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Als Frauentaxi oder Nachttaxi für Frauen werden Angebote für Frauen bezeichnet, am späten Abend oder in der Nacht mit Taxen zu ermäßigten Preisen oder einem Festpreis innerhalb einer bestimmten Reichweite befördert zu werden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Idee dazu entstand 1983 in West-Berlin im Zusammenhang einer Protestbewegung, die entstanden war, nachdem eine Studentin nachts auf dem Nachhauseweg von dem Serienmörder Thomas Rung vergewaltigt und ermordet worden war. Sie wurde in 40 weiteren deutschen Städten von Gruppen gegen Gewalt gegen Frauen und Kommunalpolitikerinnen aufgegriffen. Mit dem von Städten oder Gemeinden subventionierten Frauentaxi zum Normalpreis des öffentlichen Nahverkehrs sollte Frauen, die nicht die finanziellen Mittel für ein Taxi haben, die Möglichkeit gegeben werden, abends auszugehen, ohne dabei gefährdet zu werden.[1] Der Hintergrund für das Angebot eines Frauentaxis bzw. Nachttaxis für Frauen waren die von Frauen geäußerten Unsicherheitsgefühle sich nachts im öffentlichen Raum zu bewegen, was sich auf ihre Mobilität beschränkend auswirkt. Eine von der Zeitschrift Stern 1984 veröffentlichte bundesweit durchgeführte repräsentative Studie ergab, dass sich in Deutschland 71 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer bedroht fühlten, wenn sie nachts zu Fuß unterwegs sind.[2]

Das erste Nachttaxi für Frauen wurde 1985 vom Gemeinderat in Tübingen beschlossen, der erste Modellversuch in Bielefeld durchgeführt.[3] 2015 brachte die Fraktion der Grünen im Stadtrat München den Antrag für bezuschusste Frauentaxen ein, die nach dem Vorbild von Hannover seit 1994 Frauen von der nächsten Haltestelle ihres Busses oder ihrer Bahn nachts nach Hause bringen sollen.[4]

In Freiburg im Breisgau gibt es seit Dezember 2017 als Reaktion auf den Mordfall Maria Ladenburger wieder ein Frauentaxi. Schon mal gab es das von 1991 bis 2003.[5]

Seit einigen Jahren gibt es Frauentaxis auch in anderen Ländern/Städten, zum Beispiel Dubai und in Indien, die auch von Frauen gesteuert werden.[6] Die Azad Foundation in Indien bildet Frauen zu Taxifahrerinnen aus.[7]

KritikBearbeiten

Da Fahrer von Frauen-Taxis keine besondere Eignung haben und kein Führungszeugnis vorzulegen haben, kommt es in Einzelfällen auch zu sexueller Belästigung von Frauen durch die Fahrer von Frauen-Taxis.[8]

Die explizite Diskriminierung und Benachteiligung von Männern, die ihre Taxifahrt in vollem Umfang selbst zu finanzieren haben, wird damit gerechtfertigt, dass durch das Frauen-Taxi tatsächlich bestehende Nachteile von Frauen ausgeglichen werden. Männer werden 1,5 Mal so oft wie Frauen Opfer von Straftaten gegen höchstpersönliche Rechtsgüter wie das Leben, die körperliche Unversehrtheit, Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung.[9]

LiteraturBearbeiten

  • Nachttaxi für Frauen – eine Idee rollt an. In: Elke Steg (Hrsg.): Die Zukunft der Stadt ist weiblich. Frauenpolitik in der Kommune. AJZ Verlag, Bielefeld 1987, ISBN 3-921680-61-1, S. 82–103.
  • Renate Ruhne: Raum Macht Geschlecht. Zur Soziologie eines Wirkungsgefüges am Beispiel von (Un)Sicherheiten im öffentlichen Raum. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-18037-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland., VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-14729-1, S. 804.
  2. Renate Ruhne: Raum Macht Geschlecht. 2011, S. 16–17.
  3. Renate Ruhne: Raum Macht Geschlecht. 2011, S. 17, FN 4.
  4. Heimweg mit dem Frauentaxi. In: Süddeutsche Zeitung. 2. September 2015.
  5. Frauennachttaxi startet am 10. Dezember - www.freiburg.de. Abgerufen am 17. März 2019.
  6. Wie Indiens Frauen ihre Straßen wieder sicher machen, Ze:tt, 28. Dezember 2015
  7. Sie fährt Taxi, weil sich ihre Mutter opferte, NZZ, 15. April 2017
  8. Weser-Kurier Kritik an Frauen-Taxi-Konzept
  9. heise telepolis Wer ist hier eigentlich das typische Opfer?