Freya Aswynn

niederländische Autorin und Musikerin

Elizabeth Hooijschuur (* 9. November 1949[1] in Zaanstad, Niederlande), besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Freya Aswynn, ist eine niederländische Autorin und Musikerin, die vor allem für ihre Aktivitäten rund um den Neopaganismus im Vereinigten Königreich bekannt wurde. Schon früh vertrat sie eine frauenzentrierte Form des Germanischen Neuheidentums und hat durch ihr Buch Leaves of Yggdrasil die zeitgenössische paganistische Community weltweit beeinflusst. Aswynn war in den 1980er Jahren auch Teil der frühen Musikszene des Neofolk in London.

LebenBearbeiten

Freya Aswynn wurde in Zaanstad in den Niederlanden als Elizabeth Hooijschuur als neuntes von 14 Kindern geboren[1] und katholisch erzogen. Ihre Kindheit war geprägt von häuslicher Gewalt. Die Jahre zwischen ihrem 10. und 19. Lebensjahr verbrachte sie in einer Reihe von Kinderheimen und Erziehungsanstalten.[1] Im Jahr 1970 traf sie ihren ersten Mann George, der 21 Jahre älter war und bereits nach zwei Jahren Ehe an Magenkrebs starb.[1] Durch ihn kam sie in Kontakt mit der Philosophie Friedrich Nietzsches, der Musik Richard Wagners und esoterischen Interpretationen der Runen. Durch ihr fortgesetztes Studium der Esoterik machte sie sich mit Spiritualismus, Rosenkreuzertum, Astrologie, der Kabbalah und dem Thelema vertraut. Mit dem Erbe ihres Mannes absolvierte sie eine Ausbildung als Fußpflegerin,[1] bevor sie im Alter von 30 Jahren nach London umzog.[2]

Aswynn engagierte sich in London in der okkulten Community und wurde im Jahr 1980 durch Jim Bennett und Alex Sanders in den Wicca-Kult eingeführt. Noch im selben Jahr begann sie, Gardnerian Wicca – eine in Großbritannien bekannte Spielart des Wicca-Kultes – zu praktizieren.[3] Einige Jahre später machte sie die Erfahrung einer, wie sie es nannte, "intensiven, spontanen Beschwörung des Gottes Woden", die sie dazu bewegte, sich dem Germanischen Neuheidentum anzuschließen.[3] Bis 1995 war sie in Edred Thorssons Organisation Rune-Gild (Runengilde) aktiv.[4] Im Jahr 1993 gründete sie einen britischen Ableger der US-amerikanischen Organisation Ring of Troth (Ring der Treue, später in The Troth umbenannt), dem sie mehrere Jahre lang vorstand.[3][5]

Ihr Weg führte sie von London über Schottland bis nach Spanien, wo sie die Position einer Ältesten in der Organisation Ring of Troth ausübte und sich dem Unterricht und der Führung der Mitglieder widmete.[3] Im Jahr 2018 wurde ihr diese Position entzogen, da Aswynns Äußerungen in sozialen Medien von The Troth als "zunehmend islamfeindlich" angesehen wurden.[6]

Fachliche EinordnungBearbeiten

Freya Aswynns Erfahrungen mit Wicca haben die Form ihrer Rituale nachhaltig beeinflusst.[7] Schon früh vertrat sie eine frauenzentrierte Form des Germanischen Neuheidentums mit Fokus auf Seiðr, einer Praxis, die in den altnordischen Quellen mit der Göttin Freyja in Verbindung gebracht wird.[8] Aswynn selbst bezeichnet ihre Version des Seiðr als magisch und schamanisch.[9] In den 1980er Jahren entwickelte sie ihre eigene Art des Runenorakels.[10] Zunächst vertrat sie die Ansicht, dass Runenmagie nur von Personen germanischer Abstammung praktiziert werden könne, aber 1990 distanzierte sie sich öffentlich von dieser Auffassung.[11]

Ihr Buch Leaves of Yggdrasil erschien im Jahr 1990 und hat bis heute einen starken Einfluss auf das Germanische Neuheidentum weltweit.[12] Im Jahr 1998 erschien eine überarbeitete Neuauflage unter dem Titel Northern Mysteries and Magick zusammen mit einer CD mit Aufnahmen von Aswynns Beschwörungen, inspiriert durch Gedichte aus der Lieder-Edda.[13]

MusikBearbeiten

Mitte der 1980er Jahre begann Aswynn, sich in der noch jungen Neofolk-Musikszene in England zu engagieren. Ihr Haus in London war Treffpunkt für Musiker wie Douglas Pearce (Gründer der Band Death in June), Tony Wakeford (Gründer der Band Sol Invictus), David Tibet (Gründer der Band Current 93), Boyd Rice (bekannt unter dem Pseudonym NON) und Ian Read (Gründer der Band Fire + Ice). Auf mehreren Aufnahmen dieser Künstler ist sie mit Darbietungen ihrer Runenbeschwörungen zu hören.[14]

TriviaBearbeiten

Freya Aswynn hat einen Auftritt in Episode 2 der 1. Staffel der britischen TV-Serie Desperately Seeking Something.

WerkeBearbeiten

Englische Originalausgabe Deutsche Ausgabe
Titel Erscheinungs-
jahr
ISBN Titel Erscheinungs-
jahr
ISBN
Fruits of Yggdrasil (CD) 1987
Leaves of Yggdrasil 1990 ISBN 0-87542-024-9. Die Blätter von Yggdrasil ? ISBN 978-3-901134-07-4.
Shades of Yggdrasil (CD) 1993
Northern Mysteries and Magick 1998 ISBN 978-1-56718-047-3.
Songs of Yggdrasil (CD) 1998 ISBN 0-87542-023-0.
Principles of Runes 2000 ISBN 978-0-7225-3883-8.
Power and Principles of Runes 2007 ISBN 978-1-8704-5023-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Aswynn: Northern Mysteries and Magick. 2. Ausgabe. St. Paul 1998, ISBN 1-56718-047-7, Einleitung
  2. Shelley Rabinovitch (Hrsg.): The Encyclopedia of Modern Witchcraft and Neo-Paganism. 2. Ausgabe. Dubuque 2011, ISBN 978-0-7575-9078-8, S. 19–20.
  3. a b c d Shelley Rabinovitch (Hrsg.): The Encyclopedia of Modern Witchcraft and Neo-Paganism. 2. Ausgabe. Dubuque 2011, ISBN 978-0-7575-9078-8, S. 20.
  4. Kennet Granholm: The Rune-Gild: Heathenism, Traditionalism, and the Left-Hand Path. In: International Journal for the Study of New Religions. Band 1, 2010, S. 108.
  5. Stefanie von Schnurbein: Norse Revival: Transformations of Germanic Neopaganism. Leiden 2016, ISBN 978-90-04-30951-7, S. 71.
  6. Freya Aswynn removal. In: The Troth. 14. August 2018. Abgerufen am 29. Mai 2021.
  7. Stefanie von Schnurbein: Norse Revival: Transformations of Germanic Neopaganism. Leiden 2016, ISBN 978-90-04-30951-7, S. 111.
  8. Paul Mountfort: Runecasting: Runic Guidebooks as Gothic Literature and the Other Gothic Revival. In: Aeternum: The Journal of Contemporary Gothic Studies. 2015, ISSN 2324-4895, S. 26–27.
  9. Carole Cusack: The Return of the Goddess: Mythology, Witchcraft and Feminist Spirituality. In: James Lewis, Murphy Pizza (Hrsg.): Handbook on Contemporary Paganism. Leiden 2009, ISBN 978-90-04-16373-7, S. 354.
  10. Stefanie von Schnurbein: Norse Revival: Transformations of Germanic Neopaganism. Leiden 2016, ISBN 978-90-04-30951-7, S. 117.
  11. Michael York: The Emerging Network: A Sociology of the New Age and Neo-pagan Movements. Lanham 1995, ISBN 0-8476-8000-2, S. 140.
  12. Stefanie von Schnurbein: Norse Revival: Transformations of Germanic Neopaganism. Leiden 2016, ISBN 978-90-04-30951-7, S. 83–84.
  13. Paul Mountfort: Runecasting: Runic Guidebooks as Gothic Literature and the Other Gothic Revival. In: Aeternum: The Journal of Contemporary Gothic Studies. 2015, ISSN 2324-4895, S. 27.
  14. Stefanie von Schnurbein: Norse Revival: Transformations of Germanic Neopaganism. Leiden 2016, ISBN 978-90-04-30951-7, S. 342.

LiteraturBearbeiten

  • Stéphane François: The Euro-Pagan Scene: Between Paganism and Radical Right. In: Journal for the Studies of Radicalism. Band 1, Nr. 2, 2007, ISSN 1930-1189, S. 35–54, doi:10.1353/jsr.2008.0006.
  • Graham Harvey: Listening People, Speaking Earth: Contemporary Paganism. Hurst & Company, London 1997, ISBN 1-85065-271-6, S. 61–62, 85 (google.com).