe als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage betrieben. Dabei hatte die Fernwärmeerzeugung Vorrang vor der Stromerzeugung, so dass während der Sommermonate ein Volllastbetrieb möglich war und in der Übergangszeit und im Winter nur diejenige Thermalwasserenergie zur Stromerzeugung genutzt wurde, die nicht für die Fernwärmeversorgung notwendig war. Mit diesem Prinzip konnte die Thermalwasserenergie ganzjährig optimal ausgenutzt und somit der Gesamtwirkungsgrad deutlich verbessert werden.

Das Kraftwerk arbeitete mit der weltweit niedrigsten Thermalwassertemperatur von ca. 98 °C und besteht wie jedes konventionelle Kraftwerk aus den Komponenten

  • Verdampfer,
  • Turbine mit Generator,
  • Kondensator,
  • Speisepumpe.

Das Kühlwasser für den Kondensator wird über zwei Nass-Kühltürme rückgekühlt. Das Kühlturm-Zusatzwasser (Verdunstung, Abschlämmung) wird durch Grundwasser sichergestellt und in einer Wasseraufbereitungsanlage behandelt. Im Jahr 2004 erzeugte das Kraftwerk, das nach dem Organic-Rankine-Cycle-Prinzip (ORC) arbeitet, 500 MWh elektrische Energie. Seit 2010 ist die Kraftwerksanlage zur Stromerzeugung wegen eines technischen Schadens endgültig stillgelegt. Der geringe Wirkungsgrad der Anlage ist für eine Reinvestition unwirtschaftlich. Auf Grund der vergleichsweise geringen Temperaturen kann das Geothermiekraftwerk nicht wirtschaftlich betrieben werden. Das Geothermie-Heizwerk dagegen wird weiterhin wirtschaftlich betrieben.[2]

Geologie und Anlage der BohrungBearbeiten

In Neustadt-Glewe sind die aufgesuchten Erdschichten, aus denen das Thermalwasser gefördert wird, der Keuper und der Rätkeuper in dort 2455 Meter Tiefe. Die Injektionsbohrung führt das abgekühlte Wasser in eine Tiefe von 2335 Meter. Der Salzgehalt der Sole beträgt 220 Gramm je Liter. Förder- und Rückspeisepunkt der senkrechten Bohrungen liegen 1500 Meter auseinander.[3]

Stromerzeugung im ORC-ProzessBearbeiten

Die geringe Thermalwassertemperatur erfordert als Medium eine spezielle Flüssigkeit (ein synthetischer, organischer Stoff), die anders als Wasser nicht bei 100 °C, sondern bereits bei zirka 30 °C siedet. Mit dessen Dampf (anstelle von Wasserdampf) wird die Turbine betrieben, die wiederum den Stromgenerator antreibt. Der Dampf wird anschließend gekühlt, damit verflüssigt und wieder dem Wärmetauscher zugeführt, wo er durch frisches Thermalwasser wieder erhitzt wird. Dies wird als Organic-Rankine-Cycle-Verfahren bezeichnet.[4][5][6]

Siehe auchBearbeiten

Quellen und EinzelnachweiseBearbeiten

WeblinksBearbeiten