Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Als Gelehrtenschule bezeichnete man eine höhere Schule, die seit der Reformation der voruniversitären Ausbildung diente.

Inhaltsverzeichnis

ReformationszeitBearbeiten

Gelehrtenschulen waren höhere Schulen in protestantischen Gebieten, die seit der Zeit der Reformation entweder durch eine Stadt oder einen Landesherrn getragen wurden. In seiner Schrift An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung hatte Martin Luther 1520 gefordert, die weltliche Obrigkeit habe sich des Schulwesens in besonderem Maße anzunehmen. In der Folge entstanden, insbesondere nach der Aufhebung der meisten Klöster in reformierten Territorialstaaten, weltliche Landesschulen im voruniversitären Bereich und Hohe Schulen als quasiuniversitäre Hochschulen. Die Gelehrtenschulen hatten die Aufgabe, auf das Universitätsstudium vorzubereiten, und waren den akademischen Gymnasien eng verwandt. Der Lehrplan umfasste deshalb immer auch die klassischen Sprachen Latein und Griechisch. Die anderen Fächer waren meist Geisteswissenschaften und Mathematik. Neben der Protestantischen Lehre waren die Ideen des Renaissance-Humanismus der zweite Einfluss, der auf das Profil der Gelehrtenschulen einwirkte.

Bedeutende Gelehrtenschulen entstanden unter anderem in Marburg (unmittelbar an die Universität angeschlossen), in Kassel, Korbach und Brandenburg an der Havel. Die norddeutschen Kirchenordnungen von Johannes Bugenhagen führten jeweils zur Einrichtung einer Gelehrtenschule, so in Hamburg mit der Gelehrtenschule des Johanneums 1528 und in Lübeck mit dem Katharineum zu Lübeck 1531. Noch heute führen Gymnasien in Hamburg, Kiel, Ratzeburg und Meldorf die traditionelle Bezeichnung „Gelehrtenschule“ im Namen.

Jüdische GelehrtenschulenBearbeiten

Im jüdischen Zusammenhang bezeichnet man mit Gelehrtenschulen die Ausbildungsstätten zum Studium des Talmuds, die zugleich als Gerichte dienten, z. B. die Schule in Jawne. Seit dem Mittelalter lautet die Bezeichnung für die Talmudschulen Jeschiwa.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Arnd Friedrich: Die Gelehrtenschulen in Marburg, Kassel und Korbach zwischen Melanchthonianismus und Ramismus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Historische Kommission für Hessen, Marburg 1983, ISBN 3-88443-135-8.
  • Fritz Blättner: Geschichte des Gymnasiums. Die Wandlung von der altprotestantischen Gelehrtenschule zum humanistischen Gymnasium. In: Hermann Röhrs (Hrsg.): Das Gymnasium in Geschichte und Gegenwart. Akademische Verlagsgesellschaft, Frankfurt am Main 1969, S. 1–41.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Gelehrtenschule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen